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Digitalisierung - Wer hat's erfunden? Die Schweden!

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4G-Netzabdeckung in allen Haushalten, doppelt so viele Breitband-Anschlüsse und kreative Start-ups: Was wir von Schweden, dem Partnerland der Hannover Messe, lernen können.

In Deutschland fehlt es im internationalen Vergleich an Breitbandanschlüssen für High-Speed-Internet. Nur 2,6% sind mit einem zukunftsträchtigen Glasfaserkabel angebunden. Anders in Schweden: Alleine Stockholm ist zu 99% mit Glasfaserkabel versorgt.

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Nein, aus Schweden kommen nicht nur Köttbullar, ABBA oder das bekannte Einrichtungshaus mit den vier Buchstaben. Der Musikstreamingdienst Spotify, die Zahlungsanbieter Klarna und iZettle oder der Instant-Messaging-Dienst Skype: Sie alle kommen aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Zwei der weltweit größten Computerspiele - Minecraft und Candy Crush - haben Teams in Stockholm entwickelt. Ericsson, einer der global führenden Anbieter von Telekommunikationssystemen, wurde vor mehr als 100 Jahren hier gegründet. Die schwedische Hauptstadt ist ein globaler Hotspot für Technologie und Digitalisierung.

Laut einem EU-Länderbericht zum Stand der Digitalisierung (DESI) von 2018 ist Schweden auf allen Ebenen der Digitalisierung besser aufgestellt als Deutschland: Platz zwei für die Nordeuropäer, Deutschland liegt auf Rang 14. Nur Dänemark ist im EU-Vergleich Schweden noch eine Nasenlänge voraus. Deutschland ist im Vergleich zu 2017 in dem EU-Bericht sogar um drei Plätze abgerutscht. Warum das so ist, zeigen allein diese Zahlen: Die 4G-Netzabdeckung liegt in Schweden bei 100 Prozent aller Haushalte, in Deutschland liegt sie bei lediglich 86 Prozent. Nur 31 Prozent der deutschen Haushalte verfügt über einen Breitbandanschluss von 30Mbps. In Schweden liegt der Anteil bei über 63 Prozent.

Ambitionierte Ziele der Schweden

Auch im Bereich der Industrie sind Defizite gegenüber Schweden sichtbar. Gut 33 Prozent der schwedischen Unternehmen arbeiten mit einer Cloud, in Deutschland nutzen diese nur neun Prozent. Der Umsatz der Unternehmen im Internethandel liegt in Deutschland bei sieben Prozent. In Schweden ist er mehr als doppelt so hoch (14,7 Prozent). Generell hat sich Schweden sehr ambitionierte Ziele gesetzt. Ab dem Jahr 2025 sollen 98 Prozent der Haushalte und Betriebe einen Zugang zu einem 1-Gigabit-Anschluss haben. Außerdem wollen die Schweden bis 2023 vollständig bargeldlos bezahlen, also ausschließlich elektronisch. Vielleicht zeigt sich ausgerechnet beim von Deutschen so geliebten Bargeld, wo das Problem liegt.

Hannover Messe 2019 - Roboter
Laut Knabenbauer habe man in Schweden viel früher in digitale Infrastruktur investiert.
Quelle: dpa

Kerstin Knabenbauer, selber Schwedin, spricht fließend Deutsch und hat sich bereits in Vorträgen an deutschen Universitäten mit den Unterschieden zwischen den beiden Ländern befasst: "Industrie 4.0 - Was können wir von Schweden lernen?", fragt sie darin. Im Gespräch mit heute.de erklärt Knabenbauer, in Schweden habe man schlicht viel früher damit angefangen, in digitale Infrastruktur zu investieren. Zum Beispiel gab es schon Anfang der 90er Jahre Prämien von der Regierung für Unternehmen, die Computer benutzten. Alte Dienst-Laptops wurden nicht verschrottet, sondern gingen in den Privatbesitz der Arbeitnehmer über. Die Schweden hätten deshalb nicht nur frühzeitig Computer besessen, sondern eine Affinität für Digitalisierung entwickelt, die bis heute spürbar sei, sagt Knabenbauer.

Start-up-Unternehmen zieht es nach Stockholm

Ein Gradmesser für die Digitalisierung sind auch Behördengänge: Hier liegt Deutschland besonders weit hinter Schweden zurück. Während in Schweden ein Großteil der Vorgänge online bearbeitet wird, gibt es in Deutschland kein einheitliches eGovernment-System. Das Schulsystem in Schweden ist darauf ausgerichtet, Kinder in Richtung IT und Unternehmensgründung zu unterrichten und zu motivieren. Die Früchte dieser Motivationsarbeit sind in der Hauptstadt Stockholm besonders gut zu sehen: Stockholm steht bei der Zahl der Start-up-Unternehmen mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar auf Platz zwei hinter dem Silicon Valley.

Platine
Kein anderes Land der EU bringt so viele Start-ups hervor wie Schweden.
Quelle: imago

Zahlreiche Unternehmen haben die Digitalisierung und die Industrie 4.0 in Schweden vorangetrieben. Allen voran weltbekannte Software-Entwicklungen wie Spotify, Skype oder Klarna. Auch die Technologie, auf welcher der US-Streaming-Dienst Netflix aufsetzt, stammt aus einem schwedischen Science Park. Kein anderes Land der EU bringt so viele Start-ups hervor wie Schweden. Sichtbar wird die Innovationskraft in Großprojekten wie "The Factory". Das Start-up-Hub wurde erst im Frühjahr 2019 eröffnet und bietet mehr als 1.400 Personen und über 100 Start-ups Platz und Infrastruktur - Fitnessstudio, Restaurant und Kindergarten inklusive.

"Smart Factory": Roboter und Menschen arbeiten zusammen

Im Bereich der Industrie ist "Smart Factory" das Zauberwort. Der schwedische Lastwagen-Hersteller Scania besitzt solch eine "Smart Factory": In der Fabrik in Oskarshamn, in der Fahrerkabinen für die Lkw hergestellt werden, arbeiten Roboter und Menschen auf engem Raum zusammen. Auch die Firma Aros electronics in Göteborg ist so eine "Smart Factory". Mit ABB stammt auch einer der weltweit größten Roboterhersteller aus Schweden. ABB ist in diesem Jahr einer der größten Aussteller auf der Hannover Messe, die noch bis Freitag ihre Hallen für Besucher geöffnet hat. Auf der Industrie-Show präsentieren sich rund 120 weitere schwedische Unternehmen sowie 30 Start-ups. "Alter Schwede!", wird sich so mancher deutsche Messebesucher denken.

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