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USA und China - Handelsstreit schaukelt sich weiter hoch

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Nächste Stufe der Eskalation: US-Präsident Trump kündigt Strafzölle für chinesische Waren mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar an. Peking reagiert prompt mit Gegenmaßnahmen.

Archiv: Ein Container wird im Hafen von Qingdao, China, auf ein Containerschiff geladen, aufgenommen am 08.04.2018
Quelle: dpa

Bereits im Wahlkampf hatte Donald Trump angekündigt, China mit Strafzöllen belegen zu wollen. Zunächst führte er Zölle auf Stahl und Aluminium ein - die übrigens nicht nur China, sondern auch andere Länder und Europa treffen. Nun geht er noch einen Schritt weiter: Importe mit einem Volumen von rund 50 Milliarden Dollar aus China werden künftig mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent belegt. Dies betrifft 1.100 chinesische Waren und Produktgruppen. Aus der Mitteilung des Weißen Hauses ging nicht hervor, wann die Zölle tatsächlich wirksam werden.

China kündigt Gegenmaßnahmen an

Chinas Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Unmittelbar nach der Mitteilung von US-Präsident Trump kündigte Peking an, Zölle im gleichen Umfang auf US-Importe verhängen zu wollen. "Wir werden sofort Maßnahmen in gleichem Umfang und gleicher Stärke starten", teilte das chinesische Handelsministerium mit.

Trump geht mit seinen Maßnahmen gegen die nach seiner Ansicht unfairen Handelspraktiken Chinas vor. In der Tat macht es die Regierung in Peking ausländischen Unternehmen schwer, in dem Land Fuß zu fassen. Sie verfolgt die Strategie "Made in China 2025". Ziel ist es, chinesische Firmen aufzubauen, die global in Schlüsselindustrien der Zukunft konkurrieren können.

Die USA verhängen neue Strafzölle gegen China. Peking kündigt prompt Gegenmaßnahmen an. Damit rücke ein Handelskrieg näher, sagt ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

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"Wir bewegen uns direkt in einen Handelskrieg hinein"

Allerdings kritisieren viele Beobachter das Mittel, das Trump ergreift, um die Missstände anzugehen. "Ich würde sagen, wir bewegen uns direkt in einen Handelskrieg hinein", sagt der Chefvolkswirt der Privatbank Safra Sarasin, Karsten Junius. "Es sind nicht mehr nur einzelne Schüsse, die fallen. Es kommt auch Gegenfeuer - Gegenmaßnahmen, die dann wieder vergolten werden. Das ist eine extrem unschöne Entwicklung."

Unschön auch für Europa und Deutschland. Seit Anfang Juni gelten auch für die Länder Europas in den USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Brüssel arbeitet aktuell an Gegenmaßnahmen, die in wenigen Wochen in Kraft treten dürften. Das Ganze kann sich also schnell zu einem Handelskrieg hochschaukeln, wenn Trump seinerseits dann wieder reagiert.

Auf Europas Liste der Vergeltung stehen Produkte wie etwa Orangensaft, US-Markenjeans, Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder. Die sind zwar wirtschaftlich nicht entscheidend. Doch diese Produkte stammen aus Regionen der USA, in denen die republikanische Partei starken Rückhalt hat. Man versucht auf diese Weise indirekt, den Druck auf Trump zu erhöhen. In die gleiche Richtung übrigens zielt Peking mit der Auswahl seiner Vergeltungsmaßnahmen für amerikanische Produkte.

"Deutschland trifft das besonders"

Der Handelsstreit geht natürlich an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorbei. Die Unsicherheit in vielen Unternehmen ist deutlich gestiegen. So hat beispielsweise die Bundesbank ihre Wachstumsprognosen heruntergeschraubt: Statt 2,5 Prozent erwartet die Bundesbank jetzt nur noch ein Wachstum um rund 2 Prozent in diesem Jahr. "Die Unsicherheiten für den Ausblick der deutschen Wirtschaft sind erheblich höher einzustufen als zuvor", erklärte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Zollschranken könnten Deutschlands starke Exportwirtschaft empfindlich treffen.

Das sieht auch Carsten Brzeski so, Chefvolkswirt der ING-Diba: "Ein Handelsstreit zwischen den USA und China trifft Deutschland besonders. Und wir alle kennen Donald Trump: Der hört bei China nicht auf und wird auch versuchen, mehr Strafzölle auf europäische Güter einzuführen." Zumal an diesem Freitag Zahlen des Statistikamtes Eurostat Trumps Ärger befeuert haben dürften: Der Überschuss der EU-Länder im Handel mit den USA ist in den ersten Monaten des Jahres um 17 Prozent gestiegen ist. Trump kritisiert auch diesen Punkt seit langem und sieht sein Land damit unfair behandelt.

Kommen Zölle auf deutsche Autos?

Bis jetzt waren die wirtschaftlichen Folgen hierzulande zwar noch überschaubar, denn die Zölle auf Stahl und Aluminium schaden den hiesigen Unternehmen nur begrenzt. Allerdings lässt der amerikanische Präsident derzeit überprüfen, ob er auch Zölle auf Autos und Autoteile aus Europa einführen kann. Ihm schwebt ein Einfuhrzoll von rund 25 Prozent in diesem Bereich vor.

"Das ist total verrückt", meint Karsten Junius. "Wer amerikanische Autos kennt, der weiß doch, dass es ein Segen ist, mit deutschen Autos herumfahren zu dürfen." Das allerdings wird Trump wohl kaum von solchen Zöllen abhalten. Sollten sie allerdings wirklich kommen, würde das die deutsche Wirtschaft mit rund fünf Milliarden Euro belasten, so hat es das ifo-Institut ausgerechnet.

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