Sie sind hier:

Moderne Heizsysteme - Auf dem Holzweg

Datum:

Wenn das Holz im Wohnzimmer knistert, fühlen sich die Deutschen wohl. Pellet-Heizungen, Kamine und Öfen stehen für behagliche und umweltfreundliche Wärme – aber stimmt das auch?

Der Holzofen steht für behagliche Wärme, sein Brennstoff für Umweltfreundlichkeit. Doch wir verbrennen immer mehr Holz, betreiben damit sogar Kraftwerke. Stimmt dann die Ökobilanz noch?

Beitragslänge:
27 min
Datum:

13 Jahre ist es her, da hatte Gesche Jürgens eine Idee, die sie noch lange beschäftigen sollte. Vom  Heizen mit Holz war sie damals, wie viele andere, überzeugt. Vernünftig, nachhaltig, umweltfreundlich – was sollte dagegen sprechen? Immerhin ist Holz ein nachwachsender und vielseitiger Rohstoff. Beseelt von diesem Gedanken konnte Gesche Jürgens schließlich auch ihre Eltern überzeugen, nicht mehr mit Öl zu heizen und stattdessen eine Holzpelletheizung zu installieren.

Plausible Lösung - damals

Ein Brennstoff, der regional aus Sägeresten hergestellt werden kann. "Das erschien mir damals eine gute plausible Lösung zu sein", erinnert sich Jürgens, die mittlerweile als sogenannte Wald-Kampaignerin bei Greenpeace arbeitet. Heute muss sich die Umweltschützerin jedoch eingestehen: Der Boom und die vielen Vorteile, die sie damals gesehen hatten, sind zu einem echten Problem geworden. Und das hängt vor allem mit der Nachfrage zusammen.

Heizen mit Holz wird immer beliebter. Nach Angaben des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks gibt es in Deutschland 11,7 Millionen sogenannter Einzelraumfeuerungsanlagen – dazu zählen Kamine und Kachelöfen. Hinzu kommen 700.000 Heizkessel für feste Brennstoffe, die zum Beispiel mit Pellets betrieben werden. Ein eigener Kamin oder Ofen gilt mancherorts als Statussymbol – und darf gerne einige Tausend Euro kosten. Kai Schumann profitiert von diesem Boom. Der Kaminbauer aus Berlin bezeichnet sich selbst als Feuerarchitekt und erfüllt das, was die Kunden wünschen. "Der moderne Städter hat gerne einen Kamin, der auch etwas hermacht, der in den Proportionen ansprechend ist. Und der zudem auch Materialien beinhaltet, die nicht jeder hat und wo der Kamin dann auch ein Ensemble wird und die ganze Wand schmückt", berichtet Schumann von den Vorlieben mancher Kunden.

Nachgerüstet oder ausgemustert

Er weiß zu gut: Wer einen Kamin betreibt, muss exakt wissen, worauf zu achten ist. Fehler beim Feuermachen passieren schnell. Dann wird das gemütliche Kaminfeuer zur Umweltsünde. Doch selbst wer sich auskennt mit seinem Kamin, wird eines nicht verhindern können: Feinstaub. Einige Untersuchungen belegen, dass Feinstaub aus Holzöfen ähnlich schädlich sei wie Dieselruß, heißt es aus dem Umweltbundesamt.

Alle Feuerstellen, die zu hohe Emissionen ausstoßen, mussten mit Beginn des Jahres 2018 entweder nachgerüstet oder ausgemustert werden. Kommt es wie etwa in Stuttgart zu Feinstaubalarm, müssen zudem nicht nur Diesel-Autos still stehen, sondern auch viele Kamine kalt bleiben.

Staatliche Förderung

Die Lust auf das Heizen mit Holz wird trotz dieser Warnungen weiter gefördert. Wer in Deutschland sein Eigenheim auf eine Holzheizung umstellt, erhält staatliche Fördermittel. Auch deshalb hatten sich die Eltern von Gesche Jürgens entschieden, auf eine Pelletheizung umzusteigen. Mehr als 1.300 Euro staatlichen Zuschuss hatten sie dafür bekommen – ein ordentlicher Anreiz. In einigen EU-Ländern wird sogar die Umrüstung alter Kohlekraftwerke auf Holz gefördert. Die Folge: Das Brennholz wird knapp, die Nachfrage muss irgendwie bedient werden.

Ein Holzkamin

Kamine produzieren Feinstaub - Die Schonfrist läuft ab

Winterzeit ist Kaminzeit. Aber ist diese Art der Gemütlichkeit auch umweltfreundlich? Einige Feuerstellen jedenfalls müssen ab Januar kalt bleiben oder nachgerüstet werden.

Datum:
von Katharina Sperber

"Hände weg von intakten Wäldern"

Tatsächlich wird Holz als Brennstoff mittlerweile um die halbe Welt transportiert. Ursprünglich sollte nur sogenanntes Schwachholz zu Pellets verarbeitet werden, also Holz das keine andere Verwendung finden kann – auch das hat sich mit der großen Nachfrage geändert. Das Problem: Holz zu verbrennen sei nicht wirklich CO2-neutral, kritisiert Wald-Kampaignerin Gesche Jürgens. Nicht in jedem Fall sei gesichert, dass die verbrannte Holzmenge durch Aufforstung auch wieder ersetzt wird. "Deswegen braucht es jetzt ein ganz konsequentes Handeln von der Politik. Hände weg von diesen wenigen verbliebenen intakten Wäldern, die wir hier noch schützen können", fordert Jürgens.

Sie will sich nicht damit abfinden, dass der immer größer werdende Holzhunger jahrhundertealte Naturwälder ruiniere. Dabei kann Wärme aus Holz ökologisch durchaus sinnvoll sein: Wenn der Brennstoff nicht aus wertvollen Wäldern stammt, sondern aus ökologisch bewirtschaftenden Waldflächen. Damit könnte auch Gesche Jürgens gut leben – und ihre Eltern heizen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.