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20 Jahre Google - Die Maschine, die immer schon da ist

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Am 4. September 1998 gründen Sergey Brin und Larry Page Google. Das Geschäftsmodell klingt einfach, fast naiv. Es ist aber zynisch und äußerst erfolgreich: Transparenz bringt Geld.

Zentrale von google inc. in Mountain View, Kalifornien
Die Google-Zentrale in Mountain View, Kalifornien. Quelle: ap

Gourmetverpflegung in der Kantine, Personal Trainer für Mitarbeiter, flache Hierarchien - Google hat die Unternehmenskultur im Silicon Valley stark geprägt. Suchmaschine, Maildienst, Routenplanung - Google ist längst der Alltagsbegleiter mit Rundumversorgung von vielen Millionen Menschen weltweit.

Google ist für viele Menschen immer schon da

Google hat Nutzer. "Das sind keine Kunden, und deshalb sind wir auch kein konventionelles Unternehmen", meint Google-Gründer Larry Page.

Diese Nutzer zahlen mit ihren Daten für die vielen Services, vom Übersetzungsservice über die Terminverwaltung bis hin zur Dokumentensuche und -speicherung, die Google in hochgezüchteten Rechenzentren für sie bereitstellt.

Daten gegen Service

Google wiederum nutzt diese Daten nicht nur, um ein milliardenschweres Geschäft mit personalisierter Werbung zu machen. Das Datengeschäft des Internet-Konzerns reicht viel weiter.

Algorithmen können den Todeszeitpunkt von Google-Nutzern berechnen. Nicht nur Krankenversicherungen haben daran ein Rieseninteresse. Auf der Basis von Nutzerdaten werden Krebstherapien berechnet. Die Gesundheitsindustrie kauft das zu teuren Preisen.

Sicherheitsbehörden nutzen Google-Daten, um prognostizieren zu könne, wann ein Mensch straffällig wird. Regierungen lassen bei Google Profildaten kaufen, um die Stimmung in der Bevölkerung genau analysieren zu können.

Daten sind Herrschaftswissen

Mit solchen Daten lassen sich Wahlen gewinnen. "Gesetz ist nun mal Gesetz, deshalb kooperiert Google mit Regierungen", rechtfertigt Eric Schmidt, ehemaliger und langjähriger Google-Vorstandsvorsitzender die Unternehmenspolitik.

Unternehmen wissen dank der Google-Daten ganz genau, wann ein Nutzer der Google-Services eine hohe Kaufbereitschaft für ein bestimmtes Produkt entwickelt. Genau dann machen sie ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.

Das alles funktioniert nur, weil Google-Nutzer ihre Daten dem Internet-Konzern bereitwillig geben. Sie bekommen auch viel dafür. Google organsiert ihren Nutzern den Alltag - beruflich wie privat.

Google will die transparente Gesellschaft

Je mehr Daten die Menschen Google anvertrauen, desto bessere Dienste kann Google ihren Nutzern bereitstellen. "Unser Geschäftsmodell heißt Transparenz", argumentiert Eric Schmidt, der Google groß gemacht hat. Tatsächlich brennen die Entwickler und Manager bei Google für eine transparente Gesellschaft. Je mehr Daten die Mustererkennung eines Übersetzungsprogramms auswerten kann, umso besser werden die Übersetzungen.

Je mehr Daten eine Suchmaschine aufbereiten kann, desto besser kann sie die Anfragen der Nutzer beantworten. "Die Art von Transparenz leuchtet vielen Menschen ein, sie muss aber dennoch ihre Grenzen haben", meint Datenschützer Peter Schaar.

Denn Google will die umfassende Datensammlung des berechneten und transparenten Menschen, damit Google-Tochter Calico eine individuelle medizinische Therapie berechnen kann. Im Projekt Wing erhält der transparente Kunde nicht nur seine Bestellungen per Drohne ausgeliefert, sondern auch noch die zwei oder drei Produkte, von der die KI-Software berechnet hat, dass er für sie zum Auslieferungszeitpunkt empfänglich sei. Waymo braucht die Daten aller Verkehrsteilnehmer, um selbstfahrende Autos immer dorthin zu schicken, wo sie gerade gebraucht werden. Solche Dienstleistungen für die transparente Gesellschaft sind ein Riesengeschäft.

Algorithmen sind wichtiger als Wahlen

In einem Punkt sind sich die Google-Ingenieure sicher: Die Gesellschaft der Zukunft wird von Algorithmen gesteuert. Wer diese Algorithmen kontrolliert, beherrscht Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb investiert Google Milliarden von Forschungsgeldern in die Supercomputerforschung, in Mustererkennung und Künstliche-Intelligenz-Software.

Doch dafür braucht Google Unmengen von Daten. Der Bürger muss transparent sein, damit er berechenbar ist. Diese Berechenbarkeit ist für die Google-Entwickler die Basis künftiger Gesellschaften. Für diese Basis muss allerdings so etwas wie Privatsphäre abgeschafft werden. Sonst können die Algorithmen nicht mit den Daten gefüttert werden, die sie für ihre Berechnungen brauchen.

Damit halten die Google-Manager nicht hinter dem Berg. "Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es jemand erfährt, vielleicht sollten Sie es dann gar nicht tun", hat Eric Schmidt Transparenz als Geschäftsprinzip von Google einmal auf den Punkt gebracht.

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