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Mobilfunknetze im Test - Können Telekom, Vodafone und O2 die Frist einhalten?

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Mobilfunk in Deutschland - vor allem auf dem Land und in der Bahn oft ein Trauerspiel. Zum Jahreswechsel endet eine Frist zum Netzausbau. Ein Test klärt, ob sich die Lage bessert.

Halten die deutschen Mobilfunker ihre Zusagen für den Netzausbau ein und stopfen die Funklöcher auf dem Land? Woran liegt es, dass es immer noch so viele große weiße Flecken auf dem Land gibt?

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Surfen, streamen, navigieren: Schnelles und zuverlässiges mobiles Internet ist enorm wichtig für die meisten Smartphone-Nutzer. Doch auch 2019 ist das längst nicht überall in Deutschland gegeben. Vielmehr gibt es weiße Flecken vor allem außerhalb der großen Städte. Dies bestätigt auch der neueste Mobilfunk-Netztest der Experten von "Chip": "Von der Weltspitze sind wir noch deutlich entfernt. Wir haben ein echtes Problem auf dem Land", erklärt Wolfgang Pauler, "Chip"-Testchef. Das bestätigen auch internationale Vergleiche.

Deutschland beim Surftempo hinter Rumänien

Beispiel Surftempo: Im aktuellen Ranking des "Ookla-Speedtests" für Oktober 2019 belegt Deutschland Platz 44 hinter Rumänien und Bosnien-Herzegowina. Weltspitze ist Südkorea. Lange hat die Politik sich das angeschaut, Mobilfunklizenzen mit Milliardenerlösen verkauft und kaum Auflagen zum Ausbau gemacht.

Das ändert sich erst seit 2015: Damals hat die Bundesnetzagentur bei der Lizenzvergabe für weitere LTE-Frequenzbänder verlangt, "dass die Netzbetreiber bis Ende des Jahres 98 Prozent der Haushalte mit schnellem mobilen Internet versorgen müssen", so der Sprecher der Bonner Behörde, Fiete Wulff. "Wir sehen, dass sich die Unternehmen sehr anstrengen, die Ziele zu schaffen. Aber dahin ist auch noch ein Stück Weg zu gehen."

Telekom vorn, O2 hinten

Bei allen wird es schnell schlechter, wenn man aufs Land geht.
Wolfgang Pauler, "Chip"

Wie gut sind unsere Handynetze jetzt, fünf Wochen vor Ablauf der Frist? Die Experten der "Chip" geben allen drei Mobilfunkanbietern eine gute bis sehr gute Gesamtnote, die vor allem aufgrund sehr guter Leistungen in den Städten zustande kommt: "Unser Test zeigt, dass die Telekom das am besten ausgebaute Netz in Deutschland hat, gefolgt von Vodafone und dann mit einigem Abstand O2", erläutert Pauler: "Bei allen wird es schnell schlechter, wenn man aufs Land geht. Das ist auch kein Wunder, da lohnt es sich weniger, Basisstationen aufzubauen." Vor allem O2 habe in dünner besiedelten Regionen großen Nachholbedarf.

Konkret heißt das nach Auswertung der Crowdsourcing-Daten von Millionen Nutzern: Die Telekom versorgt 93 Prozent des gemessenen Gebiets mit schnellem mobilem Internet, LTE, Vodafone 86 Prozent und O2 rund 75 Prozent. Die Vorgabe der Bundesnetzagentur bezog sich auf Haushalte, nicht auf die Fläche, aber auch Erhebungen der Behörde über eine App bestätigen die Unterschiede.

Netzbetreiber: "Wir schaffen das"

Insbesondere bei O2 gibt es noch viele schlecht versorgte Landstriche. In fünf Wochen müssen 98 Prozent der Haushalte mit LTE versorgt sein - alle drei erklären gegenüber dem ZDF: "Wir schaffen das." O2 ergänzt zudem, man habe in diesem Jahr 7.000 LTE-Sender aufgebaut, so viele wie kein anderer, und stehe im engen Austausch mit der Bundesnetzagentur.

Die Behörde überprüft ab Januar, ob die Vorgaben erfüllt sind. Ist das nicht der Fall, so Sprecher Wulff, könne man zwar Strafen verhängen, aber das sei nicht das Ziel der Bundesnetzagentur: "Uns ist an möglichst gut ausgebauten Netzen gelegen, nicht an Strafen."

Gemeinsam gegen weiße Flecken

Die Mobilfunkbetreiber haben verstanden, dass Funklöcher ihrem Ruf und ihrem Geschäft schaden, daher wollen sie bei 6.000 neuen Stationen zusammenarbeiten. Das Prinzip: Man sucht gemeinsam nach Funklöchern, ein Anbieter baut einen Mast und stellt diesen den beiden Wettbewerbern zur Verfügung. Das soll schneller sein und kostengünstiger.

Es gibt auch Orte, an denen wir gerne ausbauen würden, aber nicht ausbauen können.
Dirk Wössner, Telekom

Der Deutschland-Vorstand der Telekom, Dirk Wössner, schränkt im ZDF-Interview ein: "Weiße Flecken haben wir nicht überall ausgebaut. Es gibt auch Orte, an denen wir gerne ausbauen würden, aber nicht ausbauen können", kritisiert er. "Das hängt auch zusammen mit mangelnden verfügbaren Grundstücken, weil wir keinen finden, der uns das vermieten möchte oder weil Genehmigungsprozesse für den Aufbau eines Standorts sehr lange dauern." Außerdem gebe es teilweise Widerstand aus der Bevölkerung - einige Menschen wollten keinen Mobilfunkstandort in ihrer Nähe haben.

Regierung will Netzbetreiber unterstützen

Die Bundesregierung hat in ihrer Digitalstrategie weißen Flecken den Kampf angesagt und will die Netzbetreiber unterstützen: Mit einer Kampagne für Funkmasten, mit schnelleren Verfahren und der Bereitstellung bundeseigener Flächen für Masten. Zudem will sie Geld beisteuern, um an 5.000 Standorten Mobilfunk zu ermöglichen, wo es sich für die Netzbetreiber nicht lohnt.

Wolfgang Pauler von "Chip" hält das für überfällig: "Man muss den Netzbetreibern klar sagen: 'Wenn Ihr in der Stadt sehr viel Geld verdienen wollt, dann müsst Ihr auch in Gegenden ausbauen, wo es sich für Euch nicht lohnt.'" Lücken würden aber immer bleiben: "Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, wirklich jede Baumwurzel mit LTE zu versorgen."

Digitales "Zug-Entwicklungsland"

Dringenden Bedarf sieht der Experte bei der Bahn. Das sei zwar besser geworden, aber es gebe immer noch Verbindungsabbrüche beim Telefonieren oder beim Streaming im Zug. Es werde höchste Zeit, dass Deutschland kein "Zug-Entwicklungsland" mehr sei.

Es bleibt viel zu tun für die Netzbetreiber und für die Regulierungsbehörde, die weiter Druck machen muss. Denn die mobile Datennutzung steige um 50 bis 60 Prozent jedes Jahr, so Telekom-Vorstand Dirk Wössner: "Allein daran erkennen wir, wie wichtig Mobilfunk für die Menschen geworden ist. Das bedeutet, dass wir auch die Akzeptanz in der Bevölkerung haben müssen, dass Mobilfunk ohne Masten nicht möglich ist."

Sven-Hendrik Hahn arbeitet in der ZDF-Wirtschaftsredaktion WISO.

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