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Halbjahres-Bilanz des US-Präsidenten - USA unter Trump: Ein gespaltenes Land

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Seit sechs Monaten ist Donald Trump US-Präsident. Seine Politik spaltet das Land wie nie zuvor. Fans und Gegner leben in verschiedenen Welten und haben anscheinend nur noch eines gemeinsam: Verachtung füreinander. Die wird auch von Trump geschürt, wie der "Wrestling-Tweet" gezeigt hat.

Donald Trumps bisherige Amtszeit ist geprägt von politischen Affären, Gerüchten und immer neuen Enthüllungen. Die Zustimmung im Volk ist auf magere 40 Prozent geschrumpft und auch die eigenen republikanischen Reihen sind keineswegs geschlossen.

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Patty McMurray und Lisa Audette sind Politprofis. In ihrer Heimat Michigan mischen die beiden in der örtlichen Tea Party mit. Und sie haben vor vier Jahren eine "News-Webseite" namens "100 percent fed up" ("100 Prozent die Nase voll") gegründet. Ihre Mission: "Wir wollen die Lügen der Linken aufdecken." Zwei Mütter im Kampf gegen die Mainstream-Medien und das progressive Amerika - und für Jesus, Trump und konservative Werte. Ihre Facebookseite hat angeblich mehr als eine Million Follower.

1.000 Kilometer östlich von Detroit, in Brooklyn, New York, leben die Linken und Liberalen, die Patty und Lisa so vehement bekämpfen. Eine von ihnen ist Linda Fittante. Die 47-Jährige ist Anhängerin von Bernie Sanders. Vor der Wahl hat sie als Volunteer Wahlwerbung für die Demokraten gemacht. Ihre tägliche Dosis Politik holt sie sich vor allem über die Sozialen Medien. Gelegentlich liest sie die "New York Times" und die "Washington Post". Facebookseiten wie "100 percent fed up" sind für sie "Fake News".

Seriöse Medien oder populistischer Müll

Als Navigationshilfe in einem immer unübersichtlicheren Nachrichten-Dschungel hat ihr eine Freundin vor einigen Wochen eine Grafik geschickt. Darauf sind die wichtigsten News-Webseiten zu sehen, eingeteilt in glaubwürdige und unglaubwürdige, konservative und liberale, gut recherchierte und Sensations-Berichte. Unter der Rubrik "Konservative Verschwörungstheorien/Kompletter Müll" sind die rechtspopulistischen Internetseiten Infowars, Breitbart News und Daily Caller gelistet. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums stehen "Occupy Democrats" und "Addicting Info".

In Lindas Welt ist der Mann, der seit sechs Monaten Präsident der USA ist, eine nationale Schande, in Pattys und Lisas Welt ist er ein Held. Während in Brooklyn MSNBC oder CNN im Fernsehen laufen, schalten die Detroiter Damen Fox News ein. Gesundheitsreform, den Einreisebann oder die Russland-Affäre: Die Sender gewichten, berichten und interpretieren die Fakten so unterschiedlich, dass es sich oft anfühlt wie zwei verschiedene Realitäten.

Fakten, Fake News, Fantasie

Was nicht ins eigene Bild passt, wird als "Fake News" abgetan - auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Aus Sicht der Demokraten hat sich der Präsident in den vergangenen sechs Monaten von einem Skandal zum nächsten gehangelt. Ein Amtsenthebungsverfahren ist für viele nur noch eine Frage der Zeit.

Seine Anhänger stehen dagegen weiter geschlossen hinter ihm. Die massive Kritik am Präsidenten perlt an ihnen ab. Schließlich kommt sie vom verhassten Gegner, den Mainstream-Medien und den Linken. Die Reaktion von Trump-Unterstützern wie Patty und Lisa lautet deshalb: Jetzt erst recht. Was Trump am liebsten mit Medien wie CNN machen will, hatte Trump Anfang Juli mit seinem "Wrestling-Tweet" deutlich gemacht.

Wir gegen die

"Oft geht es gar nicht darum, zu hundert Prozent hinter den Ideen der eigenen Partei und des eigenen Kandidaten zu stehen", meint der konservative Journalist David French. "Viel entscheidender ist es, sich möglichst scharf von der jeweils anderen Partei abzugrenzen." "Negative Polarisierung" nennt er das Phänomen. Wir gegen die.

Laut einer Umfrage des PEW Research Center schätzen Republikaner Demokraten mehrheitlich als engstirnig, unmoralisch, faul, unehrlich und dumm ein. Genau dasselbe sagen Demokraten über Republikaner. "Diese gegenseitige Abneigung ist zwar nicht neu, aber sie ist in den vergangenen Jahren ins Bodenlose gesunken", so French.

Und die sozialen Medien verschärfen die negative Polarisierung zusätzlich. "Mit einem Klick könnten wir unseren Horizont erweitern und versuchen, die andere Seite zu verstehen. Stattdessen nutzen wir unsere Smartphones, um Menschen zu finden, die genau wie wir ticken", meint French.

Raus aus der Blase

Die Abgrenzung beschränkt sich längst nicht mehr nur auf politische Präferenzen. Wer in einem "red state" lebt, also in einem republikanisch regierten Bundesstaat, geht statistisch betrachtet öfter in die Kirche und schaut gerne die Fernsehshow Duck Dynasty. Bewohner von demokratischen "blue states" sind weniger religiös und schauen sich eher die Daily Show an.

Amerikaner haben die Wahl und sie entscheiden sich immer stärker für ein Leben in ihrer eigenen, ideologisch geschlossenen Welt - online und offline. Dabei wäre es ganz einfach, mal einen Blick auf die andere Seite zu riskieren - man müsste noch nicht einmal eine Anti-Trump-Demo oder eine Waffenshow besuchen. Ein Plug-In namens "Escape your Bubble" sorgt dafür, dass kontroverse Beiträge der jeweils anderen Seite im eigenen Facebook-Feed auftauchen. Gekennzeichnet mit kleinen, rosaroten Herzchen.

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