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Wie Kinder schlank bleiben können - Handstand im Matheunterricht

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Wer sein Einmaleins nicht gelernt hat, muss einen Handstand machen oder die Schultreppen rauf und runter sprinten: Das finnische Seinäjoki hat dem Übergewicht den Kampf angesagt.

In einem Klassenzimmer sitzen mehrere Kinder auf einer Bank, ein Junge macht einen Handstand
Matheunterricht im Handstand: Bewegung gehört in der finnischen Kleinstadt Seinäjoki bei allen Fächern zum Unterricht
Quelle: ZDF/Martin Kaeswurm

"Bewegung ist gesund und unterstützt auch das Lernen. Manchmal jedenfalls", sagt augenzwinkernd Lehrer Johannes Peltoniemi. Er ist überzeugt von dem Konzept. Vor sechs Jahren lebten in Seinäjoki noch die dicksten Kinder Finnlands. Heute sind sie messbar schlanker und fitter. Ein gesundes Schulessen gehört auch dazu. Süßigkeiten sind verboten, sogar an Geburtstagen. Alle essen das gleiche, ohne Ausnahme. Die Mahlzeiten werden vom Gesundheitsamt bezahlt - und bestimmt.

Dickste Kinder in Mecklenburg-Vorpommern

"Hierzulande würde das grandios scheitern", sagt Steffen Bockhahn, Gesundheitssenator in Rostock, und lacht. "Die Vorstellung, zu Schulen und vor allem zu Eltern zu gehen und zu sagen: 'Ihr habt beim Essen keinerlei Mitsprache. Wir als Staat geben vor, was Dein Kind zu essen kriegt' - die Diskussion kann man führen, aber man kann sie nicht gewinnen."

Doch Bockhahn tut, was er kann. Denn in Mecklenburg-Vorpommern leben die meisten übergewichtigen Kinder Deutschlands. Oft in den ärmeren Vierteln. Billige Ernährung gehört zu den Hauptursachen. Bundesweit ist jedes sechste Kind zu dick. Mit schlimmen Folgen. Im Alter drohen Krankheiten wie Diabetes oder Herzinfarkt. Seit kurzem bieten alle Schulen in Rostock das gleiche Essen an: fettarm, wenig Zucker, regionale Produkte. Anders als in Finnland müssen die Schüler dafür zwar zahlen, knapp vier Euro, aber immerhin gibt es ein gesundes Angebot.

"Lieber lecker als gesund"

Besonders beliebt ist es nicht. An manchen Schulen liegen die Bestellungen unter 20 Prozent. Hier gehen die Schüler lieber zu privat geführten Cafeterien. Süßigkeiten und Fast Food sind die Renner. "Wenn wir dazu gezwungen würden, etwas Gesünderes zu essen, würde ich das essen", sagt ein Schüler. "Aber von alleine hat man manchmal nicht diesen Kampfgeist, den inneren Schweinehund zu überwinden und auch mal was Ordentliches zu essen. Man nimmt dann lieber das Leckere."

In Deutschland ist jedes sechste Kind zu dick. Im Alter drohen Krankheiten wie Diabetes oder Herzinfarkt. "plan b" zeigt, wie wir unseren Nachwuchs von Anfang an schützen können.

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Was Kindern gut schmeckt, das lässt sich allerdings beeinflussen. In Bayern gehen Ernährungsberaterinnen an die Grundschulen, um einige verblüffende Versuche mit den Kindern zu machen. Denn als Kind schmeckt man vor allem Süßes. Alle anderen Geschmacksrichtungen muss man regelrecht erlernen. "Als Feinschmecker wird man nicht geboren", sagt Ernährungsberaterin Angela Dietz, "sondern man erlernt vieles und trainiert auch die Fähigkeiten, differenzierter hinzuschmecken, hinzuriechen, hinzuhören." Die Kinder sollen Lebensmittel mit allen Sinnen kosten. Deshalb hat sie sich ein paar Experimente ausgedacht.  

Schüler mit Apfelsaft hereingelegt

Sie gibt den Kindern an einer Schule in Fürstenfeldbruck zum Beispiel einen roten, einen grünen und einen gelben Saft. Sie sollen raten, was sie da trinken. "Das Gelbe ist so wie Apfel, das Grüne war wie Trauben und das Rote war Tomate", sagt ein Mädchen. Doch weit gefehlt. "Soll ich es auflösen, das Rätsel?“, fragt die Ernährungsberaterin: "Es ist alles der gleiche Apfelsaft!" Die Kinder staunen. Und lernen so, wie Sehen, Riechen und sogar Hören den Geschmack beeinflussen. Am Ende des Tages wissen sie: Nicht nur Süßes und Sahniges schmeckt gut. Es lohnt sich, Neues zu probieren - auch etwas Gesundes.

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