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Guatemala wählt - Im Schatten von Armut und Auswanderung

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Armut, Gewalt und Migration - darum ging es im Wahlkampf in Guatemala. Heute entscheiden die Menschen über einen neuen Präsidenten und das Parlament.

Guatemalteken vor einem Wahlplakat von Sandra Torres, die als Favoritin bei der Präsidentenwahl in Guatemala gilt
Sandra Torres gilt als Favoritin bei der Präsidentenwahl
Quelle: Reuters

Überschattet von Korruptionsskandalen wählt Guatemala ein neues Staatsoberhaupt und ein neues Parlament. Bandenkriminalität, Armut und Auswanderung dominierten den Wahlkampf im bevölkerungsreichsten Land Mittelamerikas. In der Hoffnung auf ein besseres Leben machen sich viele Menschen aus Guatemala über Mexiko auf den Weg Richtung USA.

Als Favoritin in dem von Korruption geplagten Land gilt die frühere First Lady Sandra Torres. Gegen sie wird wegen illegaler Wahlkampffinanzierung ermittelt. Ihr Ex-Mann Álvaro Colom, von dem sie sich scheiden ließ, um selbst kandidieren zu können, ist wegen Korruption angeklagt.

Auf Platz zwei sehen Umfragen Alejandro Giammattei. Er saß wegen eines brutalen Einsatzes während seiner Zeit als Chef der Gefängnisverwaltung mehrere Monate in Haft, wurde schließlich aber freigesprochen.

Migration als zentrales Thema

Doch keiner der beiden wird voraussichtlich die nötigen 50 Prozent der Stimmen erreichen, um eine Stichwahl am 11. August zu vermeiden. Die 63-jährige Torres tritt für die Mitte-links-Partei "Nationale Einheit der Hoffnung" an. Im Wahlkampf versprach sie Gesundheits- und Bildungsreformen und die Schaffung von Arbeitsplätzen, um die Auswanderung in die USA zu stoppen. Außerdem will sie sich gegen Abtreibungen und die Homo-Ehe einsetzen.

Der 63-jährige Giammattei will im Kampf gegen die Bandenkriminalität die Todesstrafe wieder einführen. Zudem versprach er, die Armut zu bekämpfen, um die Migration zu stoppen, und die "widerliche" Korruption im Land zu beenden.

Ex-Generalstaatsanwältin ausgeschlossen

Insgesamt können die acht Millionen Wähler aus 19 Kandidaten wählen. Eine der Favoritinnen wurde von der Wahl ausgeschlossen. Der ehemaligen Generalstaatsanwältin und Korruptionsbekämpferin Thelma Aldana wurde die Kandidatur wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten während ihrer Zeit als Staatsanwältin verweigert. Gemeinsam mit der Antikorruptionskommission CICIG der UNO, die Korruption und andere kriminelle Machenschaften aufdecken soll, hatte Aldana mehrere ehemalige Präsidenten, Minister und Wirtschaftsmogule hinter Gitter gebracht.

Als sie Morddrohungen erhielt, floh die ehemalige Staatsanwältin in die USA. Drahtzieher ihres Ausschlusses seien diejenigen, die sie ins Gefängnis brachte, und deren Verbündete, sagte Aldana der Nachrichtenagentur AFP. Sie betrachteten sie als "Hindernis" für ihre illegalen Interessen. "Ich war zu diesem Zeitpunkt die Einzige, die eine echte Chance hatte, mit der alten Politik zu konkurrieren. Ich war ein Ärgernis", sagte sie.

Auch Zury Rios, die Tochter des verstorbenen Diktators Efrain Rios Montt, darf nicht zur Wahl antreten. Die Verfassung verbietet es direkten Angehörigen von Putschisten, für ein Amt zu kandidieren. Vor kurzem verließ zudem der oberste Staatsanwalt des Wahlgerichts, Oscar Schaad, nach Angaben der Regierung das Land, nachdem er und seine Familie bedroht worden waren.

Wachstum vs. Armut

Der ehemalige TV-Komiker Jimmy Morales, der 2015 zum Präsidenten gewählt worden war, darf nicht erneut kandidieren. Seine Beliebtheitswerte hatten zuletzt rapide abgenommen, ihm drohen Korruptionsermittlungen wegen zweifelhafter Wahlkampffinanzierung.

Obwohl Guatemala die größte Volkswirtschaft der sieben zentralamerikanischen Länder ist und dem Finanzministerium zufolge in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent rechnen kann, leben fast 60 Prozent der über 17 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Armut gilt als Hauptfluchtursache und der Druck auf die Regierung, sie stärker zu bekämpfen, wächst. Nach offiziellen Zahlen leben 1,5 Millionen Guatemalteken in den USA, nur rund 400.000 von ihnen legal.

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