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Handelsstreit mit China - Was treibt den US-Präsidenten?

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Der amerikanische Präsident Donald Trump treibt den Handelsstreit mit China weiter. Damit riskiert er, dass die Weltwirtschaft Schaden nimmt. Warum tut der US-Präsident das?

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald Trump Quelle: dpa

Investoren an den Börsen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt vor ernsthaften Folgen für die hiesige Wirtschaft, viele Ökonomen befürchten sogar eine weltweite Rezession, sollte der Handelskonflikt auf dem bisherigen Pfad weiter schreiten. Und fast alle Beobachter sind sich zudem in einem Punkt sicher: Bereits die Zölle auf Stahl und Aluminium werden in erster Linie die Verbraucher in den USA treffen. Denn die verarbeitenden Unternehmen werden ihre Waren einfach teurer verkaufen müssen.

Washington am längeren Hebel

Was also treibt Donald Trump dazu, den Handelsstreit mit China und anderen Nationen und Regionen derartig auf die Spitze zu treiben? Folgt man der Argumentation Trumps, ist es sein Sinn für Gerechtigkeit, den quasi alle anderen Länder auf eine harte Probe stellen. In der Tat hat er in manchen Punkten erst einmal Recht: Zölle auf Autos aus den USA sind in Europa höher als umgekehrt. Und das Handelsbilanzdefizit der USA ist enorm: Auf 566 Milliarden Dollar belief es sich im vergangenen Jahr. Der Großteil davon geht auf das Konto Chinas, allerdings hat auch die Europäische Union, angeführt von Deutschland, einen erheblichen Beitrag dazu geleistet: Auf über 150 Milliarden Dollar belief sich der Überschuss im vergangenen Jahr.

Das dürfte auch einer der Gründe sein, weswegen die Europäische Union bislang vergleichsweise moderat und in leisen Tönen reagiert hat: Die USA sind etwa für Deutschland der wichtigste Exportmarkt, das erzeugt eine gewisse Abhängigkeit. "Mit ihrem großen Handelsbilanzdefizit sind die USA ein Wachstumsmotor der Welt", sagte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank. "Und damit sitzt man in Washington erst einmal am längeren Hebel."

"Potenzial Weltwirtschaft in die Rezession zu stürzen"

Deswegen ist erst einmal nicht abzusehen, dass Trump seine Drohungen zurücknehmen wird, um zu einem Kompromiss mit China und anderen Ländern der Welt zu kommen. Zumal er davon überzeugt ist, sie würden die USA in den Handelsbeziehungen ausnutzen. Trump geht also unbeirrt weiter auf dem Weg des Konflikts. Diese Befürchtung ist spätestens jetzt auch an den Finanzmärkten angekommen: Dort haben die Aktienkurse mit dem eskalierenden Konflikt deutlich nachgegeben.

Am stärksten waren die Verluste dabei in China und Hongkong. Doch auch der deutsche Leitindex DAX musste nach Verlusten bereits am Montag stark Federn lassen. "Hier bekriegen sich die beiden Lokomotiven der Weltwirtschaft", sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Das Thema hat das Potenzial, die Weltwirtschaft in eine Rezession zu stürzen".

Eskalation im Handelskonflikt durch innenpolitischen Druck?

Dieses Risiko ist ein hoher Einsatz für einen einzelnen Mann im weißen Haus. Und der ist - das ist die andere Seite, die man hierbei sehen kann, auch ein Getriebener. In diesem Fall ein Getriebener seiner eigenen Politik. Denn seit Tagen flimmern in den USA Bilder über die Fernseher, die unglückliche, weinende Kinder zeigen. Es sind Kinder aus Einwandererfamilien, die Trump an der Grenze von ihren Eltern trennen lässt. Das Signal: Versucht erst gar nicht ins Land zu kommen - hier seht ihr, was Euch blüht. Allerdings lösen weinende Kinder bei der Mehrheit der Amerikaner Mitleid aus - deswegen steht Trump innenpolitisch unter Druck. Reflexartig könnte der Streit nach außen damit als Ausgleich zur innenpolitischen Stabilisierung dienen.

In einer ähnlichen Perspektive kann man auch die Mid-Term-Wahlen in den USA im November sehen, die ihre Schatten voraus werfen. "Damit kann man populäre Punkte für die Wahl sammeln", sagt David Kohl, der Chefvolkswirt der Privatbank Julius Bär. "Für eine Gesundheitsreform beispielsweise bräuchte Trump den Kongress, und der ist ihm nicht allzu wohlgesonnen. Den Handelskonflikt am Köcheln zu lassen oder ihn dosiert anzufachen ist dagegen einfach."

Handelskonflikt dämpft Wirtschaftsprognosen in Deutschland

Und leider zeigt das Wirkung: So haben wichtige Wirtschaftsforschungsinstitute wie das DIW mittlerweile die Prognosen für das Wachstum der Deutschen Wirtschaft gesenkt - und das zum Teil drastisch. Das Ifo-Institut ist am Dienstag nachgezogen. "Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen", sagt der Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser. Von 2,6 Prozent auf nur noch 1,8 Prozent haben die Wirtschaftsforscher in München ihre Prognosen  für das Wirtschaftswachstum herunter geschraubt. Der schwache Jahresstart habe für Ernüchterung gesorgt. Die größten Sorgen macht den Experten aber der Handelsstreit der USA mit quasi dem Rest der Welt.

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