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Neue Belege: Hat SS-General Kammler überlebt?

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Rätsel um Hitlers Geheimwaffenchef - Neue Belege: Hat SS-General Kammler überlebt?

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Hitlers SS-Geheimwaffenchef Kammler soll sich 1945 umgebracht haben. Doch nun gibt es Zweifel: Die Nazi-Größe könnte auch untergetaucht sein. Diese Dokumente sollen das beweisen.

Die am 18. August ausgestrahlte "ZDF-History"-Dokumentation "Hitlers Geheimwaffenchef - Die zwei Leben Hans Kammlers" gründet auf mehreren Archiv-Funden, die bei vielen Zuschauern Interesse an weiteren Informationen geweckt haben. 

Mehrere schriftliche Unterlagen amerikanischer Geheimdienste sprechen dafür, dass Hans Kammler nicht am 9. Mai 1945 Selbstmord beging, wie ein deutsches Gericht 1948 offiziell feststellte, sondern wegen seines Wissens um modernste Geheimwaffen vom amerikanischen Militärgeheimdienst CIC in Gewahrsam genommen wurde. Ein brisanter Fall, da Kammler unter anderem an der Planung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau mitgewirkt hatte und Zehntausende Menschen beim Bau von unterirdischen Rüstungsanlagen und der Produktion von so genannten "Vergeltungswaffen" starben, die dort unter seiner Kontrolle produziert wurden. Als Kriegsverbrecher hätte ihm in Nürnberg der Prozess gemacht werden müssen.

Vernehmung eines Toten?

Ein erstes wesentliches Schriftstück, das bei den Recherchen für den Film im "AFHRA Maxwell Airforce Base Archiv" entdeckt wurde: datiert auf den 30. Mai 1945, drei Wochen nach Kammlers angeblichem Tod. Verfasser ist der beim Hauptquartier der strategischen amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa tätige Colonel Loyd K. Pepple. Er gibt einen Überblick über die für die US Air Forces interessanteste Kriegsbeute: neueste Waffenproduktionen. Es folgen die Namen der kriegsgefangenen Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker, die maßgeblichen Anteil an solchen Entwicklungen hatten.

Schließlich wird auch "nicht-technisches Personal" mit Spezialkenntnissen auf den Gebieten der Flugzeug- und/oder Raketenentwicklung genannt. Ganz oben steht Reichsmarschall Hermann Göring. Als 18. Name auf der Liste erscheint: SS-Obergruppenführer Kammler, "Inspektor aller Strahljägereinheiten der Luftwaffe". Alle der in Haft befindlichen Genannten stünden zum Verhör bereit, heißt es in dem Dokument. Auch in einer amerikanischen Übersicht vom 10. Juli 1945 zur Organisationsstruktur der deutschen Luftwaffe wird Kammler als Gefangener erwähnt.

Verhörspezialist soll Kammler befragen

Noch ein weiteres Dokument aus dem Air-Force-Archiv bestätigt Kammlers Aufenthalt in US-Gefangenschaft (ein halbes Jahr nach dem angeblichen Tod). Es ist ein Schreiben von Brigadegeneral George McDonald an Major Ernst Englander vom 2. November 1945. Als Geheimdienstchef der am 7. August 1945 gebildeten U.S. Air Forces in Europe war McDonald verantwortlich für das Aufspüren des neuesten deutschen waffentechnischen Know-hows. McDonald sollte Informationen zu den unterirdischen Fabriken der Deutschen zusammentragen.

Um die Studie vorzubereiten, erteilte er Englander - einem in die USA ausgewanderten Hamburger Juden - den Auftrag, Speer, Saur und Kammler zu verhören. Halten wir fest: Der "director of intelligence of the U.S. Air Forces in Europe" McDonald beauftragte den Spezialisten für die Verhöre der militärischen und wirtschaftlichen Elite des "Dritten Reiches" mit der Befragung Kammlers. Die Berichte lassen unseres Erachtens keinen Zweifel mehr daran, dass sich Hans Kammler im amerikanischen Zugriff befand.

Die USA waren interessiert an Kammlers Wissen.
Die USA waren interessiert an Kammlers Wissen.
Quelle: AFHRA Maxwell Airforce Base Archiv

Sohn eines US-Agenten erinnert sich

Zudem kommt in der "ZDF-History"-Sendung der Sohn von Donald W. Richardson zu Wort, dieser war hochrangiger Spezialagent des Office of Strategic Services (OSS). Der Vater berichtete seinen Söhnen kurz vor seinem Tod, dass er Hans Kammler in die USA gebracht habe, wegen seines Wissens um modernste Waffenentwicklungen und um zu verhindern, dass er in die Hände der Sowjets fällt. Aus Gründen der Staatsräson hätte er darüber schweigen müssen. Das klingt im Kontext der Dokumente überzeugend.

Kammlers brisantes Wissen

Doch warum war Hans Kammler für die Siegermächte so interessant? Eine Antwort gab u.a. der britische Geheimdienst nach dem Krieg. In einem Dokument heißt es, dass Kammler "SS-Chef von neuen Waffen" sei, "wahrscheinlich einschließlich CW und BW" - also auch chemischer und biologischer Waffen. Sein Wissen sei "wahrscheinlich nur aus zweiter Hand", aber er wisse über die "Vorgänge auf den verschiedenen Feldern Bescheid und wo Dokumente, Bestände und Pilotanlagen versteckt sind".

Einiges davon sei noch verborgen in den von Russen besetzten Gebieten: "Es wäre gefährlich für uns, wenn er dies den Russen offenbaren würde ..." In anderen Quellen ist auch von atomarer Forschung die Rede. Kammler kannte als Verantwortlicher für den Bau und den Einsatz der V-Waffen auch Pläne zur Kombination von Raketen mit Sprengköpfen zur Massenvernichtung - so Erkenntnisse des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU. Es gab also viele Gründe für die Amerikaner, das Wissen dieses Mannes abzuschöpfen.

Als Wissensträger sollte Kammler nicht in die Hände der Sowjets fallen.
Als Wissensträger sollte Kammler nicht in die Hände der Sowjets fallen.
Quelle: The National Archives UK

Wie Kammler in die USA gelangte, welches Wissen er dort offenbarte und für welchen Preis – das können nur weitere Forschungen klären nach dem Auffinden beziehungsweise der Freigabe weiterer relevanter Unterlagen wie auch Verhörprotokolle.

Stefan Brauburger ist Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte. Dr. Matthias Uhl ist Historiker am Deutschen Historischen Institut in Moskau (Experte im Film).

Sehen Sie hier die ganze Doku von ZDF-History:

Überlebte Hitlers Geheimwaffen-Chef den Krieg? Wurde SS-General Hans Kammler heimlich in die USA gebracht? ZDF-History zeigt dafür erstmals Belege.

Beitragslänge:
43 min
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