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Heimweg-Apps - Was taugen die digitalen Schutzengel?

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Nachts allein unterwegs und dabei ein mulmiges Gefühl? Heimweg-Apps sollen helfen. Sie begleiten den Nutzer auf seinem Nachhauseweg und alarmieren im Notfall Freunde oder Polizei.

Screenshot der Heimweg-App: "Heimwegtelefon"
Heimweg-App: "Heimwegtelefon"
Quelle: heimwegtelefon.de

Ob nach dem Kino oder einem langen Kneipenabend: Man hat den letzten Bus verpasst und muss sich nun zu Fuß auf den Heimweg machen. Viele Menschen bekommen ein mulmiges Gefühl, wenn der Weg durch eine menschenleere Gegend oder einen dunklen Park führt. Heimweg- und Begleit-Apps sollen ihre Nutzer sicher nach Hause begleiten.

Apps ermitteln automatisch Standort

Wer in eine gefährliche Situation gerät, könnte auch per Smartphone schnell über die Notrufnummer 110 die Polizei alarmieren. Doch oft ist dann jemand gar nicht mehr in der Lage, die 110 zu wählen, die Situation zu schildern und den Standort durchzugeben. Hier setzen die digitalen Schutzengel an.

Den Notfall-Button in den Apps anzutippen, reicht in der Regel aus, um einen Notruf auslösen. Da die Apps per GPS kontinuierlich den Standort ihrer Nutzer ermitteln, erfahren Freunde oder Polizei dann automatisch, wo sich der Nutzer aufhält. Daneben stärken die Apps das subjektive Sicherheitsgefühl. Sie sollen ihren Nutzern das gute Gefühl geben, dass sie auch auf unsicherem Terrain nicht völlig auf sich allein gestellt sind.

Leitstelle organisiert Notfallhilfe

Screenshots der Heimweg-App: "WayGuard"
Heimweg-App: "WayGuard"
Quelle: wayguard.de

Seit zwei Jahren ist die kostenlose Heimweg-App WayGuard auf dem Markt. Sie wurde von einer Versicherung produziert und zusammen mit der Kölner Polizei sowie rund 4.500 Nutzern getestet, bevor sie freigegeben wurde. Die App lässt sich einfach installieren. Sie ermittelt per GPS laufend die Position des Nutzers und sendet sie automatisch an das WayGuard-Team, eine zertifizierte Leitstelle, die im Notfall Hilfe organisiert.

Der Nutzer kann sich zusätzlich auch von einer Person aus seinem Bekanntenkreis begleiten lassen. Diese Person muss die App installiert und sich angemeldet haben. Findet sich gerade kein Begleiter aus dem Bekanntenkreis, kann man sich während des Heimwegs auch mit einer Person des WayGuard-Teams unterhalten. Hat der Nutzer sein Ziel erreicht, gibt er per App Bescheid, und die Begleitung ist beendet.

Nutzer begleiten Nutzer

Screenshot der Heimweg-App: "KommGutHeim"
Heimweg-App: "KommGutHeim"
Quelle: kommgutheim.eu

WayGuard ist nicht die einzige Heimweg- und Begleit-App. Auch KommGutHeim und Vivatar wollen ihren Nutzern virtuell Begleitschutz geben. In ihren kostenlosen Versionen funktionieren beide Apps nach dem Prinzip "Nutzer begleiten Nutzer". Der eigene Standort wird mit ausgewählten Kontakten geteilt. Die Kontakte werden informiert, wenn man losgeht und sicher zuhause angekommen ist.

Bei Vivatar kann man sich auch von einem professionellen Notfallteam virtuell begleiten lassen. Voraussetzung ist ein kostenpflichtiges Abo, für das monatlich 4,99 Euro zu berappen sind. Das Notfallteam ist rund um die Uhr erreichbar und setzt im Fall der Fälle einen Notruf mit den Standortdaten des Nutzers ab. Bei KommGutHeim gibt es ein solches professionelles Notfallteam auch in der kostenpflichtigen Variante nicht.

App vorher ausprobieren

Die beste Heimweg-App ist nutzlos, wenn man nicht weiß, wie man sie im Ernstfall bedienen muss. Deshalb sollte man nach der Installation sofort alle Funktionen einmal durchspielen. WayGuard bietet beim ersten Start der App automatisch ein kurzes Tutorial an. Der Nutzer lernt, wie er die App bedienen muss und wie er Begleitpersonen auswählt und speichert.

Heimweg-Apps helfen nur dann, wenn eine Ortung per GPS möglich ist. In geschlossenen Räumen wie etwa großen Parkhäusern versagt die Technik. Zudem muss natürlich immer eine Mobilfunkverbindung bestehen. Funklöcher sind für digitale Schutzengel Gift. Die Ortung per GPS führt zu einem höheren Stromverbrauch. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen externen Akku, eine sogenannte Power Bank, inklusive Ladekabel mit sich tragen.

Angreifer per Schrillalarm abschrecken

Es muss nicht immer eine App sein, damit man sich auf dem Heimweg sicherer fühlt. Oft reicht schon ein Taschen- oder Schrillalarm, also ein Gerät, das einen schrillen Alarmton erzeugt, der den Angreifer abschrecken soll. Eine weitere Alternative ist das Heimwegtelefon, eine kostenlose Hotline, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzt ist, denen man Start und Ziel sowie zwischendurch immer wieder seine aktuelle Position mitteilt.

Apps können den Heimweg sicherer machen. Eine Alternative zur Notrufnummer 110 seien sie nicht, sagt Joachim Schneider, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Jeder Angriff sollte der Polizei gemeldet werden. "Idealerweise sollten Sie versuchen, gefährliche Situationen von vornherein zu vermeiden", so Schneider. Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man deshalb eine möglichst sichere Strecke wählen und dafür auch kleine Umwege in Kauf nehmen.

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