Sie sind hier:

Jubel für Klima-Ikone in Berlin - "Aber es ist Greta!"

Datum:

"Das ist erst der Anfang vom Anfang." Kein großer Satz, aber es sagt ihn Greta Thunberg. Dafür wird die Initiatorin der Klimaschutz-Demos in Berlin bejubelt wie ein Popstar.

In 20 deutschen Städten haben Schüler wieder gegen den Klimawandel protestiert. Greta Thunberg, die Gründerin der Bewegung, besuchte auch das Klimafolgenforschungs-Zentrum.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Zwei Minuten spricht Greta Thunberg etwa. Höchstens. Da haben die Demonstranten gut dreieinhalb Stunden auf sie gewartet und sind einige Kilometer durch das Berliner Regierungsviertel gelaufen. Ein paar Jugendliche wären schon fast wieder gegangen. Dann kommt die 16-jährige Schwedin endlich, steht allein auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor und sagt ein paar Sätze. Und die Menge zückt ihre Handys.

Wir wollen eine Zukunft! Ist das zu viel?
Greta Thunberg

"Die Älteren haben versagt, die größte Krise, vor der die Menschheit steht, zu meistern", sagt Thunberg. Als die Jugendlichen sagten, dass sie sich um ihre Zukunft sorgten, hätten diese Älteren nur gesagt: Keine Sorge, wird schon. "Wir müssen aber Panik haben", sagt Thunberg und fordert alle auf, ihre Komfortzonen zu verlassen. "Wir teilen ein Ziel: Wir wollen eine Zukunft! Ist das zu viel? Das ist erst der Anfang vom Anfang, vertraut mir!" Da lächelt die 16-Jährige, und die Menge jubelt, als ob ein Popstar seine nächste Tour angekündigt hätte. Noch ein kurzes Foto mit anderen und Europa-Flagge, fertig.

Streiken, bis Klimakrise nicht mehr ignoriert wird

"Bisschen kurz", sagen die beiden Jugendlichen, die vorher fast gegangen wären. "Aber es ist Greta", sagen sie und strahlen. Auch zwei Jungs sind großzügig: "Immerhin war sie da." Das, findet auch eine andere, sei ihr doch "echt hoch anzurechnen". Zum 15. Mal in Folge haben an diesem Freitag hauptsächlich Jugendliche in Berlin und 30 weiteren deutschen Städten für besseren Klimaschutz demonstriert. Thunberg, die vor Monaten die Protestwelle mit ihrem Streik vor dem schwedischen Parlamentsgebäude ausgelöst hatte, hatte zuvor in Hamburg schon einmal mitdemonstriert. In Berlin war es das erste Mal. Und das gleich bei der bislang größten Demo für einen besseren Klimaschutz: 25.0000, sagt Initiatorin Luisa Neubauer, wären diesmal dabei gewesen. Die Polizei spricht von 10.000.

An den Forderungen der Demonstranten hat sich auch beim 15. Mal nicht viel geändert. Was die Bundesregierung zur Erreichung der Klimaziele unternimmt, ist ihnen einfach zu wenig. "Wer uns fragt, wie lange wir noch streiken wollen, dem sagen wir, geht zur Politik und fragt, wie lange sie die Klimakrise noch ignorieren wollen", sagte Neubauer. Da jubelt die Menge wieder. Ihre vielen Plakate zeigen, wie ernst es ihnen ist. "Ihr geht mit der Welt um, als hättet ihr eine zweite im Keller". Oder: "Oft genug gibt es zwei Wahrheiten. Eine, die uns gefällt und eine, die uns verfolgt", steht da. "Zwischen Natur und Wirtshaft gehört kein Oder", "Eure Klimapolitik ist ein Witz, doch keiner lacht", die Verkehrspolitik finden viele "bescheuert", "Tempo 130 - das Mindeste" wird gefordert. Demonstranten haben Pinguinkostüme an und tragen Schilder um den Hals: "Kein Fisch, keine süßen Pinguine". Bei anderen ist es noch schlichter: "Ohne Biene kein Bier, darum protestieren wir!"

"So kann es nicht weitergehen"

Das Plakat zielt aber vielleicht weniger auf solche Demonstranten wie Lilith, Beyza, Aurelia, Svea, Amelie und Ben. Für die Elf- und Zwölfjährigen aus Berlin-Steglitz ist der Klimawandel gerade Unterrichtsstoff und die Demo damit ein Ausflug. Natürlich sind sie auch wegen Greta da, aber auch, "weil wir langsam mal Entscheidungen brauchen", sagt Beyza. "So kann es nicht weitergehen", findet Aurelia. Und dass diese Welt wirklich bedroht ist, davon sind alle fest überzeugt. "Vielleicht gibt es uns bald nicht mehr", sagt Svea. Und die anderen finden nichts Ungeheuerliches an diesem Satz, sondern stimmen ihr zu.

Plakat auf der Demonstration Fridays for Future in Berlin
Plakat auf der Demonstration Fridays for Future in Berlin
Quelle: ZDF

Das Plakat mit der Biene und dem Bier zeigt vielleicht eher: Dieser Protest ist mittlerweile sehr erwachsen geworden. Nicht nur die 25.000 Wissenschaftler von "Scientist for Future" haben sich den Schülern angeschlossen. Parents for Future ist da, Students for Future auch, und die Eltern und Lehrer, die die Jugendlichen begleiten, sowieso. "Ich bin stolz auf euch" steht auf einem Plakat. Auf einem anderen: "Ich danke euch: Ihr rettet die Zukunft meiner Enkel." Eine Frau hält ein kleines, schlichtes Plakat "Hoffnung".

Neue Allianz bleibt bislang ohen Folgen

Doch noch ist von der Allianz in der Realpolitik nicht viel zu spüren. Etwa zeitgleich zur Demo stellt an diesem Freitag eine Regierungskommission unter Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ihren Zwischenbericht vor. Und muss eingestehen, dass sie nicht viel zu bieten hat. Dabei stammen ein Fünftel der Treibhausgase von Autos, Lkw, dem Verkehr insgesamt. Die Kommission ist zerstritten. Einige hatten ein Tempolimit von 130 km/h auf den Autobahnen vorgeschlagen, was Scheuer "gegen den gesunden Menschenverstand" abqualifiziert hatte.

Die Antwort der Demonstranten steht auf einem Plakat: "Fürs Klima 130 - nicht den Menschenverstand.“

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.