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ZDFzoom - Bahn ohne Plan: Güterzüge auf dem Abstellgleis

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Beim Bahngüterverkehr steht Deutschland auf der Bremse. Während die europäischen Nachbarn viel Geld investiert haben, fehlen hierzulande eigene Gütertrassen. Damit wird Deutschland zum Flaschenhals Europas. Es fehlt an einem Gesamtkonzept.

Bereits vor 20 Jahren sei der Ausbau der Gütertrasse von Rotterdam nach Genua vertraglich fest vereinbart worden - so sehen es Politiker der angrenzenden Nachbarländer Holland und Schweiz. Die Niederlande haben 4,7 Milliarden Euro investiert, die Schweiz mit dem Gotthard-Tunnel über zehn Milliarden. Nur in Deutschland bewegt sich wenig. Das Rheintal sei der Flaschenhals, sagen Verkehrsexperten. Hier komme es zu Staus und Verspätungen, so dass die neu gebauten Trassen in Holland und der Schweiz nur teilweise ausgelastet seien.

Fast 400 Güterzüge pro Tag im Rheintal

Von Rotterdam, dem drittgrößten Seehafen der Welt, bis Genua werden derzeit etwa zehn Millionen Container auf der 1.400 Kilometer langen Nord-Süd-Magistrale transportiert.  Gerade im Rheintal rollt der Güterverkehr durch dicht besiedeltes Gebiet - fast 400 Güterzüge und 150 Personenzüge donnern Tag für Tag durch die Orte am Fluss. Anwohner kämpfen mit dem Wertverfall ihrer Häuser und Gebäudeschäden durch die Erschütterungen. Sie fordern schon seit langem eine Verlegung der Strecke. Das habe die Bundesregierung aus Kostengründen jedoch bisher stets abgelehnt, beklagen sie.

Eine Anwohnerin im Mittelrheintal soll zwei Garagen und eine kleine Wohnung abreißen. "Die zwei Bauplätze wären die Absicherung fürs Alter gewesen, aber jetzt kommt die Bahn dazwischen und nimmt uns die weg", sagt sie. Sie hat sich bereits einen Anwalt genommen.

Nach ZDF-Recherchen schwebt der Bahn eine teilweise Umleitung der Güterzüge vor, und zwar von Koblenz über das mittelhessische Gießen, entlang der Nidda in die Wetterau, über Bad Vilbel und Frankfurt West, bis zur geplanten Mannheim-Anbindung am Frankfurter Flughafen - zum Teil auch mitten durch Wohngebiete. Täglich sollen nach Berechnungen des Umweltbundesamtes bis zu 220 schwere Güterzüge durch dichte Wohnsiedlungen rattern, wo bisher gerademal 23 unterwegs sind.

Bahnlärm macht krank

Auch stellt der Lärm durch Güterzüge ein Gesundheitsrisiko für Anwohner dar. Er sei ein wesentlicher Verursacher von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum tödlichen Infarkt, betonen Wissenschaftler.

Thomas Münzel, Leiter der Poliklinik in Mainz, hat mit seinem Team umfangreiche Studien dazu durchgeführt und kommt zu düsteren Ergebnissen angesichts des zunehmenden Güterverkehrs. Demnach gehen Berechnungen davon aus, dass wegen der extremen Schallwerte allein im deutschen Teil der Trasse Genua-Rotterdam Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch zunehmen werden - und bis zu 30.000 Todesfälle verursachen könnten.

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