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Parteitag der Konservativen - Theresa May: Als "Dancing Queen" gegen Johnson

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Selbstbewusst und angriffslustig: Auf dem Parteitag der Tories pariert Theresa May Boris Johnson und greift ihren Herausforderer Corbyn an.

Theresa May spricht am 3. Oktober 2018 auf dem Parteitag der Konservativen in Großbritannien
"Dancing Queen" von Abba statt herunterfallender Buchstaben: Theresa Mays Parteitagsaufrtitt geriet deutlich besser als ein Jahr zuvor. Quelle: dpa

Nach der Fundamentalkritik ihres parteiinternen Rivalen Boris Johnson hat die britische Premierministerin Theresa May ihren Brexit-Kurs auf dem Parteitag der konservativen Tories verteidigt. Tänzelnd zum Abba-Song "Dancing Queen" kam May auf die Bühne in Birmingham, bevor sie unter dem Applaus ihrer konservativen Parteifreunde heftige Kritik an Oppositionschef Jeremy Corbyn (Labour hatte letzte Woche Parteitag) übte - aber auch Brois Johnson angriff.

Die Chefin der britischen Konservativen forderte ihre eigene Partei zur Geschlossenheit auf. "Die Verhandlungen gehen nun in ihre schwierigste Phase", sagte May. "Wenn wir zusammenhalten und die Nerven behalten, können wir ein zufriedenstellendes Abkommen für Großbritannien erreichen."

May warb für eine "ordentliche, gemäßigte und patriotische" Politik und verband den EU-Austritt Ende März 2019 mit größeren öffentlichen Ausgaben. Die Konservativen müssten zeigen, dass sie etwas bei den Themen abliefern könnten, die den Wählern auf den Nägeln brennen. Vor Großbritannien liege nach dem Brexit eine vielversprechende Zukunft. Zehn Jahre nach der Finanzkrise mit Ausgabenkürzungen und stagnierenden Löhnen sollten die Menschen wissen, dass der Sparkurs zu Ende sei: "Das britische Volk muss wissen, dass ein Ende in Sicht ist."

Johnsons Auftritt war umjubelt

Mays Strategie für den EU-Austritt ihres Landes ist innerhalb ihrer Partei umstritten. Der harte Brexit-Flügel der Konservativen wirft ihr zu weitreichende Zugeständnisse an die EU vor. Nur einen Tag zuvor hatte Ex-Außenminister Boris Johnson vor rund 1.000 jubelnden Anhängern in einer Nebenveranstaltung Mays Pläne für den EU-Austritt als "Betrug" an den Brexit-Wählern gegeißelt - sie würden einer "politischen Demütigung" gleichkommen.

Johnson forderte May deshalb zum klaren Bruch mit Brüssel auf. Theresa May ließ sich davon aber offenbar nicht den Schneid abkaufen. Wer gegen jedwede von ihr erreichte Vereinbarung mit der EU sei, habe lediglich seine eigenen politischen Interessen im Blick, nicht aber das Land. Sie sei aber auch bereit, die EU ohne eine Austrittsvereinbarung zu verlassen, wenn kein gutes Abkommen für Großbritannien möglich sei. Das wäre allerdings für beide Seiten eine schlechte Lösung.

Auch in der EU unter Druck

Rund ein halbes Jahr vor dem angepeilten EU-Austrittstermin Ende März steht May sowohl in ihrer Partei, aber auch in der EU unter Druck. Sie strebt eine Freihandelszone mit der EU für Waren, nicht aber für Dienstleistungen und den freien Personenverkehr an. Auch will sie einen Teil der gemeinsamen Regeln beibehalten; dies jedoch lehnen die Noch-EU-Partner ab. Bei einem ungeregelten Brexit werden große politische und wirtschaftliche Verwerfungen befürchtet.

Im vergangenen Jahr war Mays Parteitagsrede, damals in Manchester, zum Fiasko geraten. Zuerst konnte sie vor Hustenanfällen kaum sprechen, dann überreichte ihr ein Komiker ein Entlassungsschreiben, angeblich im Namen des damaligen Außenministers Johnson. Zu guter Letzt fielen hinter ihr die Buchstaben des Parteitagsmottos von der Wand.

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