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16-Jährige kämpft fürs Klima - "Es ist absurd, dass Kinder das hier tun müssen"

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Die Schwedin Greta Thunberg ist 16 Jahre alt – und dank Social Media so etwas wie ein globaler Klima-Superstar. Für das auslandsjournal habe ich sie in Stockholm getroffen.

Greta Thunberg
Greta Thunberg
Quelle: ZDF

Es ist gerade erst hell geworden, als sie kommt. Freitagmorgen, kurz nach acht, stiefelt Greta durch den Schnee. Dick verpackt in Ski-Hose und Anorak, eingemummelt in Schal und Mütze. Jeden Freitag streikt sie hier.

Zuhause hat sie angefangen - und ihre Familie musste mitmachen

In Stockholm versammeln sich über den Tag nur eine Handvoll Mitstreiter um Greta. Mehr als hundert sind es nie. Greta nimmt sie wahr, lässt Zuneigungsbekundungen über sich ergehen – aber viel Interaktion kommt von ihrer Seite nicht. Greta hat Asperger, eine leichte Form von Autismus. Und das, so erzählt sie mir, ist auch der Grund warum sie ihre Aktion begonnen hat: "Ich sehe die Welt aus einer anderen Perspektive – schwarz und weiß. Und ich mag es nicht, wenn Menschen das Eine sagen und das Andere machen."

Greta Thunberg (rechts) bei einer Freitagsdemonstration
Greta Thunberg (rechts) bei einer Freitagsdemonstration
Quelle: ZDF

Seit Greta in der Schule von den Folgen des Klimawandels gehört hat, wurde sie aktiv – erst einmal zu Hause: Licht ausschalten, sich vegan ernähren. Greta hat ihre ganze Familie gezwungen mitzumachen. Ganz schön hart sei das gewesen, sagt ihr Vater. Er kommt mittags kurz vorbei um Greta Essen zu bringen. Seine Frau, eine Opernsängerin, verzichtet wie sie alle aufs Fliegen. Reisen sind nur noch per Elektroauto oder Zug möglich. Ein schleichender Prozess sei das gewesen, über Jahre, erzählt ihr Vater Svante Thunberg, mit vielen Diskussionen: "Am Ende habe ich verstanden: sie hatte Recht."

Ihre Reden schreibt sie selbst

Gretas Motivation? Sie kann nicht anders, sagt sie mir: "Es ist absurd, dass Kinder das hier tun müssen. Aber da niemand sonst etwas tut, habe ich das Gefühl, das hier machen zu müssen." Gretas Einsatz für das Klima hat sie nach Kattowitz auf die Klimakonferenz gebracht und zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Mittschnitte ihrer Auftritte verbreiteten sich im Netz millionenfach. Ob sie nicht aufgeregt sei bei ihren Auftritten, frage ich sie: "Nein", sagt Greta, "ich habe kein Lampenfieber."

Aber es sei schwer für sie, immer im Mittelpunkt zu stehen. Ihre Reden schreibt sie selbst. Aber mittlerweile ist sie gut vernetzt. Sie checkt die Fakten immer noch einmal mit Klimaforschern, die sie jederzeit anrufen kann. Das Gerede, dass sie fremdgesteuert sei, dass Erwachsene hinter ihrem Erfolg stünden, kann sie nicht mehr hören: "Es beschweren sich viele, dass meine Generation so faul und politisch nicht interessiert ist. Aber sobald wir aktiv werden, sagen sie, dass wir zu jung sind, um das Ganze überhaupt zu verstehen."

Ihre Familie unterstützt sie - auch finanziell

Ihrem Vater ist eines noch wichtig: Niemand bezahlt Greta oder ihre Familie für das was sie tun. Die Reisen nach Kattowitz und Davos – alles selbst finanziert. Und das soll auch so bleiben, sagt Svante Thunberg.

Auf der ganzen Welt folgen Kinder und Jugendliche mittlerweile Gretas Beispiel und demonstrieren, auch in Deutschland. "Fridays for future" ist ihr Motto. Und Greta hat das im Blick, Vieles teilt sie über ihre Social Media Accounts: "Ich finde es großartig, dass meine kleine Aktion so etwas auslösen kann."

Gegen 15 Uhr packt Greta ihre Sachen zusammen. Sieben Stunden im eisigen Wind- und Schneegestöber sind genug. Zum Abschied winkt sie uns noch einmal zu.

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