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Chinesischer Mischkonzern HNA - Deutsche-Bank-Großaktionär unter Druck

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Der chinesische Großaktionär der Deutschen Bank hat seine Anteile weiter reduziert. Er kämpft offenbar mit Finanzproblemen. Das kann auch eine gute Nachricht für die Bank sein.

HNA-Plaza-Gebäude in Peking, China
Rund 100 Milliarden Dollar Schulden hat HNA durch seine Investitionen angehäuft Quelle: reuters

Etwas undurchsichtig ist der größte Investor der Deutschen Bank. Und die jüngsten Schlagzeilen, die vom chinesischen Mischkonzern HNA kommen, verheißen nichts Gutes. Noch einmal haben die Chinesen nämlich ihren Anteil an der Deutschen Bank gesenkt - nun hält HNA nur noch 8,8 Prozent. Dabei soll es dann aber bleiben: "Eine weitere Reduzierung der Beteiligung ist nicht vorgesehen", sagte ein Sprecher des Wiener Finanzinvestors C-Quadrat, über den der HNA-Konzern seine Anteile an Deutschlands größtem Kreditinstitut hält.

Das chinesische Unternehmen steht offenbar unter erheblichem finanziellen Druck - Peking hatte dem Konzern gerade mit einem Kredit von rund 3,2 Milliarden Dollar aus der Klemme geholfen. Einem Prospekt für Unternehmensanleihen von HNA zufolge sitzt der chinesische Investor auf einem Schuldenberg von rund 100 Milliarden Dollar. Denn in den vergangenen Jahren war HNA weltweit auf Einkaufstour gegangen und hatte sich Unternehmen und Beteiligungen in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar zugekauft - zumeist auf Pump.

Schuldenproblem in China

"Da kommen wahrscheinlich zwei Themen zusammen", vermutet Christoph Schalast, Experte für Firmenzusammenschlüsse und Übernahmen an der Frankfurt School of Finance and Management. "Ein Liquiditätsproblem, weil die Zinsen steigen. Und hinzu kommt die chinesische Strategie der Entschuldung". Denn die Schulden von Unternehmen in China sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen - nun versucht die Regierung dieses Risiko zu verkleinern.

Zu den Zukäufen der HNA-Gruppe gehören ganz unterschiedliche Unternehmen: Der chronisch Verluste schreibende Regionalflughafen Hahn im Hunsrück gehört beispielsweise dazu. Beteiligt ist HNA aber auch an Hilton-Hotels oder Fluggesellschaften. Und seit Anfang vergangenen Jahres auch an der Deutschen Bank – als größter Einzelaktionär vor dem Vermögensverwalter Blackrock und dem Emirat Katar.

Risiko für Deutsche-Bank-Aktien

Dass HNA seinen Deutsche-Bank-Anteil weiter verkleinert, liegt laut Pflichtmitteilung an bestimmten Absicherungsgeschäften, die im Zuge des Einstiegs bei den Deutschbankern getätigt wurden. Um Teilkredite dieser Finanzdeals zu begleichen, habe man sich von den Anteilen nun getrennt. Dennoch bleibt das Risiko, dass die Probleme von HNA dazu führen könnten, den Deutsche-Bank-Anteil weiter reduzieren zu müssen. So hat die Ratingagentur Standard and Poors Zweifel geäußert, ob das Unternehmen seinen bestehenden Zahlungsverpflichtungen wird nachkommen können. Die Kreditwürdigkeit von HNA haben die Kreditwächter auf Ramschniveau herabgesetzt.

Vor allem auf den Aktienkurs der Deutschen Bank können sich derlei Nachrichten schlecht auswirken. Denn wenn ein Großinvestor seinen Anteil verkleinert, heißt das, dass diese Aktien auf den Markt kommen. Das Überangebot drückt dann tendenziell den Aktienkurs. Und der hat ohnehin schon stark gelitten: Seit Jahresbeginn hat die Aktie der Deutschen Bank rund 20 Prozent an Wert verloren; unter anderem, weil das Institut das dritte Verlustjahr in Folge verbuchen musste. Und schließlich hilft ein solcher Investor im Hintergrund im Zweifel auch nicht dabei, den eigenen Ruf zu verbessern. "Das bringt schon Reputationsrisiken mit sich, die dann auch auf eine Deutsche Bank abfärben können", sagt Branchenanalyst Philipp Hässler von der Privatbank Equinet.

Es gibt aber auch eine mögliche positive Seite bei der ganzen Sache. Denn die Finanz- und Bankenaufsicht prüft, ob sie ein Inhaberkontrollverfahren gegen die chinesische Holding einleiten soll. Das geschieht gewöhnlich erst ab einer Schwelle von zehn Prozent Firmenanteil, kann in einigen Fällen aber auch unterhalb dieser Schwelle stattfinden. Da sich der Anteil nun verringert hat, ist ein solches Verfahren unwahrscheinlicher geworden. Und das ist gut für die Bank, weil es einige Unsicherheit mit sich bringen würde.

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