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Virtual Reality im Unterricht - Schulen-Sponsoring: Mit Google zum Mond

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Eine Klassenfahrt zum Mond? Mit einer Virtual-Reality-App von Google können Schüler auch entlegene Orte - wie den Mond - im Unterricht hautnah erkunden. Das Begleitmaterial stammt von der Stiftung Lesen. Doch die GEW warnt vor unkritischen Partnerschaften mit IT-Konzernen.

Computer, Laptop und Smartphone haben längst Einzug ins Klassenzimmer gefunden – Lernen wird digital. Viele Eltern stehen den neuen Lernmethoden skeptisch gegenüber.

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Klassenfahrten waren gestern. Heute fliegen Schüler virtuell zum Mond oder schauen sich Windkraftparks in der Nordsee aus nächster Nähe an, ohne ihre Klassenräume zu verlassen - ginge es nach Google. Zusammen mit der Stiftung Lesen hat der Suchkonzern das Projekt Expeditions gestartet. Herzstück ist die gleichnamige App, mit der Schüler in virtuelle Lernwelten eintauchen können.

"Lernstoff wird besser aufgenommen"

"Expeditions" liefere 360-Grad-Panoramen von Sehenswürdigkeiten, Naturphänomenen und Orten rund um den Globus, heißt es in der Projektbroschüre, die die Stiftung Lesen zusammen mit Google herausgegeben hat. Die zugehörige App bietet entsprechende Lernszenarien an. Für Lehrer hat die Stiftung Lesen kostenloses Begleitmaterial entwickelt, das sich an deutschen Lehrplänen orientiert.

"Der wohl größte Vorteil der Expeditionen ist, dass Inhalte anschaulicher dargestellt werden können", sagt Franziska Hedrich von der Stiftung Lesen. Die Schüler würden authentische Eindrücke von Orten gewinnen, die für sie ansonsten unerreichbar seien. Sie könnten die virtuellen Räume "im wahrsten Sinne des Wortes begehen und sich dort umsehen", erklärt Hedrich. Der Lernstoff werde dadurch besser aufgenommen und behalten.

"Bring dein eigenes Smartphone mit!"

Die Expeditions-App und die Lernszenarien sind kostenlos, die technischen Anforderungen vergleichsweise gering. Der Lehrer steuert das System über ein Tablet. Die Schüler benötigen Smartphones. Hier setzt Stiftung Lesen auf das "Bring-Your-Own-Device"-Prinzip ("Bring dein eigenes Gerät mit"). Denn die meisten Schüler besitzen ein eigenes Smartphone, auf dem nur noch die Expeditions-App installiert werden muss.

Auch die Kosten für die Virtual-Reality-Brillen halten sich in Grenzen. Google empfiehlt seine eigenen - Cardboards genannten - Brillen, die sich die Schüler vor die Augen halten müssen, um in die Lernumgebung einzutauchen. In diese Cardboards werden die Smartphones geklemmt. Die Brillen sind aus Pappe und online schon für knapp sieben Euro zu erwerben. Sie können aber auch mit kostenlosen Bastelanleitungen selbst angefertigt werden.

"Mit Feuereifer dabei"

Anfang September startete das Projekt. Zuvor wurde es an 50 Schulen getestet - mit positivem Ergebnis, heißt es bei der Stiftung Lesen. "Die Kinder sind begeistert von der neuen Technik und lassen sich mit Feuereifer darauf ein", sagt Franziska Hedrich. "Dabei nehmen sie die sphärischen Fotos nicht als Spielerei wahr, sondern als spannende Möglichkeit, das eigene Wissen zu vertiefen und zu erweitern."

Google ist nicht der einzige IT-Konzern, der sich als Sponsor in Sachen Bildung engagiert. Auch Amazon, Apple, Samsung oder Microsoft haben bereits ähnliche Programme gestartet. Kein Wunder, der Bildungsmarkt ist milliardenschwer. Den Konzernen stehen satte Umsätze ins Haus, wenn sie mit ihrer Hard- und Software in den Schulen Fuß fassen. Zudem können sie Kinder und Jugendliche frühzeitig mit ihren Produkten und Diensten vertraut machen und an ihre Marke binden.

Kampf um Marktmacht

Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), warnt deshalb vor unkritischen Partnerschaften mit IT-Konzernen. Es spreche zwar prinzipiell nichts dagegen, externes Unterrichtsmaterial zu verwenden. Das könne den Unterricht um Themen bereichern, zu denen in den Schulbüchern nichts zu finden sei. Doch verfolgten die großen Konzerne mit ihrem Sponsoring immer auch eigene, kommerzielle Interessen.

Schulen, die sich auf Partnerschaften mit IT-Konzernen einließen, "sollten zumindest zur Kenntnis nehmen, in welchem Kampf um die Marktmacht - zwischen Google, Microsoft, Apple und anderen - sie sich hier befinden", sagt Hoffmann. Sie sollten sich nicht von einem Anbieter abhängig machen und im Falle von Google Expeditions zum Beispiel fragen: "Welchem Unterrichtszweck dient zwingend die Google-Brille, den nicht auch andere Medien wie Internet oder konventionellere Simulationsprogramme erfüllen könnten?"

Auch andere Hersteller werden genannt

Schule dürfe nicht zum "Spielfeld kommerzieller Interessen" werden, meint Ilka Hoffmann. Das sieht die Stiftung Lesen offenbar ähnlich. Entscheidend sei, dass der schulische Nutzen deutlich größer sei als die Werbewirkung für das Unternehmen, sagt Franziska Hedrich. Deshalb würden im Begleitmaterial auch Anwendungen anderer Hersteller genannt. Zudem werde deutlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, "die Anwendung medienpädagogisch sinnvoll einzubetten und wie jede Quelle kritisch zu prüfen".

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