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Europäischer Trauerakt - Altkanzler Kohl wird in Speyer beigesetzt

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Altkanzler Helmut Kohl wird am 1. Juli in Speyer beigesetzt und damit nicht an der Seite seiner ersten Ehefrau Hannelore in Ludwigshafen. Damit ist selbst die Wahl seiner letzten Ruhestätte ein politisches Statement. Zuvor wird er mit einem europäischen Trauerakt im Straßburger EU-Parlament verabschiedet.

Vielerorts wird um den verstorben Altbundeskanzler Helmut Kohl getrauert. Dieser war gestern im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen gestorben. Wann und wo ein Staatsakt für den „Kanzler der Einheit“ stattfinden soll, ist noch ungewiss.

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Das Familiengrab der Kohls liegt im Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim, nur ein paar Kilometer entfernt vom Wohnhaus des früheren Kanzlers in Oggersheim. Die Eltern von Helmut Kohl sind hier begraben, Verwandte seiner Mutter - und seine frühere Frau Hannelore. Zwei Grabsteine stehen nebeneinander. Auf dem rechten ist nur ein Name eingraviert: "Hannelore Kohl 1933 - 2001". Darunter ist Platz gehalten. Helmut Kohls Name wird dort in Zukunft nicht stehen. Der Altkanzler wird nicht im Familiengrab begraben, neben der Frau, mit der er 41 Jahre lang verheiratet war. Sondern in Speyer - an einem symbolträchtigen Ort, der ihm politisch sehr wichtig war. Die Entscheidung sagt viel aus über sein Leben.

Kohls Grab wird in Speyer auf dem Friedhof sein, auf dem ansonsten nur die Mitglieder des Domkapitels beigesetzt werden. Dieser liegt - zusammen mit dem Konrad-Adenauer-Park - auf dem Gelände des früheren Speyerer Friedhofs. Es sei Kohls Wunsch gewesen, dort seine letzte Ruhestätte zu finden, sagte der langjährige Kohl-Vertraute, der Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann. "Er hat dies gemeinsam mit seiner Frau im Spätsommer 2015 entschieden, als es gesundheitlich wieder einmal sehr kritisch um ihn stand." Die Entscheidung spiegele seine seit der Kindheit bestehende Verbundenheit mit Speyer und dem Speyerer Dom wider.

Kohl: "Das ist mein Heimatdom"

Das fast 1000 Jahre alte Gotteshaus ist ein besonderer Ort in Kohls Leben. Dort suchte er als Junge im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Fliegerangriffen, dorthin führte er später als Kanzler zahlreiche Staats- und Regierungschefs. Dort war die Totenmesse für seine Frau Hannelore. Und an eben diesem Ort soll nun - nach einem europäischen Trauerakt in Straßburg - am 1. Juli auch seine Totenmesse stattfinden. "Das ist mein Heimatdom", sagte Kohl 2001 über das Bauwerk, das seit 1981 auf der Weltkulturerbeliste steht.

Der Dom war auch für den Historiker Kohl von Bedeutung - als Sinnbild des geeinten Europas und seiner christlichen Wurzeln. Er stehe für knapp 1000 Jahre deutscher und europäischer Vergangenheit, sagte Kohl am 2. Juli 1999 in der Dom-Krypta. Wer sich den Sinn für das Wesentliche bewahrt habe, der spüre im Dom den "Atem der Geschichte".

Auch der letzte Ausflug seines Lebens führte Kohl in die Kathedrale. Kurz vor Weihnachten, gemeinsam mit seiner Frau Maike Kohl-Richter.

Selbst die Grabstätte ist politisch aufgeladen

In unmittelbarer Nähe zu Kohls künftigem Grab steht die Friedenskirche St. Bernhard. Das Gotteshaus wurde 1953/54 errichtet mit dem Ziel, "ein Stein gewordenes Zeugnis für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich zu schaffen", wie es offiziell heißt. Bei der Grundsteinlegung war Konrad Adenauer mit dabei.

So wie schon Kohls Trauerfeier in Straßburg große Symbolkraft hat - erstmals ein europäischer Trauerakt, jenseits nationalstaatlicher Grenzen - so verhält es sich auch mit seiner letzten Ruhestätte. Die Wahl des Ortes könnte politisch aufgeladener kaum sein.

Nicht bei jedem kommt das Signal gut an. Eine ältere Dame, die am Dienstag auf dem Friedhof in Friesenheim vor dem Familiengrab der Kohls steht, sagt, ihrer Meinung nach gehöre Kohl dorthin. "Ich finde, er gehört zu seiner ersten Frau. Auch wegen den Jungs." Was Kohls Söhne wohl selbst davon halten?

Ein Vertrauter Kohls meint, die Entscheidung für seine letzte Ruhestätte entspreche seinem Leben. Es war ein Leben für die Politik, nicht für die Familie.

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