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"Chaos Communications Congress" - Hacker sind Politiker-verdrossen

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"Tuwat" (tu was!) lautet das Motto des 34. Hackerkongresses in Leipzig. "Aber nicht mehr mit der etablierten Politik", ergänzen die Hacker den Appell.

Beim Jahreskongress des Chaos Computer Clubs stehen Themen wie Sicherheitslücken und Datenlecks im Mittelpunkt.

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Pannen beim elektronischen Anwaltspostfach, zu zögerlicher Breitbandausbau und Schnecken-Internet auf dem Lande, digitale Aufrüstung beim Militär, Überwachung per Gesichtserkennung - auf dem "Chaos Communication Congress" in Leipzig werden die politisch brisanten Themen diskutiert. Aber Vertreter der sogenannten etablierten Politik sind nicht eingeladen.

Politiker "beratungsresistent"

"Die haben sich als beratungsresistent erwiesen", urteilt Constanze Kurz, eine der Sprecherinnen des Chaos-Computer-Clubs (CCC). Das hat die Hacker frustriert. Denn auch in viele technikpolitische Beratungen hatten sie ihre Expertise eingebracht.

Und da ging es nicht nur um Überwachungsthemen wie bei der Vorratsdatenspeicherung. Auch bei der Debatte über den Umgang mit Social Bots im Wahlkampf oder der Frage, wie Fake News am besten verhindert werden können, saßen CCC-Sprecher als Sachverständige bei Anhörungen im Deutschen Bundestag mit am Tisch.

Hacker fühlen sich nicht ernst genommen

Vor zwei Jahren fand auf dem "Chaos Communication Congress" in Hamburg sogar eine viel beachtete Debatte über sicherheitspolitische Fragen und Datensparsamkeit statt. "Doch zu viele politische Funktionsträger waren und sind an fachlich-inhaltlicher Auseinandersetzung nicht interessiert", bringt Constanze Kurz die Erfahrungen auf den Punkt.

Allenfalls in Sonntagsreden sei vor allen Dingen von Innen- und Sicherheitspolitikern die Bedeutung des Dialogs mit den technischen Experten betont worden. Im politischen Alltag hingegen wurde der Rat der Experten in den Wind geschlagen.

Das hat die Hacker frustriert. Und deshalb ist die Politikerverdrossenheit auf dem Hackerkongress ausgesprochen ausgeprägt. "Das heißt aber nicht, dass die Szene sich einfach von der Politik abwendet", meint Anke Domscheit-Berg von der Bundestagsfraktion Die Linke.

Graswurzelbewegung bleibt aktiv

In viele zivilgesellschaftliche Aktionen und Gruppen bringen Hacker ihre Expertise ein. Das wird sich nach Meinung von Domscheit-Berg noch verstärken. So sieht sie zum Beispiel eine Chance, dass sich neue Plattformen für Whistleblower gründen, die politische Skandale und Fehlverhalten in den Unternehmen an die Öffentlichkeit bringen.

Viel Raum ist auf dem Hackerkongress den sogenannten "Assemblies" gewidmet. Sie wurden schon einmal etwas geringschätzig als "Bastelecken" bezeichnet. Aber gerade hier kann man das zivilgesellschaftliche Engagement jenseits der Politikerverdrossenheit beobachten.

So kümmern sich zum Beispiel junge Programmierer aus Ulm, Gießen und Frankfurt um die Software, mit der Journalisten die unter dem Stichwort "Panama Papers" benannten Skandale aufgedeckt haben. Dafür mussten die Geschäftsbeziehungen von vielen hunderttausend Firmen nachverfolgt werden.

Projekte für mehr Bürgerkontrolle

Millionen von Geldüberweisungen und anderen Transaktionen mussten analysiert werden. Mit sogenannten Graphdatenbanken ist das kein Problem. Doch diese Datenbanksoftware muss für derartige Recherchen aufwändig programmiert werden.

Junge Hacker wollen dafür jetzt Zusatzsoftware entwickeln, so dass Bürger ihre kommunalen Haushaltspläne mit solchen Graphdatenbanken analysieren können, ohne erst aufwändige Programmierarbeit leisten zu müssen. "Der Bürger erhält dann mehr Kontrolle über die Arbeit seiner kommunalen Parlamentarier und der städtischen Verwaltung", schildert Andi, ein Endzwanziger mit einem Bachelor-Abschluss in Informatik, das Entwicklungsziel.

Das zivilgesellschaftliche Engagement der Hackerszene bleibt also ungebrochen. Nur der Dialog mit den verantwortlichen Politikern auf Bundes- und Länderebene stockt erst mal. Da braucht es einen neuen Gesprächsansatz der Politik. Denn die politischen Entscheidungsträger dürften ohne die Expertise der Hacker kaum auskommen.

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