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Handel mit fragwürdigem Nachlass - Nazi-Nachlass unterm Hammer

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Hitlers Hut, Napoleons Stiefel - was darf eigentlich verkauft werden? Ein Blick auf die Onlineseiten der Auktionshäuser verrät: So gut wie alles.

Versteigerung von Nazi-Devotionalien am 20.11.1019 in München
Nazi-Devotionalien sind in Deutschland leicht zu haben.
Quelle: DPA

Eine "Mein Kampf-Hochzeitsausgabe-für-SS-Männer" für 2.500 Euro, ein HJ-Messer für 300 Euro oder ein "Kleinabzeichen 3. Reich" für 33 Euro - wer sich die Onlineseiten der Auktionshäuser ansieht, wundert sich nicht mehr, dass diese Woche erst Hitlers und Hut und als nächstes Napoleons Stiefel unter den Hammer kamen.

Besonders Hitlers Hut sorgte vor einer Woche für Aufsehen: Für 600.000 Euro ersteigerte der libanesische Geschäftsmann Abdallah Chatila bei einer Münchner Auktion den Zylinder, sowie verschiedene andere Nazi-Andenken. Er übergab sie einer Stiftung in Israel - um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Die Aktion wirft den Blick auf teils fragwürdige Praktiken.

Ein Zylinder, der Adolf Hitler gehörte.
Ein Zylinder, der Adolf Hitler gehörte: In den Rand sind die Initialien "AH" eingenäht.
Quelle: Matthias Balk/dpa

Laut Paragraph 86 und 86a im Strafgesetzbuch ist das "Verbreiten von Propagandamitteln" erlaubt, wenn es "der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient."

Alexander von Renz leitet die Militaria-Abteilung des Wormser Auktionshauses, das neben Spielzeug und Kunsthandwerk auch Gegenstände aus der gesamten deutschen Militärgeschichte anbietet. Darunter auch NS-Militaria. "Das gehört zur Militärgeschichte einfach dazu, man kann Geschichte nicht streichen", sagt er.

Konzentrationslager-Geld angeboten

Schon bei der Vorbesichtigung von Gegenständen aus der NS-Zeit, müsse jeder Interessent ein Formular unterschreiben, entsprechend des Paragraphen. 86 und 86a. Das Wormser Auktionshaus habe Kunden aus der ganzen Welt, darunter Vereine, Museen, Sammler - darunter viele Chinesen. "Die haben ein hohes Interesse an deutschen Militaria", beobachtet von Renz.

Doch auch mit seinen Formularen hat von Renz letztlich keine Handhabe, was die Käufer mit den NS-Devotionalien machen. "Aber ich habe die Handhabe, was ich in die Auktion nehme", sagt von Renz. "Da muss man sensibel sein, einen Judenstern oder sowas würde ich nie nehmen." Einmal sei ihm sogar Geld aus Konzentrationslagern angeboten worden, auch das habe er abgelehnt. Es gehe ihm nur um die Militärhistorie, von der frühen Kaiserzeit bis heute.

Onlinekunden sieht man nicht

Tibor Kuvacs, teilhabender Geschäftsführer der Auktionshalle Cuxhaven, lernt seine Kunden oft nie kennen. "Wenn sie hier vor Ort sind, kann ich mir ein Bild machen", sagt Kuvacs. Wer ihm nicht geheuer sei, dem verkaufe er nichts. Aber der Großteil des Geschäfts laufe online. "Vieles geht ins Ausland, nach Russland, nach Amerika, da haben wir keine Informationen zu den Käufern."

Wir sind Geschäftsleute und leider kann man damit Geld verdienen
Tibor Kuvacs, teilhabender Geschäftsführer der Auktionshalle Cuxhaven

Natürlich steht eine Verpflichtsunserklärung nach Paragraph 86 und 86a auf der Website - das reicht, damit das Auktionshaus nicht haftet. Zudem müssen auf Abbildungen zum Beispiel Hakenkreuze verdeckt werden. Von allen Sachen, die mit der Geschichte der Juden in der NS-Zeit zu tun haben, sieht auch Kuvacs ab. Aber Orden, Ehrenzeichen, Urkunden, Bücher, Dolche und auch eine Hakenkreuz-Flagge sind in seinem Handel zu finden. "Wir sind Geschäftsleute und leider kann man damit Geld verdienen", sagt Kuvacs. Er persönlich habe nichts gegen eine Verschärfung des Gesetzes.

In Napoleons Fußstapfen?

Auf Hitlers Hut folgen Napoleons Stiefel: Heute soll das Schuhwerk, das dem Französischen Kaiser gehört haben sollen unter den Hammer. Erwartet werden bis zu 80.000 Euro. Für Napoleon-Gegenstände gibt es einen großen Markt, sagt Alexander von Renz vom Wormser Auktionshaus, der als vereidigter Sachverständiger für militärische Antiquitäten auch Gerichtsgutachten schreibt.

Der Napoleon-Hype ginge so weit, dass sogar die Haare des Pferdes von Napoleon verkauft worden seien. "Da muss man dann dran glauben", sagt von Renz. Und das gilt auch für die Stiefel: "Wenn ein Gericht auf mich zukäme, ich solle ein Gutachten dazu schreiben, ich müsste das ablehnen", sagt er. Das nachzuweisen, sei einfach zu schwierig.

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