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Griechische Insel - Tilos setzt komplett auf erneuerbare Energie

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Vorreiterrolle in der Energiepolitik: Auf der kleinen griechischen Insel Tilos soll der gesamte Strom aus Wind- und Solarkraft kommen. Sie macht sich damit unabhängig vom Festland.

Solarpanels auf der Insel Tilos am 9.8.2018
Tilos wird zur ersten Insel im Mittelmeer, die ausschließlich über Wind- und Solarenergie versorgt wird. Quelle: ap

Bald sollen sich auf Tilos die Blätter einer 800-Kilowatt-Windturbine drehen. Ein wichtiger Moment für die kleine griechische Insel: Denn sie wird damit zur ersten im Mittelmeer, die ausschließlich mit Wind- und Solarenergie versorgt wird. Die seepferdchenförmige Insel zwischen Rhodos und Kos hat im Winter 400 Einwohner. Doch im Sommer steigt die Zahl auf bis zu 3.000 Menschen an, was das marode System der Stromversorgung heillos überfordert.

Erste autonom erneuerbare Insel im Mittelmeer

In diesem Sommer führen Techniker die letzten Tests an erneuerbaren Ersatzanlagen durch, die noch in diesem Jahr in Betrieb gehen sollen. Das neue System wird es Tilos ermöglichen, ausschließlich mit High-Tech-Akkus zu laufen, die von einer Windkraftanlage und einem Solarpark aufgeladen werden. Die EU-Kommission will das Projekt als Blaupause für andere kleine Inseln nutzen, die nur über eine begrenzte Netzanbindung zum Festland verfügen.

Griechenland mit den Inseln Rhodos und Tilos
Tilos liegt westlich von Rhodos. 400 Einwohner leben das ganze Jahr über auf der kleinen Insel. Quelle: ZDF

Die EU finanzierte mit elf Millionen Euro den Großteil des insgesamt 13,7 Millionen Euro teuren Projekts auf Tilos. Die besondere Innovation des Programms seien die Akkus, erklärte Projektmanager Spyros Aliferis. "Die von den Windturbinen und der Photovoltaik produzierte Energie wird in den Batterien gespeichert, so dass sie für das Stromversorgungsnetz verwendet werden kann, sobald sie gebraucht wird." Die Batterien speichern bei sonnigem und windigem Wetter Energie und speisen sie in Zeiten hoher Nachfrage und geringerer Produktion ins Stromnetz ein - etwa nachts und in der Haupturlaubssaison.

Versorgungsnetz musste generalüberholt werden

Das Projekt verwendet ein prototypisches Batteriesystem mit einer verbesserten Speicherleistung. Damit es funktioniert, musste das vorhandene Versorgungsnetz generalüberholt werden. In Wohnhäusern und Unternehmen wurden intelligente Stromzähler eingebaut, um die Zeiten großer Nachfrage kalkulieren zu können. Derzeit erhält Tilos seine Energie über ein Unterwasserkabel, das von Kos zur Insel Nisiros und weiter nach Tilos verläuft. Dies führt zu einer erratischen, störanfälligen Versorgung, was immer wieder Haushaltsgeräte beschädigt und viele Unternehmen gezwungen hat, auf Dieselgeneratoren umzusteigen.

Im Unterschied zu lebhafteren griechischen Inseln wie Mykonos und Santorini ist Tilos ein ruhiges Ferienziel mit durchschnittlich 13.000 Besuchern im Jahr. Die Fährfahrt hierher dauert vom Festland aus 14 Stunden. Tilos ist als grüne Insel bekannt und bei Wanderern und Vogelkundlern beliebt. Ein Großteil der Fläche steht inzwischen unter Naturschutz. Ein grünes Energiesystem sei der nächste logische Schritt für die Insel, sagt Bürgermeisterin Maria Kammas. "Tilos geht seit vielen Jahren einen Weg des Umweltschutzes", erklärt sie. "Wir wollen Touristen anziehen, die die Natur lieben und schützen wollen, so wie sie uns gegeben wurde."

Von Stromausfällen geplagt

Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle der Insel. Doch Firmen wurden von langen Stromausfällen geplagt: In Hotels fielen die Klimaanlagen aus, in Restaurants wurde es dunkel und Mitarbeiter mussten verdorbenes Essen aus den warmen Kühlschränken wegwerfen. Hotelinhaber Sevasti Delaporta hat das Energieprojekt seit der Anfangsphase vor mehr als zwei Jahren genau verfolgt. Unter den Bewohnern von Tilos hatte es zunächst Bedenken gegeben, die Tests verliefen aber reibungslos, selbst zu Spitzenzeiten in diesem Sommer.

Das neue System soll voraussichtlich in einigen Monaten voll einsatzfähig sein. "Ich bin sehr optimistisch, was dieses Projekt angeht, denn für Unternehmer und für die Gäste meines Hotels hat es kaum negative Konsequenzen", sagt Delaporta. "Die Leute sind zufrieden mit dem Ergebnis, weil sie kein Problem mit ihren Kühlschränken und ihren Klimaanlagen haben. Sie sind glücklich."

"Ich bin auch ein bisschen stolz auf Tilos"

An den langen sonnigen Tagen dieses Sommers mit einer Durchschnittstemperatur von 33 Grad verbrachten Touristen die Vormittage am Strand und die Nachmittage mit einem Nickerchen. Am Abend wird die Insel lebendig, wenn die Geschäfte öffnen und Touristen sowie Einheimische in die Bars und Cafés strömen. Die Niederländerin Eva Lemaier fährt seit mehr als 20 Jahren jedes Jahr nach Tilos. Sie ist aus ihrer Heimat sehr hohe Umweltstandards gewöhnt und lobt die grüne Politik von Tilos als herausragend in Griechenland. "Ich bin auch ein bisschen stolz auf Tilos wegen des Projekts mit den erneuerbaren Energien", sagt sie. "Ich glaube, es ist gut für die Insel, wenn sie nicht von anderen Inseln abhängig ist."

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