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"Smart farming" - Mit digitaler Hilfe optimal ackern

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Massentierhaltung, Glyphosat, Gülle, Dünger: Bauern stehen in der Kritik. Junge Landwirte wollen neue Wege gehen - umweltfreundlicher und trotzdem effektiv. Bleibt noch das Wetter.

Die Digitalisierung ist mittlerweile auch in der Landwirtschaft angekommen. Zwei Landwirte aus Brandenburg nutzen das Netz als Marketinginstrument, aber auch um ihre Produktivität zu erhöhen. Und nicht zuletzt, um die Umwelt zu schonen.

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Benedikt Bösel ist Biobauer. Auf dem Schlossgut Alt Madlitz versucht er, alles richtig zu machen. Seine Felder hat er auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Kein Dünger, keine Pflanzenschutzmittel. Doch die Böden in Brandenburg sind karg, und die Erträge lassen trotz viel Engagements zu wünschen übrig. Jetzt will er neue Wege gehen. Das Zauberwort heißt "smart farming". Mit Hilfe von genauen Computeranalysen will er seinen Hof optimieren. Er will wissen, wo die Bedingungen für sein Getreide am besten sind. Wo soll der Hafer stehen, kann man auf jedem Feld den Roggen säen? Denn weniger Saatgut spart bares Geld.

Start-up-Unternehmen entdecken den Ackerbau

Beim Einsatz der digitalen Technik auf dem Feld braucht Bösel Hilfe. Sensoren und Programme sind teuer, das können sich die meisten Bauern nicht leisten. Lösungen bieten Start-up-Unternehmen an, die sich auf die Modernisierung der Landwirtschaft spezialisiert haben. Sie stellen Satellitendaten zur Verfügung und bieten Module an, die den Einsatz von Düngemittel oder Saatgut berechnen können. 

Doch jeder Hof ist anders. Ob Bio-Landwirt in Brandenburg oder konventioneller Anbau in Bayern - eine Lösung für alle gibt es nicht. Deshalb braucht jeder Betrieb individuelle Beratung. Dabei hilft Oliver Martin, selbst Landwirt und überzeugter "smart farming user". Er berät Bauern beim Einsatz der neuen Technik und stellt die notwendigen Geräte zur Verfügung.

Mit dem Sensor übers Feld

Bendedikt Bösel ist gespannt. Er hat zusammen mit Oliver Martin einen großen Sensor am Traktor installiert und fährt jetzt eines seiner Felder ab. Die Daten liefern ihm eine genaue Analyse der Bodenbeschaffenheit. Im Prinzip kennt der Bauer seinen Acker: "Ich weiß, wo das Unkraut wächst und dann vermute ich, dass der Boden dort verdichtet ist. Mit Hilfe der Daten kann ich das jetzt genau sehen und reagieren."

Bösel ist Bio-Bauer aus Berufung, aber er weiß, dass der Markt hart umkämpft ist. "Als Bauer triffst du 30, vielleicht 35 Mal in deinem Leben eine Entscheidung. Einmal im Jahr beschließt du, wo du was anbaust, und hoffst dann, dass du Erfolg hast." Diese Entscheidung fällt ihm dank genauer Analyse jetzt leichter. Doch ganz so einfach ist das nicht. Die Karten, die der Sensor liefert, kann nicht jeder lesen, eine präzise Handlungsanweisung gibt es nicht. Dazu braucht man Erfahrung. Oliver Martin erklärt das so: "Jedes Werkzeug in diesem Kasten digitale Landwirtschaft ist nur so gut, wie derjenige, der es interpretiert." Deshalb hilft er bei der Auswertung.

Mit dem Smartphone auf dem Trecker

Schon längst nutzen Bauern Wetter-Apps, steuern mit dem Laptop ihre Maschine und berechnen, wie viel Futter sie brauchen. Mit immer weniger Flächen muss die Landwirtschaft immer mehr Menschen ernähren. Schon heute verbrauchen Bauern weniger Düngemittel und weniger Pestizide beim Einsatz der digitalen Technik. Wer Ressourcen schont, schont die Umwelt - ein Weg, den vor allem jüngere Bauern einschlagen. Sie sind mit der digitalen Technik vertraut und setzen sie auf ihren Höfen ein. Dem Bauernverband zufolge nutzt jeder fünfte Betrieb digitale Technik, um die Effizienz zu erhöhen.

Für Bauer Bösel sind das alles willkommene Hilfsmittel bei der Führung seines Unternehmens. Aber eines kann keine App und kein Programm, sagt Bösel: "Am Ende bleibt der Bauer vom Wetter abhängig. Wenn dir die Technik sagt, du sollst jetzt säen oder ernten, und es regnet in Strömen, dann kannst du nicht raus aufs Feld." Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Da müssen sich Bauern schon auf ihr Glück und ihren Instinkt verlassen.

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