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Auf der Jagd nach "Untoten"

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Lebende Tote - Auf der Jagd nach "Untoten"

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Archäologen stoßen auf unheimliche Grabfunde. Sie zeugen von der Angst vor "Wiedergängern". Fürchtet man die "Untoten" auch heute noch?

Archiv: Fledermäuse, Mond und Friedhof in der Nacht vor einem bewölkten Himmel
Ein Friedhof bei Vollmond: Archäologen glauben, dass die Angst vor lebenden Toten die Menschen seit jeher beherrschte.
Quelle: colourbox.de

Eine Leiche, die mit einem großen Steinbrocken "beschwert" wurde. Tote, die man posthum zerstückelte oder umgedreht ins Grab legte - mit dem Gesicht nach unten. Sind das bloße Zufälle oder steckt hinter den seltsamen Bestattungsmethoden mehr? Archäologe Daniel Nösler hat sich auf die Suche nach "Wiedergängern" spezialisiert. Er ist sich sicher: Diese Toten wollte man im Grab "bannen".

Archäologie der Untoten

Untote, Dämonen, Geister – übernatürliche Kreaturen faszinieren Menschen seit Jahrtausenden. Bücher, Filme und Fernsehserien sind voll von unheimlichen Gestalten. Doch während wir uns heute meist nur wohlig gruseln, glaubten viele unserer Vorfahren fest an die Mächte des Bösen – und versuchten sich davor zu schützen. Um zu verhindern, dass ein Toter wiederkehrte und den Lebenden Schaden zufügte,  wurden Leichname mal unter schweren Steinen begraben, mal mit Fesseln in den Sarg gelegt oder sogar angekettet, glauben Archäologen wie Daniel Nösler.

Archäologe der Untoten: Daniel Nösler untersucht ein Skelett aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Harsefeld.
Archäologe der Untoten: Daniel Nösler untersucht ein Skelett aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Harsefeld.
Quelle: Kathrin Beck, ZDF Digital

Die "Archäologie der Untoten" ist diesen unheimlichen Relikten des Aberglaubens auf der Spur. "Früher wurden wir dafür in Expertenkreisen belächelt", meint Daniel Nösler. Inzwischen nimmt man ihn und seine Kolleginnen und Kollegen ernst. Die Archäologen sind überzeugt davon, dass die Angst vor Untoten so alt ist wie die Menschheit selbst und in ganz Europa verbreitet war. Die Forscher haben dafür viele Hinweise gefunden, auch in Norddeutschland, im Landkreis Stade.

Heidnische Bräuche im Benediktinerkloster?

Dort, im ehemaligen Benediktinerkloster Harsefeld, wurden schon in den 1980er Jahren Gräber entdeckt, die Rätsel aufgaben. Rund 30 Jahre später hat sich Daniel Nösler die Skelette, die man damals barg, noch einmal genauer angeschaut - darunter die Überreste eines Leichnams aus dem Kreuzgang: "Die Unterschenkel wurden am Kopf deponiert, auch der Schädel ist zerstört. Der Tote sollte wohl nicht mehr laufen können", erklärt der Archäologe. "Der Brustkorb ist ebenfalls aufgebrochen, möglicherweise wollte man das Herz entnehmen, um den Sitz der Lebenskraft zu vernichten."

Die Unterschenkel wurden am Kopf deponiert, auch der Schädel ist zerstört. Der Tote sollte wohl nicht mehr laufen können.
Daniel Nösler, Archäologe

Auch im Altarbereich der Klosterkirche stieß Daniel Nösler auf Hinweise, die seine Theorie stützen: In den 60er Jahren war das Skelett eines ehemaligen Abtes gefunden worden, dessen Beine mit einem Vorhängeschloss im Grab gefesselt worden waren. Der Archäologe ist überzeugt, dass solche abergläubischen Handlungen damals nur mit Billigung der Mönche und Äbte stattgefunden haben können. Die Angst vor "Untoten" war besonders groß, wenn Seuchen wie die Pest das Land heimsuchten. Dann wandten sich viele Menschen in ihrer Furcht auch heidnischen Bräuchen zu.

Dabei war die Vorstellung von "lebenden Toten" damals noch eine völlig andere als unsere heutige: "Wiedergänger" oder "Nachzehrer" haben nichts mit den bleichen Vampirgestalten unserer Zeit zu tun, die – meist in schwarze Capes gehüllt - nachts schöne Jungfrauen heimsuchen. In Europa weit verbreitet hingegen waren Erzählungen vom  "kopflosen Reiter": Etwa Selbstmörder oder Verbrecher, die zur Strafe enthauptet worden waren, konnten demnach zu jenen unheimlichen Kreaturen werden, die meist nachts ihren Opfern auf einem Pferd erscheinen, sie erschrecken oder ihnen gar die Lebenskraft rauben. 

Auch die sogenannten "Aufhocker" konnten Untote sein. Der Legende nach sollen sie ihren Opfern auf den Rücken springen und so lange plagen, bis sie unter ihrem Gewicht oder vor Erschöpfung – manchmal tot - zusammenbrechen.

Vampirglaube in Südosteuropa

Der Vampir – oder "Strigoi", wie man ihn im südosteuropäischen Raum nennt, ist der wohl prominenteste aller "Untoten". Auch er ist eine Form der sogenannten "Wiedergänger". Er besitzt im Volksglauben zwar weder spitze Zähne, noch saugt er seine Opfer aus. Doch trinkt er in manchen Erzählungen Blut und entzieht seinen Opfern die Lebensenergie mit magischen Kräften.

Dr. Peter Mario Kreuter in einem Dorf in der Walachei spricht mit Leichenwäscherin Stela Barbu und ihrer Schwiegertochter über Vampirglauben
Dr. Peter Mario Kreuter in einem Dorf in der Walachei spricht mit Leichenwäscherin Stela Barbu und ihrer Schwiegertochter über Vampirglauben.
Quelle: Kathrin Beck, ZDF Digital

Vampirforscher und Historiker Dr. Peter Mario Kreuter hat sich auf diese besondere Form des Volksglaubens spezialisiert. In der rumänischen Walachei geht er auf Spurensuche. Werden dort auch heute noch Rituale zur Abwehr von "Untoten" praktiziert?

2004 hat ein besonders unheimlicher Fall für Aufsehen gesorgt: Im walachischen Dorf Marotinu de Sus wurde ein Verstorbener aus seinem Grab geholt, weil man ihn für einen "Strigoi" hielt. Dorfbewohner entnahmen ihm sein Herz, um daraus ein Gebräu zur Schadensabwehr herzustellen.

Wenn einer ein Strigoi ist, muss man ihn durchbohren. Ich steche ihn direkt in den Bauchnabel, aber noch besser ist es, ins Herz zu stechen.
Ochia Tudose, Leichenwäscher

Im Dorf Moldoveni spricht Peter Mario Kreuter mit der Leichenwäscherin Stela Barbu. Sie bestätigt, dass es bestimmte Maßnahmen gibt, falls der Verdacht entsteht, ein Verstorbener könnte ein "Strigoi" sein: "Man sticht den Toten in den Bauchnabel", erklärt die 80-jährige dem Vampirforscher. Auch Leichenwäscher Ochia Tudose bestätigt: "Wenn einer ein Strigoi ist, muss man ihn durchbohren. Ich steche ihn direkt in den Bauchnabel, aber noch besser ist es, ins Herz zu stechen."

Der Volksglaube an Wiedergänger hat sich bis heute vor allem in ländlichen Regionen Rumäniens mancherorts halten können. Doch auch unsere Vorfahren hielten Untote für reale Gefahren, das zeigen die unheimlichen Funde der Archäologen. 

Noch mehr über Untote, Dämonen und Geister gibt es in der ZDF-History-Doku "Angst vor Tod und Teufel. Die Geschichte des Aberglaubens":

Zombies, Dämonen, Geister – übernatürliche Kreaturen faszinieren Menschen seit Jahrtausenden. "ZDF-History" geht auf Spurensuche, untersucht vergangene und aktuelle unheimliche Phänomene.

Beitragslänge:
44 min
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