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Russische Groß-Militärübung "Sapad" - Kritik an Manöver - Moskau: Westen "hysterisch"

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Unter argwöhnischer Beobachtung haben Russland und Weißrussland mit einem Großmanöver an der NATO-Ostflanke begonnen. Soldaten beider Armeen marschierten an der Grenze auf. Polen, Litauen, Lettland und Estland werten das als Einschüchterungsversuch. Russland nennt das wiederum "hysterisch".

An der Grenze zu Polen und dem Baltikum rollen Panzer in einem groß angelegten Manöver der russischen und weißrussischen Truppen. Das Manöver „Sapad 2017“ wird von der Nato misstrauisch beobachtet, auch in Weißrussland gibt es Proteste.

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Die Ukraine hat das russische Großmanöver "Sapad 2017" mit voraussichtlich rund 100.000 Soldaten als mögliche Vorbereitung einer dauerhaften Präsenz an der NATO-Ostflanke kritisiert.

"Russland zielt mit dieser Militärübung einerseits darauf, die Lage an der Grenze zu den NATO-Staaten zu destabilisieren", sagte der außenpolitische Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Kostjantin Jelisejew. Andererseits sei zu befürchten, dass Russland seine Truppen "künftig für eine potenzielle offensive Operation" einsetzen werde. Russland warf westlichen Ländern dagegen vor, "hysterisch" auf das Großmanöver "Sapad 2017" zu reagieren.

Größte Militärübung des Landes

Für das russisch-weißrussische Manöver "Sapad 2017" ("Westen"), das am Donnerstag begann, wird die russische Regierung nach Schätzungen von NATO-Staaten wohl rund 100.000 Soldaten mobilisieren. Offiziell angemeldet sind 12.000 Mann. Es dürfte damit die größte Militärübung des Landes seit dem Ende des Kalten Krieges werden. Das Manöver findet bis zum 20. September in Weißrussland, dem westlichen Teil Russlands, der Ostsee und der russischen Exklave Kaliningrad statt.

Der Westen beobachtet das Manöver aufmerksam: Ein Jahr nach der Übung  "Sapad 2013" eroberte Russland auch mit Hilfe der dort erprobten Taktiken die ukrainische Halbinsel Krim - und löste so ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine neue Eiszeit im Verhältnis zur NATO aus.

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, wies am Donnerstag in Moskau auch den Vorwurf zurück, dass die russische Seite nicht transparent genug sei. "Wir glauben, dass die geschürte Hysterie über diese Manöver eine Provokation ist", sagte er.

"Manöver hin, Manöver her"

Kritik an der Militärübung kam auch aus Deutschland. "Ich finde es deshalb sehr richtig, dass man mit aller Klarheit der russischen Föderation sagt, dass uns dieses Imponiergehabe nicht beeindruckt", sagte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz dem NDR. Dennoch solle man einen Dialog über Rüstungsbegrenzung und Abrüstung beginnen - "Manöver hin, Manöver her."

Deutliche kritischer äußerten sich CDU und Grüne: Russland schüre gezielt Bedrohungsängste in den baltischen Staaten und Polen und bewirke so weiteres Misstrauen im Westen, bemängelte der CDU-Außenpolitiker Franz Josef Jung. Das Russland keine offiziellen Beobachter eingeladen habe, zeige, dass das Land kein echtes Interesse an einer Verbesserung der Beziehungen zum Westen sowie am Abbau von Spannungen habe.

Grüne gegen Lockerung der Russland-Sanktionen

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir nannte die Sorge vieler Menschen im Baltikum und Polen verständlich und stellte sich gegen Forderungen nach einer Lockerung der EU-Sanktionen gegen Russland. "Wer leichtfertig und ohne Gegenleistung Sanktionen lockern will, wie man das dieser Tage aus der FDP hört, weckt alte Ängste in Osteuropa, im Stich gelassen zu werden - und schwächt Europa insgesamt", sagte er.

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