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Heidelberg - Gans non grata

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Sie vermehrt sich rasant und verwandelt Liegewiesen bisweilen in eine tierisch Toilette: die Nilgans. In Heidelberg hat man die Nase davon voll - beziehungsweise die Picknickdecke.

Nilgänse
Invasive Art: Nilgänse
Quelle: dpa

Die Stadt Heidelberg will verstärkt gegen die Gänse-Plage auf den Neckarwiesen vorgehen. Die Wiesen sind ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Sie treten allenthalben in die Hinterlassenschaften der Vögel. Wer sein Handtuch am Neckar ausbreitet, kann sicher sein, dass er es verschmutzt wieder mit nach Hause nimmt.


Nun sind 20 bis 30 Jäger aus dem Raum Heidelberg aufgefordert, die Nilgans zu bejagen. Aktuell werden im Jahr durchschnittlich 70 bis 80 Tiere geschossen. Auch die Strafen für Verstöße gegen das Fütterungsverbot sollen erhöht und Kontrollen verstärkt werden. Künftig sind bei der ersten Regelverletzung 55 Euro statt bisher 35 Euro fällig, bei Wiederholung 75 statt 60 Euro. Im laufenden Jahr wurden vier Verstöße gegen das Fütterungsverbot von Wildtieren registriert. Eine spezielle Rasenreinigungsmaschine gibt es auch, sie funktioniert aber nur bei sehr trockenem Wetter.

Heidelbergs Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson weiß um die Schwierigkeit der Aufgabe: "Eine einfache Lösung gibt es nicht. Jede Maßnahme stößt schnell an Grenzen, sei es rechtlicher, sicherheitsrelevanter oder auch moralischer Natur."

Auf der Liste der invasiven Arten

Nilgänse
Vermehren sich rasant: Nilgänse
Quelle: dpa

Die aus Afrika stammenden Nilgänse vermehren sich in Deutschland rasant. Einst wurden sie in britischen und niederländischen Parks gehalten, von dort breiteten sie sich in Europa aus. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen fühlen sich die Tiere mit dem markanten braunen Fleck ums Auge besonders wohl. Die Vögel gehören zu den tierischen Einwanderern, den sogenannten Neozoen. Die EU hat sie auf die Liste der invasiven Arten gesetzt, damit ist auch Deutschland verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen. Landwirte beklagen wie bei Grau- und Kanadagänsen erhebliche Ernteschäden, wenn sich die Vogelscharen gütlich tun.

Der Deutsche Jagdverband rechnete Anfang des Jahres vor, dass sich der Anteil der Reviere mit Brutpaaren zwischen 2009 und 2017 bundesweit mehr als verdoppelt habe. Brütende Vögel wurden demnach in 23 Prozent der Reviere gesichtet. Der Verband fordert die bundesweite "Bejagung nach einheitlichen Standards, um weitere ökologische und ökonomische Schäden nachhaltig zu verhindern". Derzeit sei die Gans nur in neun Bundesländern jagdbar. Heimische Arten müssten vor den oft aggressiv auftretenden Tieren geschützt werden, so die Begründung.

Weil die Tiere vor allem in Städten brüten, sind seltene Vogelarten allerdings eher selten beeinträchtigt, erklärt Ornithologe Lars Lachmann vom Naturschutzbund NABU. Für die rasante Vermehrung indes sei der Mensch verantwortlich: "Dank intensiver Landwirtschaft finden die Gänse auf Grünlandflächen wie Wiesen und Weiden mehr als genug Nahrung." Das gelte auch für die Kanadagans und die einheimischen Graugänse.

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