Sie sind hier:

Künftig ohne Rettungsschirm - Noch ein langer Weg für Griechenland

Datum:

Heute endet das dritte Rettungspaket für Griechenland. Die Wirtschaft wächst, doch die Probleme sind nach wie vor massiv. Und viele Menschen im Land sind unzufrieden.

Das Ende des Rettungsprogramms für Griechenland wird in Brüssel optimistisch gesehen, doch das Land steht weiter vor großen Problemen: Ein hoher Schuldenberg, eine hohe Arbeitslosenquote und ein geringes Wirtschaftswachstum.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Reformpakete, Proteste, Generalstreik. Ein lähmender Cocktail. In den vergangenen Jahren war dies quasi ein Dauerzustand in Griechenland. Das Land musste unter der Aufsicht seiner internationalen Geldgeber 15 Reformpakete umsetzen. Reformen klingen vernünftig. Dahinter allerdings verbergen sich Maßnahmen wie höhere Mehrwertsteuern, die vor allem die unteren Gesellschaftsschichten treffen, Lohnkürzungen, die die arbeitende Bevölkerung erdulden musste und drastische Rentenkürzungen. Um rund 25 Prozent sind die Rentenbezüge seit 2009 beschnitten worden - und es steht Anfang 2019 womöglich ein weiterer Einschnitt von 18 Prozent an.

Viele Griechen flüchten ins Ausland

Das trieb und treibt die Menschen in den Großstädte wie Athen, Thessaloniki oder Kavalla auf die Straßen und die Gewerkschaften zu Generalstreiks, die das Land lahmlegten - zuletzt vor ein paar Wochen. "Diejenigen, die nicht weglaufen konnten, die hat es am härtesten getroffen", sagt der für den deutschen Sprachraum zuständige Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Blackrock, Martin Lück.

Junge Griechinnen diskutieren über die anstehende Wahl
Viele Jugendliche gehen zur Ausbildung ins Ausland. Quelle: ZDF

Weggelaufen sind viele aus Griechenland - auch das ist ein wirtschaftliches Problem: Weil vor allem die sehr gut ausgebildeten jungen Griechen wegen der hohen Arbeitslosigkeit kaum Chancen auf eine Beschäftigung haben, kehren sie dem Land den Rücken. Mehrere hunderttausend junge Griechen haben in den vergangenen Jahren die Reise ins Ausland angetreten, die meisten von ihnen mit einem One-Way-Ticket. So fehlt es den griechischen Firmen an gutem Personal, mit dem sie die Produktion wieder aufbauen und stärken könnten. Was diesen Brain-Drain noch verschlimmert: Der griechische Staat und deren Familien sorgen für Bildung und Ausbildung. Die Früchte dieser Arbeit ernten dann aber Firmen im Ausland - während die griechische Wirtschaft auf niedrigem Niveau vor sich hin dümpelt.

Stabile Seitenlage auf niedrigem Niveau

Wenn heute das dritte Hilfspaket für das Land ausläuft, kann die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras in Athen zwar aufatmen. Die wirtschaftlichen Probleme allerdings türmen sich nach wie vor - ähnlich wie der Schuldenberg des Landes. Deswegen ist Griechenland auch nach dem heutigen Tag nach wie vor nicht frei, souveräne Entscheidungen zu treffen. Immer noch stehen dreistellige Milliardensummen aus Europa im Feuer: Kredite aus den verschiedenen Hilfsprogrammen laufen zum Teil bis 2060. Die durchschnittliche ausstehende Laufzeit der Griechenland-Kredite liegt inzwischen bei über 32 Jahren.

Nur über diese Erleichterungen haben die Sanierer es hinbekommen, das Land in so etwas wie einer stabilen Seitenlage zu halten. Gesundet ist der Patient noch lange nicht. Seinen Staatshaushalt kann Athen inzwischen zwar wieder selbst finanzieren - es liegt beim Budget sogar leicht im Plus. Und im vergangenen Jahr ist auch das Wirtschaftswachstum zurückgekehrt; in diesem Jahr, so schätzen die Statistiker, könnte es bei zwei Prozent liegen. Allerdings auf einer sehr niedrigen Basis, denn in den vergangenen Jahren ist die Wirtschaft in Griechenland förmlich abgestürzt.

Griechenland auf einem guten Weg

Die Arbeitslosenquote ist zwar mit der anziehenden Konjunktur zurückgegangen, liegt aktuell mit knapp 20 Prozent aber immer noch horrend hoch. Jugendliche trifft es am härtesten, hier liegt die Arbeitslosigkeit noch immer bei rund 40 Prozent. "Der durchschnittliche Grieche ist nach wie vor in einer schlechteren Verfassung als vor der Krise", meint der Chef der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deka-Bank, Holger Bahr.

Zudem ist das Schuldenproblem Griechenlands nicht gelöst, es ist über die billige und langfristige Finanzierung seitens der Gläubiger nur auf die lange Bank geschoben worden. Nicht nur der Internationale Währungsfonds (IWF) zweifelt daran, ob Griechenland diesen Schuldenberg jemals in den Griff bekommen kann. Aktuell gilt aber immerhin auch: Das Auslaufen des Hilfsprogrammes ist ein Zeichen in die richtige Richtung. Und dass es aktuell danach aussieht, dass Athen keine weiteren Hilfsgelder braucht, ist ebenfalls eine gute Nachricht.

Wird Griechenland sich von nun an wieder selbst finanzieren können? "Im Grundsatz ist das realistisch, ja", meint Holger Bahr. "Die Regierung in Athen hat eine ganze Reihe von Punkten getan. Es steht nicht mehr zur Diskussion, dass Griechenland aus dem Euro ausschert. Und wir haben sicherlich gelernt, dass die südliche Peripherie sich in den letzten Jahren so entwickelt hat, dass Griechenland wieder Anleihen herausgeben kann, die dann auch auf Nachfrage stoßen."

Gute Konjunktur hilft, Probleme bleiben

Rückenwind jedenfalls kommt für alle Länder des Euroraums derzeit von einer gut laufenden Konjunktur. Auch in der Weltwirtschaft läuft der Motor - trotz zahlreicher Risiken - derzeit gut. "Wir haben im Moment auch in Griechenland erheblichen Rückenwind durch die gute allgemeine Entwicklung. Sobald sich hier die Rahmenbedingungen verschlechtern, wird sich wahrscheinlich auch die Lage in Griechenland wieder ändern", sagt Martin Lück. Griechenland macht aktuell also einen großen Schritt in die Unabhängigkeit, aber nur einen kleinen Schritt zur wirtschaftlichen Genesung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.