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Personalmangel an Grundschulen - Gymnasiallehrer auf Abwegen

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Noch nie war es leerer in deutschen Schulen. Insbesondere den Grundschulen gehen die Lehrer aus. Arbeitslose Gymnasiallehrer sollen Abhilfe schaffen. Doch kann das funktionieren?

Grundschullehrerin
Grundschulklasse Quelle: dpa

Noch immer sind deutschlandweit zahlreiche Lehrerstellen unbesetzt. Spitzenreiter dabei ist Nordrhein-Westfalen, dem es gar an einem Drittel des Gesamtbedarfs fehlt. Das Land Hessen verweist zwar auf eine Auslastung von 104 Prozent, doch fragt man in den Schulen nach, so fehlt es an allen Ecken und Enden. Vor allem das Grundschullehramt hat in den letzten Jahren zunehmend an Attraktivität verloren. Gerade hier ist qualifiziertes Personal besonders wichtig, um eine gute Basis für weiterführende Schulen zu garantieren.

Umschulung mit Folgen

Die kurzfristige Lösung soll der Umstieg sein. Personal mit gymnasialer Ausbildung ohne feste Stellenzusage wird umgeschult und daraufhin an Grundschulen eingesetzt. In Sachen Qualifikation scheint diese Idee erstmal die perfekte Rettung. Doch wirft man einen Blick auf die Studieninhalte, so wird schnell deutlich, dass Studierenden auf Gymnasiallehramt ein geringerer Anteil didaktischer Inhalte vermittelt wird als angehenden Grundschullehrern.

Matti Merker, schulpolitischer Sprecher der SPD im Landkreis Darmstadt-Dieburg, betont: "Die Arbeitsweise an Grund- oder weiterführenden Schulen ist grundverschieden. Während an Grundschulen die Basisbildung - Lesen, Rechnen und Schreiben - spielerisch vermittelt wird, geht es in Gymnasien schon eher um hintergründige Thematik. Oftmals haben sich die angehenden Lehrkräfte auch bewusst für eine der beiden Laufbahnen entschieden." In einem Punkt sind sich dagegen alle einig: Gymnasiallehrer müssen in der Lage sein, sich das fehlende Know-how innerhalb einer berufsbegleitenden Umschulung anzueignen.

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Rückkehr-Garantie als Köder

Die Befürchtung eines Qualitätsverlusts im Unterricht von Seiten der Lehrerschaft wehrt der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ab: "So viel weniger pädagogisches Wissen haben Lehrer der weiterführenden Schulen nicht mehr. Was natürlich fehlt, ist die spezielle Pädagogik für Kinder." Allerdings würden viele das Schöne in der Arbeit mit Kindern entdecken. "Es entsteht eine viel intensivere Verbundenheit zu den Schülern", so Meidinger.

Um den Umstieg vom Gymnasial- auf das Grundschullehramt attraktiver zu gestalten, lockt NRW mit einer Rückkehr-Garantie. So haben Gymnasiallehrer auch nach mehreren Berufsjahren an einer Grundschule weiterhin den Anspruch auf eine Anstellung an einem Gymnasium. In Sachsen hingegen setzt die Regierung auf Gleichberechtigung. Ab dem 1. Januar 2019 sollen Lehrer aller Schulzweige der gleichen Gehaltsgruppe, E 13, zugeordnet werden. Eine generelle Lohnanpassung über die Landesgrenzen hinaus erweist sich allerdings als schwierig. So würde es allein in NRW zusätzliche Kosten von rund 600.000 Euro im Monat verursachen.

Keine dauerhafte Lösung

Darüber hinaus soll in Sachsen nun auch endlich die Verbeamtung von Lehrern folgen. "Ich bin mir sicher, dass dieses Handlungsprogramm mittelfristig einen Schub in der Nachwuchsgewinnung auslösen wird", blickt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz zuversichtlich in die nächsten Jahre. Bisher war Sachsen, neben Berlin, das einzige Bundesland, das keinen Beamtenstatus für Lehrkräfte vorsah. 

Das aktuelle System scheint also erstmal Anklang zu finden. Vielerorts haben Schulen durchaus sehr positive Erfahrungen mit den gymnasialen Umsteigern gemacht. Die meisten können sich gar vorstellen, langfristig an einer Grundschule zu unterrichten. Eine dauerhafte Lösung sieht jedoch anders aus. Zukunftsorientiert soll das Lehren an Grundschulen wieder reizvoller werden. Nicht zuletzt ergeben sich aus dem vorherrschenden Personalmangel gute Einstellungschancen für Absolventen.

Hintergründe zum Lehrermangel

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