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In Flensburg wischen jetzt auch Jungs

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Sexismus im Handball? - In Flensburg wischen jetzt auch Jungs

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Bisher wischten in Flensburg nur junge Frauen in knappen Outfits den Boden der Handballarena. Nach Sexismus-Vorwürfen machen das nun auch Jungs. Viel Lärm um nichts für den Verein.

Keine Frage: Die jungen Frauen auf dem Spielfeld der Flensburger Handballarena sind sexy - die sogenannten Wischer-Girls. Sie sorgen bei den Handballern von der SG Flensburg-Handewitt während des Spiels für saubere, schweißfreie Böden.

Wie Frauen im Sport dargestellt werden, ist immer wieder ein Thema. Die umstrittene Bekleidung der Beachvolleyballerinnen oder der Verzicht des Basketballteams Alba Berlin auf seine Cheerleader, da junge Frauen als attraktive Pausenfüller nicht mehr zeitgemäß seien.

Bei der SG Flensburg-Handewitt sah das bisher noch anders aus. T-Shirt und Minirock der Wischer-Girls sind hauteng: Busen und Po werden betont, ihre flache Bauchpartie um den Nabel blitzt immer wieder hervor, die langen Haare schwingen beim Wischen hin und her, der Körper ist über den Schrubber gebeugt. Bisher wischten hier nur Frauen. Doch damit ist nun Schluss.

Ein "problematisches" Frauenbild

Anfang des Jahres war in Flensburg Kritik laut geworden. Das Auftreten der Flensburger Wischer-Girls entspreche dem Frauenbild aus dem letzten Jahrhundert. "Wir haben einerseits die Frauen, die den Boden wischen, andererseits die erfolgreichen männlichen Sportler", erklärte damals Marlene Langholz-Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses der Stadt, gegenüber dem ZDF. "Damit wird ganz klar ein hierarchisches Verhältnis gezeigt, und das ist in meinen Augen problematisch und sexistisch."

Deshalb reagierten auch der Handball-Bundesligist Flensburg und sein Sponsor aus der Erotikbranche. "Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte der SG Flensburg-Handewitt stehen jetzt regelmäßig auch Männer auf der Platte", heißt es in der Pressemitteilung des Hauptsponsors Orion.

Nur wenige Männer haben sich beworben

Er warb nun um Männer, die wischen wollten. Es gab Bewerbungen, aber längst nicht so viele wie bei den Wischerinnen. Schließlich wurden drei Männer engagiert. Einer von ihnen ist Mirco, Mechatroniker für Kältetechnik, Luca studiert Energie- und Umweltmanagement, beide sind Mitte zwanzig.

Beide können die Aufregung um die Sexismus-Vorwürfe nur wenig verstehen. Sie betonen, dass sie sich ihre Bekleidung für den Wischerjob hätten aussuchen können. Die beiden wischen im Gegensatz zu ihren Kolleginnen in ganz normaler Sportkleidung.

Verein ärgert sich über den Sexismus-Vorwurf

Die Wischerinnen des Vereins fühlen sich angegriffen. Sie wollen kein Interview geben, äußerten sich aber per Mail. Sie seien in die Auswahl des Outfits eingebunden gewesen und trügen es gerne, sie würden zu nichts gezwungen.

Das ist übrigens ebenfalls das Hauptargument vieler, auch weiblicher, Anhänger des Vereins und der Geschäftsführung: Das Auftreten der Wischerinnen könne kein Sexismus sein, weil die Frauen es freiwillig machten.

Mirco, Luca und Jakob kommen auf  jeden Fall gut an in Flensburg - sogar ohne erotisches Outfit. Eigentlich geht es ja doch auch nur ums Wischen ...

Heike Kruse ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio Kiel.

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