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Männer-Mangel an Grundschulen - Grundschullehrer - ein Frauenberuf?

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Seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der männlichen Grundschullehrer in Deutschland. Aber warum ist der Beruf für Männer so unattraktiv? Und wie lässt sich das ändern?

Grundschüler im Klassenraum
Grundschüler im Klassenraum
Quelle: dpa

Männer sind an Grundschulen Mangelware. Laut Statistischem Bundesamt waren im Schuljahr 2018/19 von 107.061 Vollzeit-Lehrkräften an Grundschulen nur 16.767 Männer. Insgesamt waren also nur gut 15 Prozent aller Grundschullehrkräfte männlich. Nicht selten sind an einer Schule ausschließlich Lehrerinnen beschäftigt.

Doch warum ist das so? Und was kann man tun, um Männer für den Beruf des Grundschullehrers zu begeistern? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ein ambitioniertes Ziel. Sie sagt: "Wir befürworten, dass als Mindestquote für das unterrepräsentierte Geschlecht 30 Prozent angestrebt werden." Eine andere Herangehensweise hat das Projekt "Männer in die Grundschulen" der Universität Bremen. Dort werden seit zehn Jahren Männer gefördert, die Grundschullehrer werden wollen.

Es gibt zu wenige Männer - zumindest an deutschen Grundschulen. Vor 30 Jahren waren in Westdeutschland noch 40 Prozent der Grundschullehrer männlich, heute sind es gesamtdeutsch gerade einmal 12 Prozent. Eine Kampagne der Uni Bremen versucht nun, das zu …

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"Mit kleinen Kindern arbeiten ist nichts für Männer"

Alle Kinder lernen lesen und schreiben, egal ob sie von einer Frau oder einem Mann unterrichtet werden. Doch wenn im Kindergarten und in der Grundschule keine Männer arbeiten, hat das Auswirkungen auf das Weltbild der Kinder. Christoph Fantini, Initiator des Projekts "Männer in die Grundschule", hat Grundschüler befragt, warum es ihrer Meinung nach so wenige Grundschullehrer geben würde. "Und da bringen die Kinder die stereotypen Annahmen zum Ausdruck, die man vielleicht erwarten könnte, so nach dem Motto: Mit den kleinen Kindern arbeiten, das ist nichts für Männer, das machen Frauen", berichtet Fantini.

Doch das ist nicht alles. "Die radikalste Antwort, die wir in verschiedenen Äußerungen der Kinder gehört haben war, dass es daran liege, dass Frauen klug seien und Männer stark. Wenn man weiß, dass neunjährige Jungs für sich aus der Wirklichkeit die Erkenntnis ableiten, schlau sein ist Mädchensache, ist das natürlich schlimm und kann krasse Folgen auf ihre Bildungslaufbahn haben", meint Fantini.

Nicht nur Männer werden gebraucht

Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der GEW, sieht das ähnlich: "Wir haben immer noch sehr starre Geschlechterklischees in unserer Gesellschaft und eines der Klischees ist: Mit kleinen Kindern beschäftigen sich Frauen, mit größeren Kindern beschäftigen sich Männer."  Das führe wiederum dazu, dass weniger Jungen sich für den Beruf Grundschullehrer interessierten.

Doch für Hoffmann sind Männer nur eine unterrepräsentierte Gruppe von mehreren: "Es ist ja nicht nur so, dass es mehr Männer in der Schule braucht, es braucht auch mehr Lehrkräfte aus einem anderen kulturellen Umfeld oder welche mit und ohne Behinderung. Es wäre wünschenswert, im Lehrerzimmer eine gesellschaftliche Vielfalt zu haben. Und ein Aspekt davon sind eben auch Männer."

Seit den 80ern immer weniger Lehrer

Ein häufig genannter Grund für den Männer-Mangel ist, dass Grundschullehrer im Vergleich zu anderen pädagogischen Berufen ein schlechteres Image hätten. Das kann auch Hoffmann bestätigen: "Männer gucken dann - und das entspricht natürlich auch dem Klischee des Familien-Ernährers - auf die Bezahlung. Damit verbinden sie auch die Wertschätzung ihres Berufs. Und Grundschullehrkräfte sind von allen Lehrkräften am schlechtesten bezahlt."

Doch vor 50 Jahren waren Männer an Grundschulen noch gut vertreten und damals war der Gehaltsunterschied genauso groß wie heute. Und seitdem werden es immer weniger Lehrer, nicht nur an den Grundschulen, sondern auch an weiterführenden Schulen. Fantini sieht einen statistischen Einbruch der Lehrerzahlen in den 80er Jahren. Und er vermutet als Grund dafür die Veränderungen der 68er und 70er Jahre. "Die Männlichkeitsbilder haben sich seitdem nachdrücklich geändert, genauso wie die Bilder von Pädagogik, vor allem Grundschulpädagogik. Impulse aus der antiautoritären Bewegung haben notwendigerweise Autoritäten aus der Zeit davor infrage gestellt. Dabei wurden aber für Männer keine neuen Angebote geschaffen, wie man eigentlich Berufe wie Lehrer positiv besetzen und mit Männlichkeit verbinden kann."

Männer halten sich für weniger geeignet

Und dieses Problem hält sich bis heute. Die GEW hat festgestellt, dass viele Männer denken, sie seien weniger geeignet für das Grundschullehramt, unabhängig von ihren Fähigkeiten. Hoffmann berichtet aus eigener Erfahrung, viele junge Männer hätten ein Interesse an dem Berufsfeld. "Und dann sagen sie zu mir: 'Ich würde ja gerne was mit Erziehung machen, das interessiert mich, aber dann werde ich von den anderen ausgelacht. Oder mir wird unterstellt, dass mit mir irgendwas nicht stimmt.'"

Andererseits lässt sich natürlich auch fragen, warum der Beruf so attraktiv für Frauen zu sein scheint. Laut Ilka Hoffmann gäbe es das Vorurteil, dass man im Grundschullehramt besonders gut Familie und Beruf miteinander verbinden könne. "Leider ist das in der Praxis, wenn man Vollzeit arbeitet doch nicht so. Es lässt sich schon besser verbinden, als mit einem Job, bei dem man eine sehr lange Präsenzpflicht hat. Aber man muss ja trotzdem Unterricht vorbereiten und viele machen das nachts, wenn sie Kinder haben. Also es ist nicht so, dass man nur die Zeit arbeitet, die man in der Klasse steht." Deswegen gingen viele nur noch in Teilzeit arbeiten, wenn sie Kinder hätten.

Wie kann man mehr Männer an die Grundschulen holen?

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