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Vatikan - Kirche hat sieben neue Heilige

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Papst Franziskus hat sieben Menschen heiliggesprochen, darunter eine Deutsche und ein Befreiungstheologe. Wer sind sie und was bedeutet die Heiligsprechung? Fragen und Antworten.

Papst Franziskus hat in Rom mehrere Katholiken heiliggesprochen. Darunter den ehemaligen Papst Paul der Sechsten und die deutsche Ordensschwester Katharina Kasper.

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Was sind die Voraussetzungen für eine Heiligsprechung?

Eine Heiligsprechung setzt voraus, dass die betreffende Person ein vorbildliches christliches Leben geführt hat. Das kann im sozialen Einsatz für andere Menschen bestehen, in einem besonderen spirituellen Leben oder im Martyrium. Im Rahmen eines festlichen Akts, meist eines Gottesdienstes, erklärt der Papst kraft der Autorität seines Amts, dass eine Person künftig als Heilige verehrt werden darf. Voraus geht ein kirchlicher Prozess über mehrere Instanzen. Dabei werden die schriftlichen Zeugnisse und der Nachlass der betreffenden Person gesichtet sowie Zeugen gehört, soweit das noch möglich ist. Fallen alle Untersuchungen positiv aus, erfolgt zunächst die Seligsprechung. Das bedeutet, dass die betreffende Person regional, oder wenn es sich um Ordensleute handelt, innerhalb des Ordens verehrt werden darf. Mit der Heiligsprechung darf sie weltweit verehrt werden.

Sowohl der Selig- als auch der Heiligsprechung muss ein wissenschaftlich unerklärbares Wunder vorausgehen, das auf Fürsprache des Betreffenden von Gott gewirkt wurde. Dieses Ereignis wird von einer medizinischen und einer theologischen Fachkommission bewertet. Handelt es sich um einen Märtyrer, also eine Person, die ihres Glaubens wegen getötet wurde, ist kein Wunder für die Seligsprechung notwendig. Dem Papst steht es frei, Persönlichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Nachweis eines Wunders heiligzusprechen. Dies hatte Papst Franziskus etwa bei der Heiligsprechung  von Johannes XXIII. verfügt. Heilige werden als besondere Vorbilder im Glauben verehrt, aber nicht angebetet. Anbetung kennt die katholische Kirche nur für Gott.

Wer wird heiliggesprochen?

Papst Franziskus hat sieben Personen heiliggesprochen. Die bekanntesten sind Papst Paul VI. und Erzbischof Oscar Romero. Für Deutschland wichtig ist die Ordensgründerin Maria Katharina Kasper. Außerdem wurden der italienische Jugendliche Nunzio Sulprizio (1817 bis 1836), der Ordensgründer Francesco Spinelli (1853 bis 1913), der Priester Vincenzo Romano (1751 bis 1831) und die argentinische Ordensgründerin Nazaria Ignatia (1889 bis 1943) heiliggesprochen.

Papst Paul VI. (1897 bis 1978) gilt als der große "Konzilspapst". Er stieß viele Reformen in der katholischen Kirche an, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) beschlossen worden waren, etwa die Öffnung der Kirche für den Dialog mit den anderen Religionen und christlichen Kirchen sowie die Anerkennung der Religionsfreiheit. Zugleich löste er mit seinem Lehrschreiben "Humanae vitae", in dem er die Ablehnung der künstlichen Empfängnisregelung für die katholische Kirche festschrieb, heftige Debatten aus. Viele Katholiken kündigten daraufhin ihrer Kirche die Gefolgschaft auf. Sein Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden wird durch die Diskussionen über "Humanae vitae" kaum wahrgenommen.

In seinem Pontifikat stellte Paul VI. wichtige Weichen für die Zukunft der Kirche; löste aber auch kontroverse Debatten aus.

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Erzbischof Oscar Romero (1917 bis 1980) entwickelte sich im Laufe seines Lebens zu einem der prominentesten Vertreter der Befreiungstheologie in Lateinamerika. Er setzte sich für die Armen und mehr Gerechtigkeit in seinem Heimatland El Salvador ein. 1980 wurde er bei einem Gottesdienst von Militärs erschossen. Die Menschen verehrten ihn er sehr schnell wie einen Heiligen. Das Verfahren zur Selig- und Heiligsprechung wurde bereits 1990 eröffnet, doch konservative Kräfte in der katholischen Kirche sowie die salvadorianische Regierung blockierten es lange Zeit. Papst Franziskus, der selbst den Inhalten der Befreiungstheologie nahesteht, änderte das.

Oscar Romero, bis zu seiner Ermordung 1980 Erzbischof von San Salvador, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Befreiungstheologie.

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Schwester Maria Katharina Kasper (1820 bis 1898) stammt aus Dernbach im Westerwald. 1845 gründete sie gemeinsam mit weiteren Frauen einen Verein für Kranken- und Altenpflege. 1870 erfolgte die Anerkennung der Gemeinschaft der "Armen Dienstmägde Jesu Christi", auch Dernbacher Schwestern genannt, durch den Vatikan. Heute zählt die Kongregation weltweit rund 600 Schwestern in 87 Niederlassungen. Um die Sozialeinrichtungen des Ordens trotz mangelnden Nachwuchses zukunftssicher zu machen, sind die meisten mittlerweile in der Stiftung "Dernbacher Gruppe Katharina Kasper" zusammengefasst. Aus der Idee und dem Engagement der Westwälder Bauerntochter Katharina entstand so einer der größten Krankenhausverbände des Landes. Im Rahmen der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen aus früheren Jahren kamen auch Einrichtungen der Dernbacher Schwestern in die Schlagzeilen. Betroffene warfen dem Orden vor, ihre Stimme nicht zu hören. Der Orden wiederum betont, dass man entsprechend der geltenden kirchlichen Richtlinien gehandelt, Anerkennungszahlungen geleistet und sich dem Gespräch mit den Betroffenen nicht verschlossen habe.

In der Nachfolge der Ordensfrau aus Dernbach, Maria Katharina Kasper, engagieren sich heute weltweit Frauen im Bildungs- und Sozialbereich.

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Die neuen Heiligen stehen nach Franziskus' Worten für den Einsatz für Arme: Paul VI. würdigte er als "Prophet einer hinausgehenden Kirche, die Weitblick hat und sich um die Armen kümmert". Romero habe "auf weltliche Absicherungen, ja auf seine eigene Sicherheit" verzichtet, "um evangeliumsgemäß sein Leben hinzugeben". In ähnlicher Weise hätten auch Katharina Kasper und die übrigen Heiligen "ohne Lauheit, ohne Berechnung, mit der Leidenschaft, etwas zu riskieren und loszulassen", in der Nachfolge Jesu gelebt.

Was bedeutet die Heiligsprechung religiös, politisch und touristisch?

Religiös bedeutet die Heiligsprechung, dass die betreffende Person nun weltweit offiziell verehrt werden darf und als Vorbild im Glauben für die ganze katholische Kirche gilt. Meist entwickeln sich wichtige Orte in der Biografie der Heiligen, wie etwa die Grabstätten, zu spirituellen Zentren, die eine große Zahl von Pilgern anziehen. Allerdings werden sie nur in seltenen Fällen zu regelrechten religiösen Touristenmagneten wie etwa im Fall des italienischen Heiligen Pater Pio dessen Grabstätte in San Giovanni Rotondo im Süden Italiens.

Mitunter haben Heiligsprechungen eine kirchenpolitische Bedeutung. Im Fall von Erzbischof Oscar Romero wird einer der prominentesten Vertreter der Befreiungstheologie geehrt. Das kommt einer offiziellen Anerkennung der Befreiungstheologie durch den Vatikan gleich, der diese ab den 1980er Jahren bekämpft hatte. Die Heiligsprechung ist ein klares Signal in die katholische Kirche hinein, dass die Vorstellung der Kirche an der Seite der Armen, was auch einen konkreten Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden einschließt, offizielle kirchliche Linie ist.

Damit hat diese Heiligsprechung auch politische Implikationen. Denn die katholische Kirche unterstützt damit eine Politik, die stark von sozialen Aspekten geprägt ist. Wenn sie einen Mann heiligspricht, der, wie die aktuelle salvadorianische Regierung zugibt, von Militärs ermordet wurde, ist das auch ein Appell an die Länder in Lateinamerika, sich einer kritischen Aufarbeitung ihrer Diktaturvergangenheit zu stellen.

Jürgen Erbacher leitet die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch".

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