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Commerzbank in der Krise - Zum Wachstum verdammt

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Kosten sparen und wachsen – das ist die Devise bei der Commerzbank. Etwas anderes bleibt ihr zunächst nach der abgesagten Fusion mit der Deutschen Bank auch nicht übrig.

Commerzbank
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Quelle: epa

Die Commerzbank wird wohl auf absehbare Zeit allein bleiben. Denn sah es noch im Frühjahr so aus, als werde sie nach dem geplatzten Zusammengehen mit der Deutschen Bank sich der ausländischen Interessenten kaum erwehren können, so hat sich das in den letzten Wochen geändert. Die niederländische ING und die italienische UniCredit etwa winkten ab, neue Übernahmegerüchte gibt es derzeit nicht. Die Bank muss also vorerst allein weitermachen. Wohin der Weg da gehen soll, welche Strategie sie einschlagen möchte in den nächsten Jahren, das will Konzernchef Martin Zielke aber erst im September verraten, denn erst dann läuft das letzte Strategieprogramm aus dem Herbst 2016 aus.

Das Gute zuerst: Die Commerzbank hat ihre Altlasten, also vor allem die faulen Schiffskredite, inzwischen weitgehend abgebaut. Doch das laufende Geschäft und vor allem die Perspektiven dürften die Manager ins Grübeln bringen. Der Börsenwert der Bank ist schon im vergangenen Jahr so weit gesunken, dass sie in die zweite Börsenliga, den MDax, abgestiegen ist. Die Bank konzentriert sich auf das Privat- und Firmenkundengeschäft, das aber wirft in Zeiten ultraniedriger Zinsen wenig Marge ab. "Sie ist verdammt zum Wachstum", sagt Klaus Nieding deshalb, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wenn das nicht gelinge, dann falle sie im Wettbewerb zurück.

Hohe Provisionserträge nicht zu erwarten

Deshalb wirbt sie seit Jahren um neue Kunden, die aber bringen in den ersten Jahren noch wenig Gewinn, erst recht, weil die Commerzbank diese Kunden auch mit einem Startguthaben von 100 Euro anlockt. "Das hat ein G‘schmäckle", findet Nieding, schließlich ist der Staat noch mit 15 Prozent an dem Institut beteiligt, das er in der Finanzkrise hatte retten müssen. Problematisch ist auch, dass diese neuen Kunden vor allem über die Direktbanktochter comdirect gewonnen werden. So berichtete deren Arno Walter vor wenigen Tagen, im ersten Halbjahr habe man allein dort 128.000 Kunden gewonnen, die bei der comdirect ein Girokonto oder ein Aktiendepot eröffneten. Doch auch wenn die Erträge dadurch stiegen, so sanken die Gewinne deutlich. Für die Mutter aber heißt das: Diese Kunden sind sehr kostenbewusst, hohe Provisionserträge darf die Bank also von ihnen nicht erwarten.

Ein weiteres Problem: Commerzbank-Chef Martin Zielke und seine Vorstandskollegen setzen auf das Filialgeschäft, sie betreiben etwa 1.000 Filialen im Bundesgebiet. "Das ist ein Luxus, in diesen Zeiten ein solch riesiges Netz vorzuhalten", meint Nieding. So hat im Frühjahr die auf Finanzdienstleistungen spezialisierte Beratungsgesellschaft Zeb festgestellt, dass die Erträge von Filialbanken in den meisten europäischen Ländern stagnierten. Der Grund: Die Margen im Kredit- und Einlagenbereich sinken, das wiederum liegt am Zinsumfeld. Daran aber, das hat EZB-Präsident Mario Draghi vor wenigen Wochen deutlich gemacht, wird sich nicht ändern, im Gegenteil: von September an wird die Geldpolitik eher noch weiter gelockert.

Commerzbank bald 'too small to survive'?

Eine weitere Schwierigkeit für die Commerzbank ist das konjunkturelle Umfeld. Denn wenn das sich verschlechtert, dann steigt auch die Gefahr, dass Kunden ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Dafür sorgt eine Bank mit Rückstellungen vor. Sollten die Bedingungen für die Unternehmen also schlechter werden, steigt die Risikovorsorge – und auch das zu Lasten des Gewinns. Die Commerzbank aber konzentriert sich auf Privat- und Firmenkunden, ist also auf dieses Geschäft angewiesen. Dieses Feld will nun aber auch die Deutsche Bank ausbauen, das hatte deren Chef Christian Sewing vor wenigen Wochen angekündigt. Immer mehr Banken rangeln dann also um diese Kunden.

Immerhin konnte die Commerzbank für das Firmenkundengeschäft den früheren Chef der ING-Diba gewinnen, den Niederländer Roland Boekhout. Er soll die einstige Vorzeigesparte wieder voranbringen. Derjenige werde gewinnen, der dabei den besten Service biete, glaubt Aktionärsschützer Nieding. Ist das nicht die Commerzbank, dann verschlechtern sich ihre Perspektiven noch weiter. "Die Bank steht in der Gefahr, dass sie bald nicht 'too big to fail', zu groß also zum Scheitern ist, sondern 'too small to survive'", fürchtet Nieding – wenn nicht doch noch ein anderes europäisches Bankhaus sich ihrer erbarmen sollte. Davon ist aber derzeit nichts zu hören.

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