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Verboten heißt nicht immer gleich Null

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Grenzwerte für gefährliche Stoffe - Verboten heißt nicht immer gleich Null

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Grenzwerte regeln, welche Gefahrstoffe in welchen Mengen wo sein dürfen. Viele Kosmetika enthalten jedoch krebserregende Stoffe. Vom Markt müssen sie oft trotzdem nicht.

Seit inzwischen vier Jahren führt die Aufsichtsbehörde des Landes Baden-Württemberg Schwerpunktkontrollen zum Thema Nagellack durch. Mit erstaunlichem Ergebnis. Auch in diesem Jahr enthält der überwiegende Teil der 100 Proben aus Drogerien, Supermärkten und Parfümerien krebserregende Nitrosamine. "Nur in geringen Spuren, aber immerhin sind sie drin", berichtet Andrea Keck-Wilhelm vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe, das die Schwerpunktaktion durchführt. "75 Prozent der Proben enthielten Nitrosamine. Über diesen hohen Anteil haben wir uns gewundert."

"Verboten heißt nicht immer gleich Null"

Nitrosamine sind krebserregend und dürfen nicht in Kosmetik enthalten sein - das regelt die sogenannte Kosmetikverordnung der Europäischen Union von 2009. In einer Verbotsliste sind 1.328 chemische Substanzen aufgelistet. Neben Nitrosaminen stehen auch Schwermetalle, Farbstoffe und Arzneiwirkstoffe darin. Der Laie möchte meinen, verboten heiße, dass gar nichts von dem Stoff enthalten sein darf.

Wir müssen das nun in jedem Einzelfall mit dem Hersteller klären, warum ein krebserregender Stoff drin ist.
Andrea Keck-Wilhelm, Kosmetiksachverständige

"Doch verboten heißt nicht immer gleich Null", erklärt die Kosmetiksachverständige Andrea Keck-Wilhelm den Widerspruch. Denn die Kosmetikverordnung regelt einige Ausnahmen bei den Grenzwerten, wenn der krebserregende Stoff unbeabsichtigt und nur in geringen Spuren enthalten ist. Doch wann ist das der Fall? "Wir müssen das nun in jedem Einzelfall mit dem Hersteller klären, warum ein krebserregender Stoff drin ist", so Keck-Wilhelm. Ein Riesenaufwand, der im Streitfall meist vor Gericht endet.

Viele Grenzwerte sind Kompromisse

Nicht nur für Stoffe in Alltagsprodukten, sondern auch am Arbeitsplatz und in der Umwelt draußen gibt es jede Menge Grenzwerte. Diese weichen oft stark voneinander ab und stimmen in Deutschland manchmal nicht mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überein. Die WHO empfiehlt bei krebserregenden Stoffen generell möglichst Null. "Jeder Wert darüber hinaus gibt dem Bürger keine Sicherheit vor Krebserkrankungen durch diesen Stoff", erklärt Dr. Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt. 

Dennoch müsse die Politik Grenzwerte festlegen, die nicht zum Stillstand der Gesellschaft führen. Der krebserregende Stoff Benzol kommt zum Beispiel durch Verbrennungsprozesse und Benzinmotoren überall in der Luft in geringen Mengen vor. "Null ist da nicht mehr machbar, sonst würden Industrie und Verkehr von heute auf morgen stillstehen", so Straff. Die Bundesregierung hat also einen Grenzwert von fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel festgelegt. Ein Kompromiss, wie bei so vielen Grenzwerten. Und das Ergebnis jahrelanger Prozesse, in denen Experten in Fachausschüssen und Bundesbehörden berechnen, wie groß die Risiken der Bevölkerung durch einen Gefahrstoff sein könnten und dürfen.

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