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Hauptbeschuldigter in Freiburg vor Gericht

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Vorwurf der Gruppenvergewaltigung - Hauptbeschuldigter in Freiburg vor Gericht

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Eine Studentin trifft bei einer Technoparty einen jungen Syrer. Später sollen er und mehrere Männer sie vergewaltigt haben. Heute beginnt der Prozess in Freiburg.

"Umsonst und drinnen" - das war das Motto im Club am Hans-Bunte-Areal im Freiburger Norden. Der Eintritt kostenlos, elf DJs legen an dem Abend im Oktober 2018 auf. Die Frau kommt mit einem syrischen Flüchtling ins Gespräch. Seit 2014 ist er in Deutschland. Er bietet ihr Ecstasy an - sie greift zu. Er lädt sie auf einen Drink ein. Wenig später gehen sie vor die Tür. Was dann geschieht, soll ab heute vor dem Freiburger Landgericht geklärt werden.

Studentin unter Drogeneinfluss

In einem Wäldchen nahe dem Club soll der 21-jährige Mann die Studentin erst bedrängt und dann vergewaltigt haben. Anschließend, so nüchtern schildert es Oberstaatsanwalt Michael Mächtel, sei der Mann zurückgegangen zu der Party und solle mehreren Männern mitgeteilt haben: Die junge Frau liege wehrlos draußen unter Bäumen. Auch sie, so der Vorwurf, vergingen sich dann an der 18-Jährigen.

Am nächsten Mittag, den 14. Oktober 2018, geht die Studentin zur Polizei in Waldkirch und erstattet Anzeige. Noch am gleichen Tag wird sie medizinisch untersucht. DNA-Spuren werden am Tatort und an ihrer Kleidung genommen, Zeugen befragt.

Haftbefehl lag vor

Die Polizei ruft die Ermittlungsgruppe Club ins Leben, 13 Frauen und Männer sind mit der Suche nach den Tätern beschäftigt. Und sie werden fündig: Eine Woche nach der Tat verhaften sie einen 19-jährigen Syrer in einer Flüchtlingsunterkunft in Freiburg. In den Tagen danach weitere sechs Syrer zwischen 20 und 29 Jahren sowie einen 25-jährigen Deutschen. Die meisten von ihnen sind bereits polizeibekannt.

Polizeikonferenz Freiburg
Pressekonferenz der Polizei in Freiburg, Angang November 2018:: Eine Woche nach der Tag verhaftete die Polizei einen 19-jährigen Mann, später weitere sieben Verdächtige.
Quelle: dpa

Besonders im Fokus: der mutmaßliche Haupttäter. Der damals 21-Jährige ist seit 2014 in Deutschland. Er kam im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Baden-Württemberg. Und: Er war der Polizei bestens bekannt. Gewaltdelikte, sexuelle Übergriffe auf eine weitere Frau, Drogenhandel.

Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "Intensivtäter". Ein Haftbefehl gegen ihn lag zur Tatzeit bereits vor, konnte aber nicht vollstreckt werden, da die Polizei erst seinen Aufenthaltsort ermitteln musste. Erst acht Tage nach der mutmaßlichen Vergewaltigung können die Beamten ihn vor dem Haus seiner Eltern verhaften.

Opfer von Spezialisten betreut

Für die junge Frau kommt diese Festnahme zu spät. Sie wird von Spezialisten betreut, so sagt die Polizei, und sei "stabil". Inwieweit sie aufgrund der Einnahme von Substanzen wehrlos war - möglicherweise auch durch solche, die ihr unbemerkt in ihr Getränk gegeben wurden - auch um diese Frage wird es im Prozess gehen.

Es ist nach wie vor nicht sicher, ob wir alle Tatverdächtigen haben.
Laura Riske, Polizei Freiburg

Das Landgericht Freiburg hat sich auf einen langen Prozess eingerichtet. Auch weil inzwischen weitere mutmaßliche Täter gefasst wurden: Zwei Syrer, ein Algerier sowie ein 33-jähriger Deutscher. Alle ebenfalls polizeibekannt. "Es ist nach wie vor nicht sicher, ob wir alle Tatverdächtigen haben", so Laura Riske von der Polizei Freiburg gegenüber dem ZDF. "Nach einer dreizehnten Person fahnden wir derzeit noch."

Für Martina Wilke, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Freiburg, ist klar: Eine besondere Bedeutung kommt bei der Verhandlung der Beweisaufnahme zu. "Aber auch vielen anderen Spuren, wie digitalen Spuren, die zur Auswertung kamen, DNA-Spuren, Zeugenaussagen. Also, es wird sehr umfangreich werden, aber natürlich spielt auch die Aussage der Geschädigten, soweit sie sich an den Vorgang erinnern kann, eine entscheidende Rolle."

Phantombild eines möglichen Beteiligten einer Gruppenvergewaltigung in Freiburg
Phantombild eines möglichen Beteiligten einer Gruppenvergewaltigung in Freiburg
Quelle: Polizei Freiburg

Bis Mitte Dezember ist der Prozess derzeit angesetzt. 47 Zeugen sollen vernommen werden, fünf Sachverständige sind geladen. Gut möglich aber, dass es angesichts der Dimension des Falles noch erheblich länger dauert.

Susann von Lojewski ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.

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