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Mitgliederversammlung beim HSV - Schluss mit Langeweile

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Drei Jahre lang interessierten die Mitgliederversammlungen des HSV nur noch einige Unentwegte. Heute werden wieder Tausende erwartet: zum Showdown im Duell Meier gegen Hoffmann.

Trainerbank des HSV
Quelle: imago

Kurz nachdem die HSV-Mitgliederversammlung im Januar 2014 den Weg in Richtung Ausgliederung der Profiabteilung geebnet hatte, sagte ein Mitglied im Foyer des Congress Centrums: "Solche Versammlungen wie heute wird es künftig beim HSV nicht mehr geben. Schade, hier konnten junge Leute immer direkt mitbekommen, wie Demokratie funktioniert."

Aufsichtsratswahl: Vom Stadion in den Vip-Raum

7.100 leidenschaftlich diskutierende Mitglieder waren damals gekommen - vier Monate später, als die Gründung der HSV AG endgültig besiegelt wurde, versammelten sich sogar 9.700 Stimmberechtigte im Stadion. Drei Jahre lang sah es so aus, als sollten sich die Befürchtungen des Mitglieds bewahrheiten: Zu den Mitgliederversammlungen des Stammvereins kamen seitdem nur noch wenige hundert der 78.000 Mitglieder.

Wo früher der gesamte Aufsichtsrat gewählt und damit über strategische Entscheidungen entschieden wurde, ging es jetzt maximal darum, den Vorsitzenden des Rest-HSV zu bestimmen – der lediglich einen Platz unter sechsen im Kontrollgremium der Profis einnimmt. Die anderen fünf Plätze im Aufsichtsrat legt der erlauchte Kreis der Gesellschafterversammlung fest, wie vor vierzehn Tagen in den VIP-Räumen des Stadions geschehen.

Ansturm auf die Trabrennbahn

Doch in diesem Jahr ist alles anders – es werden sogar Befürchtungen laut, das auf 2.000 Besucher ausgelegte Hightech-Zelt auf der Trabrennbahn könne den Besucheransturm nicht aufnehmen. Schon die Wahl des Veranstaltungsortes wurde zum Zankapfel der Kandidaten. Jens Meier gegen Bernd Hoffmann heißt das Duell, das die ermüdete HSV-Basis wieder auf die Beine bringt.

"Wenn der Verein nicht sicherstellen kann, dass die Mitgliederversammlung ordnungsgemäß ablaufen kann, ist das ein weiterer Beleg für die totale Unprofessionalität des Vereins", sagte Herausforderer Hoffmann, der schon von 2003 bis 2011 die Geschicke des HSV, damals noch inklusive Profiabteilung, leitete. Es ist allerdings nicht nur die Angriffslust des Alt-Präsidenten, die zur Mobilisierung führt.

Meier steht für Kontinuität

Die eigentliche Brisanz des Duells besteht in den Positionen, für die die Kandidaten stehen. Meier, der im Hauptberuf Chef der Hamburger Hafenbehörde ist, steht für Kontinuität, einem der seltensten Güter beim HSV. "Ich kann immer nur sagen, dass es gut ist, wenn man nicht ständig die Pferde wechselt", so sein Credo. Das schließt auch die Treue zum Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt ein, die aufgrund der akuten Abstiegsgefahr unter Beschuss stehen und gegen die ein Aufsichtsratsmitglied vor ein paar Wochen einen Putschversuch gestartet haben soll.

Distanz zu Kühne

Bruchhagen hält anders als sein Vorgänger Dietmar Beiersdorfer Distanz zu Hauptinvestor Klaus-Michael Kühne und bemüht sich, den mit mehr als 100 Millionen Euro verschuldeten Klub aus der finanziellen Abhängigkeit zu befreien. Mit Erfolg, wenn man Meier glaubt: "Die Verschuldungssituation ist keineswegs beunruhigend, sondern vielmehr deutlich komfortabler als zu unserem Amtsantritt" sagt er und sieht den HSV auf dem Weg zu stabilen Strukturen.

So pumpten Bruchhagen und Todt Kühne in der Winterpause trotz Tabellenplatz 17 nicht an, um den Kader nachzurüsten. "Man hat öffentlich erklärt, dass man meine Hilfe nicht in Anspruch nehmen wolle. Selbstverständlich habe ich mir Verstärkungen gewünscht", äußerte Kühne pikiert. Der Investor sieht den HSV für den Kampf um den Klassenerhalt "ganz und gar nicht gut aufgestellt".

Hoffmann sieht Lizenz in Gefahr

Dass Hoffmann öffentlich die Erteilung der Lizenz in Gefahr sieht, kann man als Appell werten, es sich mit dem Milliardär Kühne nicht zu verscherzen, der schon für diese Spielzeit mit seinen Mitteln die Lizenzvergabe sichergestellt hat. Hoffmann, der schon zu seiner ersten Amtszeit lieber "geklotzt" als "gekleckert" hat, steht außer für eine Professionalisierung für einen offensiven wirtschaftlichen Kurs, der ohne Kühne nicht möglich ist.

Im Duell gegen Hoffmann hat Meier offenbar noch ein Ass im Ärmel. Laut Presseberichten soll er auf der Versammlung HSV-Legende Horst Hrubesch als Berater präsentieren. Eins hat Meier gelernt: Legenden gehen beim HSV immer gut.

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