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Bier aus Schiffswrack verarbeitet - Der Geschichte abgezapft

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1886 versank die "SS Oregon" im Atlantik und mit ihr die an Bord befindlichen Getränke. Hobbytaucher Adams hat einige Bierflaschen geborgen und aus der Hefe ein Craft-Beer kreiert.

Schiffswrack Bier
Lag gut gekühlt am Meeresgrund: Bier aus dem Wrack der "SS Oregon".
Quelle: ap

Das neue Ale von Jamie Adams ist nicht nur wegen der hopfigen Note begehrt. Auch seine Herkunft lässt Feinschmecker aufhorchen. Ursprünglich war es im 19. Jahrhundert mit einem Dampfer über den Atlantik gekommen. Doch knapp vor der Ostküste der USA verunglückte das Schiff und sank - einschließlich der an Bord befindlichen Getränke.

Bier-Fans sind begeistert

Bei einem Craft-Beer-Festival im US-Staat New York standen die Gäste Schlange, um einen Schluck von dem Ale zu probieren. Viele sind begeistert von dem erfrischenden Aroma einer längst vergangenen Ära. "Allein die Idee - dass sie eine Bierflasche vom Grund des Meeres heraufholen konnten", schwärmt Peter Bowe aus der Stadt Schenectady. Die Chemie, daraus dann die alte Hefe zu extrahieren, sei faszinierend. "Und das Bier schmeckt absolut fantastisch."

Schiffswrack Bier
"Eine Kostprobe der Geschichte" nennt eine Besucherin das Schiffswrack-Bier.
Quelle: ap

Adams, der Macher des Bieres, war einst an der Wall Street als Börsenhändler tätig. Vor fast zwei Jahrzehnten gründete er dann die Saint James Brewery auf Long Island. Seine neueste Sorte habe viel mit seinem Hobby zu tun, sagt er. Als Sporttaucher kannte er die Geschichte des Passagier-Dampfers "SS Oregon", der auf dem Weg von Liverpool nach New York 1886 vor Fire Island mit einem Segelschoner zusammengestoßen und gesunken war. Das Wrack liegt in etwa 40 Metern Tiefe - in einem Bereich, der unter örtlichen Tauchern als "Wreck Valley" bekannt ist. "Es ist ein wirklich wunderbares Wrack, das sich gut zum Tauchen eignet", sagt der 44-jährige Brauer. "Eines Tages hatte ich die Idee, dieses Bier herzustellen, falls wir ein paar intakte Flaschen finden würden."

26 Flaschen geborgen

Im Jahr 2015 engagierte Adams ein Team, das sich auf die Suche machte. Doch erst 2017 wurden er und seine Mitstreiter fündig, nachdem Stürme den Sand am Meeresboden verlagert hatten und dadurch der Speisesaal der ersten Klasse zugänglich geworden war. Um hereinzukommen, mussten sie noch etwa 4,5 Meter graben. Innerhalb des Schiffes räumten sie eine weitere Schicht von knapp zwei Metern frei, bis sie auf ein halbes Dutzend Flaschen stießen. Später konnten die Taucher noch 20 weitere Flaschen sichern.

Jamie Adams - Schiffswrack Bier
Von der Börse in die Brauerei: Jamie Adams.
Quelle: ap

Mit Hilfe eines Freundes, der Mikrobiologe ist, züchtete Adams die aus den Flaschen entnommene Hefe in Reagenzgläsern. In den folgenden zwei Jahren braute er mehrere Testversionen, um den richtigen Geschmack zu treffen. Für die Würze und den Charakter eines Bieres ist Hefe - neben Hopfen und Gerstenmalz - entscheidend. Während der Fermentation, bei der auch der Alkohol entsteht, bilden sich chemische Verbindungen, sogenannte Ester, die dem Gebräu eine besonders fruchtige Note verleihen können.

Geschmackliche Reise in die Vergangenheit

Adams glaubt, dass die aus dem Wrack der "SS Oregon" geborgene Hefe auf einen Stamm zurückgeht, mit dem die einstige Bass Brewery in England früher ihr "King's Ale" produzierte. Seine daraus entwickelte Kreation, die er "Deep Ascent" genannt hat, sei eine "Nachbildung dessen, was 1886 auf diesem Schiff serviert wurde", sagt er. "Wir wollen den Leuten einen kleinen geschmacklichen Eindruck davon vermitteln, wie das Leben als Passagier auf dem Schiff war."

Der für dieses Ziel betriebene Aufwand mag fast etwas übertrieben scheinen. Tatsächlich ist es aber nicht das erste Mal, dass Relikte aus Schiffswracks für Kreationen mit historischem Beigeschmack genutzt werden. Bereits 1991 verarbeitete ein britischer Brauer Hefe, die aus einem 1825 im Ärmelkanal gesunkenen Lastkahn geborgen worden war, für ein Bier namens "Original Flag Porter". Im vergangenen Sommer brachte der Australier James Squire sein "Wreck-Preservation Ale" auf den Markt. In diesem Fall stammte die Hefe aus dem Frachtsegler "Sydney Cove", der 1797 vor der Insel Tasmanien auf Grund gelaufen war.

Für einige Craft-Beer-Fans sind derartige Geschichten fast wichtiger als der Geschmack. "Ich habe mit dem Bierbrauer gesprochen. Er hat mir erzählt, dass er persönlich auf Tauchgang gewesen sei", sagt Calvin MacDowell, der das Ale auf dem New York Craft Brewers Festival in Albany probieren konnte. "Zu wissen, dass es aus einer so alten Zeit stammt, dass man also praktisch eine Kostprobe der Geschichte erhält, ist einfach aufregend."

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