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World Nuclear Waste Report - Weltweit kaum eine Lösung für Atommüll

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Einem aktuellen Report zufolge gibt es weltweit kaum Lösungen für Atommüll-Endlager. In Deutschland schleppt sich die Suche nach einem Standort mühsam Richtung Ziellinie.

Fässer für Atommüll
Allein in Deutschland lagern etwa 1.900 Fässer mit Atommüll.
Quelle: dpa

Festgekettete Menschen, Polizeieinsätze, Tränengas. Die Bilder der Anti-Atomkraft-Bewegung aus den 1970er-Jahren haben viele noch im Kopf. Die Endlager-Suche heute verläuft dagegen vergleichsweise friedlich - gelöst ist sie noch lange nicht. Darauf weist auch die akuelle Studie "The World Nuclear Waste Report" hin. Er kommt im Kern zu dem Ergbenis, dass die Frage des Umgangs mit Atommüll weltweit in die Zukunft verschoben wird. Finanziert wurde der Report unter anderem von der Grünen-nahen Heinrich Böll Stiftung und den Europäischen Grünen.

Finnen machen es vor

In ganz Europa lagern laut der Studie derzeit mehr als 60.000 Tonnen verbrauchte, hochradioaktive Brennstoffe. Der Großteil davon ist in so genannten Abklingbecken deponiert. Dort soll der Atommüll herunterkühlen und sich seine Radioaktivität reduzieren.
Das könne keine dauerhafte Lösung sein, unterstreichen die Autoren. Finnland ist derzeit das einzige Land weltweit, das ein Endlager baut.

Abklingbecken Unterweser
Niedersachsen, Rodenkirchen: Ein Blick auf das Abklingbecken im Reaktorgebäude vom Kernkraftwerk Unterweser. Seit 2018 läuft der Rückbau.
Quelle: dpa

Ein weiteres ungelöstes Problem sind laut der Studie die Kosten, die der strahlende Abfall verursacht. Eigentlich müssen die Betreiber von Atomanlagen dafür aufkommen. Laut der Autoren wenden aber nur wenige Regierungen konsequent das so genannte Verursacherprinzip an. Deswegen müssten oft die Steuerzahler einspringen.

Nur Ton, Salz und Granit

Der Umgang mit dem Atommüll beschäftigt Regierungen weltweit. Auch in Deutschland läuft die Suche nach einem Standort für ein Endlager. Bis 2031 soll ein Ort im Bundesgebiet gefunden werden, an dem der Müll unterirdisch gelagert werden kann. Es geht um 1.900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen.

Der Bundestag hat beschlossen, dass die Suche nach einem Endlager neu gestaltet werden muss - transparent und mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Das Verfahren dafür ist im Standortauswahlgesetz festgelegt. In den vergangenen Monaten gab es bereits Info-Veranstaltungen. In Kassel diskutierten 60 Jugendliche Ende Oktober über richtige Beteiligungsformen. In Bremen und Hamburg kamen im September jeweils rund 20 Bürger und informierten sich. "Wir haben noch nicht sehr viele Besucher", sagt Monika Hotopp von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). "Noch nicht."

Das wird sich spätestens im Herbst 2020 ändern. Dann will die BGE bekanntgeben, welche Regionen in die engere Wahl für ein Endlager kommen. Jochen Stay von "Ausgestrahlt", einer Anti-Atom-Organisation, findet das nicht ehrlich. "Nur Ton, Salz und Granit kommen für die Lagerung in Betracht", sagt Aktivist Stay. Dadurch kämen schon jetzt nur bestimmte Regionen in Frage. "Die Politik hat schon viel festgelegt. Die Bürgerbeteiligung ist für das Ergebnis nicht relevant."

Gut abgeschirmt muss es sein und nach geologischen Kriterien ausgewählt: Das künftige atomare Endlager. Jetzt gibt es Infoveranstaltungen des Bundes zur Endlagersuche.

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2 min
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Besonders Jugendliche betroffen

Das Gesetz sieht mehrere Konferenzen vor, auf denen sich Bürger äußern können. Ein Vetorecht gegen einen Standort haben sie aber nicht. "Man hätte den Prozess mit den Bürgern von Anfang an gemeinsam gestalten sollen, anstatt sie zu spät ins Boot zu holen, wenn das meiste bereits entschieden ist", kritisiert Stay.

Besonders junge Menschen wird die Atommüll-Frage noch betreffen. Auf dem Workshop in Kassel wurde dem BGE von den Jugendlichen gespiegelt, dass sie sich mehr Online-Partizipation wünschen. Noch diesen Monat will die BGE ein Diskussionsforum auf ihrer Webseite schalten, so Monika Hotopp. Ob man damit tatsächlich junge Menschen erreicht und für das Thema interessiert? "Das ist nur ein erster Schritt", sagt sie.

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