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Konferenz Google Cloud Next - Google macht die Cloud schlau

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Das Geschäft mit der Datenwolke blüht. Amazon und Microsoft beherrschen den Markt. Nun will auch Google mitmischen - mit Künstlicher Intelligenz für alle aus der Datenwolke.

Google in Mountain View.
Die Cloud genießt im Google-Konzern oberste Priorität und soll sich auch in Europa in eine sprudelnde Einnahmequelle verwandeln. Quelle: Christoph Dernbach/dpa

Kleine Ursache, große Wirkung: Der Tippfehler eines Amazon-Technikers brachte im März letzten Jahres fast das halbe Internet zum Stillstand. 54 der hundert größten Online-Händler waren über Stunden nicht erreichbar. Die betroffenen Firmen erlitten Umsatzeinbußen von mehreren hundert Millionen US-Dollar. Sie alle waren Kunden bei Amazon - genauer: bei den Amazon Web Services, einem der größten Cloud-Dienste im Netz.

Google buhlt um Firmenkunden

Der Vorfall zeigt: Immer mehr Unternehmen verzichten auf den kostspieligen Betrieb eigener Rechenzentren. Sie beziehen Software, Speicherplatz und Rechenleistung aus der Cloud. Das Geschäft boomt. Die Cloud hat sich zu einem milliardenschweren Markt entwickelt – nicht nur für Amazon. Auch IT-Riesen wie Microsoft, Oracle, SAP und IBM setzen erfolgreich auf das Cloud-Geschäft. Nun will sich auch Google ein Stück vom Umsatzkuchen abschneiden.

Nach Konferenzen in San Francisco und Tokio findet in dieser Woche in London eine weitere Google-Cloud-Next-Konferenz statt. In Vorträgen und Workshops präsentiert der Suchkonzern neue Entwicklungen rund um seine Datenwolke. Die zweitägige Konferenz, die am gestrigen Mittwoch begann, richtet sich an Unternehmen und Entwickler im europäischen Raum. Das Interesse ist groß, die Veranstaltung seit Wochen ausverkauft.

Google lockt mit Künstlicher Intelligenz

Was Technik und Kapazitäten anbelangt, betreibt Google längst eine der leistungsfähigsten Wolken am Datenhimmel. Doch Cloud-Dienste wie Drive, Fotos, G-Mail oder Google-Kalender werden meist unentgeltlich von privaten Usern genutzt. Bei Unternehmen hatte Google bisher einen schweren Stand. Das soll sich ändern. Die Cloud genießt im Konzern oberste Priorität und soll sich auch in Europa in eine sprudelnde Einnahmequelle verwandeln.

Keine leichte Aufgabe für den Suchkonzern, denn der Markt für Dienste aus der Datenwolke ist hart umkämpft. Die Konkurrenz sitzt fest im Sattel. Wer ihr Marktanteile abjagen will, muss Unternehmenskunden mit besonderen Technologien und Diensten in seine Datenwolke locken. Die Pfunde, mit denen Google besonders kräftig wuchern will, heißen maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz für alle

Diese Technologien werden immer öfter nachgefragt und in vielen Branchen schon genutzt, so etwa in der Gesundheitsbranche, um Patientendaten auszuwerten. In Online-Shops und auf Streaming-Plattformen sollen sie Kundendaten analysieren und in Call Centern den Berater aus Fleisch und Blut durch Chat-Roboter ersetzen.

Technologien wie Künstliche Intelligenz sind ebenso anspruchsvoll wie teuer. Wer sie in Googles Datenwolke mieten und für seine Zwecke anpassen kann, kommt billiger davon. Die Google-Cloud "demokratisiere" die Anwendung Künstlicher Intelligenz, meint Google-Cloud-Chefin Diane Greene, die die Konferenz in London mit einer Keynote eröffnete.

Google beendet Militärprojekt

Große Unternehmen wie Airbus, der Metro-Konzern oder Spotify werden schon von der Google Cloud mit Künstlicher Intelligenz bedient. Doch die Vermarktung dieser Technologie "an Gott und die Welt" stößt nicht überall auf ungeteilte Gegenliebe. Im April 2018 wurde bekannt, dass Google auch das US-Verteidigungsministerium auf seiner Kundenliste hat. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz sollten Videos von Drohnen ausgewertet werden, um automatisiert und ohne menschliches Zutun militärische Ziele auszusuchen und anzugreifen.

Die Empörung war groß - auch unter Google-Mitarbeitern. Über 3.100 unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie die Konzernführung aufforderten, die Zusammenarbeit mit dem Pentagon zu beenden. Unterstützt wurde der Protest von mehr als 800 Wissenschaftlern vorrangig aus dem IT-Bereich. Im Juni gab Google bekannt, dass der Vertrag mit dem Pentagon nicht verlängert würde.

Google verzichtet auf Milliardengeschäft

Gleichzeitig veröffentlichte die Konzernführung ethische Richtlinien zur Vermarktung Künstlicher Intelligenz. Darin verpflichtet sich Google unter anderem, keine Künstliche Intelligenz für Waffen und andere Systeme zu entwickeln, die Menschen großen Schaden zufügen könnten - keine leeren Worte, wie sich kürzlich bei der Ausschreibung des Pentagon für ein milliardenschweres Cloud-Projekt zeigte. Google verzichtete auf ein Angebot.

Ausfälle der Datenwolke gibt es übrigens nicht nur bei Amazon. Auch in der Google-Cloud kam es kürzlich zu einer folgenschweren Panne, die viele populäre Webdienste für kurze Zeit von der digitalen Bildfläche verschwinden ließ. Die hauseigenen Google-Dienste waren von der Störung nicht betroffen. Aber Plattformen wie Spotify oder das beliebte Smartphone-Spiel Pokémon Go waren etwa eine Stunde lang nicht mehr zu erreichen.

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