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UN-Chef bei Klimagipfel in Polen - Klimaschutz "Frage von Leben und Tod"

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Mit eindringlichen Worten hat UN-Generalsekretär Guterres die Weltgemeinschaft zu mehr Klimaschutz gemahnt. Für viele Menschen gehe es um Leben und Tod, sagte er in Kattowitz.

Vertreter von fast 200 Staaten beraten im polnischen Kattowitz zwei Wochen lang über Maßnahmen gegen den Klimawandel. Ziel ist es, ein Regelbuch zu verabschieden.

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Mit einem dramatischen Appell zum Kampf gegen die Erderwärmung hat UN-Generalsekretär António Guterres die Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz eröffnet. Es gehe darum, ein "globales Klima-Chaos" abzuwenden, sagte er im polnischen Kattowitz vor Vertretern von knapp 200 Staaten, die dort zwei Wochen lang verhandeln.

Wenn die Staatengemeinschaft versage, würden Arktis und Antarktis weiter schmelzen, die Korallen sterben, die Meeresspiegel steigen sowie mehr Menschen an Luftverschmutzung sterben und an Wasserknappheit leiden - bei explodierenden Kosten. Schon jetzt sei der Klimawandel für viele Menschen und auch ganze Staaten eine "Frage von Leben und Tod", mahnte der UN-Chef. "Wir brauchen mehr Taten und mehr Ehrgeiz." Die Welt sei bei ihren Bemühungen zum Stopp der Erderwärmung "vom Kurs abgekommen". Die Welt müsse ihren "Rückstand so schnell wie möglich aufholen, bevor es zu spät ist".

Kattowitz soll klare Regeln bringen

Drei Jahre nach den als historisch eingestuften Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz sollen in Kattowitz klare Regeln zur Umsetzung vereinbart werden: Die Beiträge einzelner Staaten zum Klimaschutz und auch die Finanzhilfen sollen für alle nachvollziehbar werden. In Paris war beschlossen worden, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad - verglichen zur vorindustriellen Zeit um 1750.

Wissenschaftler etwa der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatten vor einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu fünf Grad bis 2100 gewarnt, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Nach Berechnungen der Weltwetterorganisation hätten die 20 wärmsten je gemessenen Jahre in den vergangenen 22 Jahren gelegen.

Die bisher weltweit zugesagten Maßnahmen zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase reichen aber bei weitem nicht aus, um das Unter-Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, bei der Kohlendioxid frei wird, müsste schnell drastisch sinken, mahnt der Weltklimarat. Polens Staatspräsident Andrzej Duda stimmte die Teilnehmer der Konferenz auf schwierige Verhandlungen ein. Die Welt stehe vor einem "historischen Test". Das Gastgeberland Polen sei bereit, seinen Teil beizutragen. Allerdings gilt Polen, das knapp 80 Prozent seines Stroms aus Kohle bezieht, bei Umweltschützern bisher als Klimasünder.

Müller: Kampf gegen Erderhitzung Überlebensfrage der Menschheit

Bei der Eröffnungszeremonie waren viele Staats- und Regierungschefs zu Gast. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ sich von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vertreten. Der CSU-Politiker nannte den Kampf gegen die Erderhitzung eine Überlebensfrage der Menschheit. Die dort vereinbarten Etappenziele erfüllten zurzeit nur 17 Staaten. Auch Deutschland verfehle sein selbstgestecktes Ziel, 2020 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990.

Bundesumweltministerin Schulze unterstrich die Dringlichkeit, in Kattowitz die Regeln zur Umsetzung von mehr Klimaschutz zu beschließen. "Am Ende soll jeder genau wissen, was er zu tun hat", erklärte sie in Kattowitz.

Müller erinnerte zugleich an Deutschlands jüngste Ankündigung, seinen Beitrag zum Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen ab 2019 auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln. In den wichtigsten UN-Klimatopf zahlen wohlhabendere Länder ein, finanziert werden Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dies solle "Signal und Anstoß" sein für andere Staaten, diesen Schritt mitzugehen. Umweltschützer sprachen jedoch von einem "Ablasshandel", mit dem sich Deutschland freikaufen wolle. "Es reicht nicht, den Geldbeutel zu zücken, wenn man zu Hause seine Klimaziele krachend verfehlt", erklärte Christiane Averbeck von der Klima-Allianz.

Keine Zeit für endlose Verhandlungen

Guterres erinnerte daran, dass die Zeit für endlose Verhandlungen fehle. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre sei so hoch wie seit drei Millionen Jahren nicht. "Trotzdem steigen die Emissionen weiter an." Nach neuesten Berechnungen müsse der Ausstoß von Kohlendioxid aber bis 2030 um 45 Prozent sinken im Vergleich zu 2010, und schon 2050 netto null erreichen.

Die USA haben sich als einer der größten Verursacher von Treibhausgasen aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen. Beim G20-Gipfel in Buenos Aires stand US-Präsident Donald Trump damit am Wochenende weiter isoliert da - alle anderen Teilnehmer betonten aber, das Klimaabkommen sei unumkehrbar.

Die Weltbank kündigte an, den Kampf gegen den Klimawandel mit doppelt so hohen Investitionen wie bisher zu unterstützen. Von 2021 bis 2025 sollen 200 Milliarden Dollar fließen, um vor allem den ärmsten Ländern der Welt zu helfen, wie die in Washington ansässige Entwicklungsbank zum Gipfelauftakt mitteilte. Das sei doppelt so viel wie in der laufenden fünfjährigen Finanzierungsperiode.

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