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Wie Hawala-Banking funktioniert

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Islamisches Bezahlsystem - Wie Hawala-Banking funktioniert

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Wie Paypal, aber Jahrhunderte alt: Das islamische Zahlungssystem Hawala hilft bei Geldwäsche und Terrorismus. Will die Branche legal werden, muss sie mehr Transparenz zulassen.

Wegen des Verdachts auf illegale Geldtransfers in die Türkei sind in fünf Bundesländern Razzien durchgeführt worden. Durchsucht wurden u.a. Metallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen. Es geht um 27 Beschuldigte, sechs Personen wurden bereits verhaftet.

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Am Dienstagmorgen haben Beamte des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts eine großangelegte Polizeiaktion gegen organisierte internationale Kriminalität gestartet. Sie durchsuchten Wohnungen und Geschäftsräume in mehreren Bundesländern sowie in den Niederlanden.

Rund 850 Polizisten sollen an den Durchsuchungen beteiligt gewesen sein. Vorwurf gegen die 27 Beschuldigten im Alter zwischen 23 und 61 Jahren ist, dass sie im großen Stil Bargeld aus Deutschland ins Ausland transferiert haben sollen. Im Zentrum der Ermittlungen soll ein Metallhändler aus Duisburg stehen.

Geldtransfers ohne staatliche Regulierung

Laut Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung sollen die Verdächtigen ein sogenanntes Hawala-Banksystem aufgebaut oder sich eines existierenden Netzwerks bedient haben. Diese in vielen islamischen Ländern traditionelle Form des Bankwesens ist elektronisch kaum erfassbar und geht weitgehend vorbei an Aufsichtsbehörden und Sicherheitskräften. "Auf diesem Wege wurde mutmaßlich illegal erworbenes Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro am legalen Bankensystem vorbei in andere Staaten transferiert", teilte das LKA mit.

Bei Hawala-Banken zahlt der Kunde einen Betrag bar bei einer Filiale ein, diese kontaktiert einen Partner am gewünschten Zielort, wo eine Zielperson den Betrag bar ausgezahlt bekommt. Auf diese Weise können anonym, ohne Zeitverzögerung und mit geringen Kosten kleine und große Summen transferiert werden - häufig ins Ausland. Besonders verbreitet ist das Zahlsystem für Überweisungen in entlegene Gebiete oder Länder, die nur umständlich ins internationale Bankwesen eingebunden sind. Millionen Migranten nutzen diese dezentralen Netzwerke, um Geld an ihre Familien im Ausland zu überweisen.

Hunderte Milliarden Dollar fließen jährlich hindurch

Neu ist das Phänomen nicht: "Hawala-Systeme gibt es bereits seit Jahrhunderten und basieren auf persönlichem Vertrauen", erklärt Matthias Casper von der Universität Münster. "Schriftliche Belege über den Zahlungsverkehr oder dauerhafte Konten werden üblicherweise nicht geführt", so der Wirtschaftsjurist. Den Ausgleich der Geldtöpfe erledigten die beteiligten Geldinstitute anschließend im Hintergrund auf verschiedenen Wegen. Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass weltweit rund 200 Milliarden US-Dollar jährlich durch Hawala-Systeme fließen.

Schriftliche Belege über den Zahlungsverkehr oder dauerhafte Konten werden üblicherweise nicht geführt.
Prof. Dr. Matthias Casper, Universität Münster

Illegal wird der Betrieb eines solchen Netzwerkes in Deutschland, wenn die Dienstleister den Transparenzauflagen der Bankenaufsicht Bafin nicht nachkommen. Dort müssen alle Banken registriert sein - ein aufwändiger Prozess. Experte Casper erklärt, dass das System aktuell "definitiv anfällig für illegale Geschäfte wie Geldwäsche oder Terrorismus" sei.

Daten zur Verbreitung speziell in Deutschland gebe es kaum, da die beteiligten Unternehmen nur selten die Öffentlichkeit suchten, so Casper. Ein grundlegendes Verbot halte er aber für die falsche Lösung. "Sofern die deutschen aufsichtsrechtlichen Pflichten von den Hawala-Anbietern eingehalten werden, gibt es nichts gegen sie einzuwenden", betont er. Im Prinzip funktionierten Hawala-Transfers ähnlich wie viele moderne digitale Zahlungsanbieter.

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