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G7-Gipfel in Biarritz - Guter Trump, böser Trump

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Beim G7-Gipfel in Biarritz versuchen Kanzlerin Merkel und Gastgeber Macron, die Methoden des US-Präsidenten zu akzeptieren - und zu nutzen.

Donald Trump beim G7-Gipfel in Biarritz
Donald Trump beim G7-Gipfel in Biarritz
Quelle: reuter

"Lets start to work", sagt Emmanuel Macron, und sofort beginnen seine Mitarbeiter, die Kameraleute und Fotografen aus dem Zimmer zu schieben. Exakt 130 Sekunden lang haben sich die sieben Staatslenker gemeinsam mit EU-Ratspräsident Donald Tusk der Weltpresse gezeigt - an einem runden Tisch im Raum "Rotunde" des Kongresszentrums Bellevue. Aus dem Fenster kann man den menschenleeren Strand sehen und ein paar Polizisten, manche auf Pferden.

Alles "sehr gut", "super", "perfekt" - nur "Fake News" stören Trump

Donald Trump sitzt rechts neben Gastgeber Macron und sieht artig aus. Seit Samstagnachmittag ist der US-Präsident in Biarritz und hat alles gelobt, was er erlebt hat. Die erste Sitzung sei "sehr gut" verlaufen, das Essen sei "super" und das Wetter "perfekt". Nur die "Fake News" berichteten "falsch und unzutreffend" über den Gipfel. 

Es ist das Donald-Trump-Paradox. Die anderen sechs Staatschefs kennen das schon. Im persönlichen Gespräch kann sich der US-Präsident fast übertrieben freundlich und begeistert geben. Selbst dann, wenn er zuvor über den Gesprächspartner regelrecht gewütet hat. In Biarritz überrascht niemanden mehr, dass Trump beim Treffen mit Macron in die Kameras ruft, er liebe französischen Wein. Obwohl er bei seiner Abreise aus Washington noch feindselig gedroht hatte, französischen Wein besteuern zu wollen, "wie es Frankreich noch nie gesehen hat".

Riss zwischen USA und den anderen G6 

"Das Problem ist, dass die Trennlinien nicht mehr zwischen den entwickelten und den Entwicklungsländern verlaufen", sagt Claudia Schmucker von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). "Stattdessen verläuft der Riss hauptsächlich zwischen den Vereinigten Staaten und fast allen anderen G7-Partnern". Aber in Biarritz wird sichtbar, wie vor allem die Europäer versuchen, das Trump-Paradox zu akzeptieren - und zu nutzen. 

So wollen es Bundeskanzlerin Angela Merkel und Macron unbedingt schaffen, eine Initiative zur Stabilisierung der Sahelzone zu starten. Vor allem Frankreich ist beunruhigt über die steigende Zahl von Terroranschlägen und befürchtet, dass ganze Staaten ins Wanken geraten könnten. Weil aber Trump multilaterale Lösungen ablehnt, betonen die Europäer die terroristischen Gefahren. Sie wissen, dass der US-Präsident bei diesem Stichwort aufhorcht und offener für gemeinsames Nachdenken ist. 

Im Handelskrieg haben Europäer aufgegeben

Zur neuen Gipfelwelt gehört auch, dass manches erst gar nicht versucht wird. Die Hoffnung, Trump zum Einlenken im Handelskrieg mit China zu bewegen, haben die Europäer aufgegeben. Zwar appellieren Merkel, Macron und Co. auch diesmal pflichtgemäß an den US-Präsidenten, aber lieber wollen sie über Themen reden, bei denen sich etwas erreichen lässt. Dazu gehört der Konflikt in der Ukraine. Dass Deutschland und Frankreich zuversichtlich sind, die gegnerischen Präsidenten Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj zu einem Gipfeltreffen noch in diesem Jahr zu bewegen, gehört zu den guten Nachrichten aus Biarritz. 

Ob die G7 zurückkehren sollen zum G8-Format mit Russland, bleibt dagegen umstritten. Auch hier steht es sechs zu eins. Während Trump eine Wiederaufnahme Russlands für vorteilhaft hält, wollen die anderen Anführer erst Fortschritte im Ukraine-Konflikt sehen. So lautet zumindest die offizielle Darstellung. Trump behauptet, dass manche seiner Kollegen durchaus seiner Meinung seien. Um wen es sich dabei handele, wollte er nicht sagen. 

Trump unberechenbar

Dass das Trump-Paradox inzwischen fester Bestand der Gipfelroutine ist, zeigt sich bei den Berichten über die Gespräche zum Thema Iran. Aus französischen Diplomatenkreisen verlautet, die Staats- und Regierungschefs hätten Macron damit beauftragt, eine Botschaft an den Iran zu überbringen. Darin solle es heißen, dass "um jeden Preis vermieden werden müsse", dass Teheran in den Besitz der Atombombe gelangt. Aber bereits kurz nach der Sitzung dementiert Donald Trump: "Ich habe das nicht diskutiert."

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