Lassen sich deutsche Bischöfe von Rom ausbremsen?

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Vollversammlung in Fulda - Lassen sich deutsche Bischöfe von Rom ausbremsen?

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Kommen nach dem Missbrauchsskandal einschneidende Reformen in der katholischen Kirche oder bremst Rom? Bei der Deutschen Bischofskonferenz werden entscheidende Weichen gestellt.

Herbstkonferenz der deutschen Bischöfe in Fulda
Die Bischöfe treffen sich zweimal im Jahr zur Vollversammlung, im Frühjahr an wechselnden Orten, im Herbst traditionell in Fulda.
Quelle: dpa

Wie geht es weiter mit der katholischen Kirche in Deutschland? Ein Jahr nach der Vorstellung der großen Missbrauchsstudie im September 2018 in Fulda ist das die zentrale Frage bei den Beratungen der deutschen Bischöfe, die heute in Fulda beginnen. Bis Donnerstag diskutieren die 69 Kirchenoberen über weitere Schritte bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Zentral ist dabei der "synodale Weg", der eine Erneuerung der Kirche bringen soll. Mit diesem Prozess sollen Lehren aus dem Skandal gezogen und Vertrauen bei den Menschen zurückgewonnen werden. Doch gerade um diesen "synodalen Weg" ist ein heftiger Streit entbrannt, sowohl unter den deutschen Bischöfen als auch zwischen der Mehrheit von ihnen und dem Vatikan.

Marx nach Brandbrief beim Papst

Nach einem Brandbrief aus Rom, in dem der Vatikan Anfang September starke Bedenken gegen die Statuten des "synodalen Wegs" sowie die zu beratenden Themen äußerte, führte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in der vergangenen Woche Gespräche in Rom. Dabei informierte er auch den Papst darüber, was die deutschen Bischöfe zusammen mit den katholischen Laien im Land planen. Franziskus hatte bereits Ende Juni den Katholiken in Deutschland einen Brief geschrieben. Darin ermunterte er einerseits zu offenen und notwendigen Diskussionen, mahnte zugleich aber auch die Einheit mit den Positionen der Weltkirche, sprich Roms, an.

Nach der Post aus Rom hatte eine große Zahl von Bischöfen betont, dass sie am "synodalen Weg" festhalten wollen. Bei der Vollversammlung muss sich nun zeigen, ob auch wirklich alle Bischöfe weiter zu dem Reformprozess stehen. Dabei geht es zum einen um die Frage, ob Laien und Bischöfe auf Augenhöhe miteinander diskutieren werden und bei Abstimmungen auch gleichberechtigt sind. Rom hat Sorge, die Laien könnten die Bischöfe "dominieren". Für die Laien ist eine Diskussion auf "Augenhöhe" eine Grundvoraussetzung für den Prozess.

Was darf diskutiert werden?

Zudem möchten die Laien, dass die vier Themenkomplexe ergebnisoffen und ohne Tabus diskutiert werden: Macht, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und die Rolle der Frau in der Kirche. Doch dürfen Bischöfe und Gläubige in Deutschland über Fragen des Zölibats, der Bewertung von Homosexualität oder Weiheämter für Frauen diskutieren? Der Vatikan sagt nein, die Gegner des "synodalen Wegs" ebenfalls. Die Befürworter sehen das anders. Sie sind sich zwar bewusst, dass am Ende bei vielen Themen die Entscheidungsbefugnis beim Papst liegt, sie wollen sich aber eine Diskussion darüber nicht verbieten lassen.

Kritiker des "synodalen Wegs", wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki oder der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, argumentieren, mit der geplanten Agenda weckten die Bischöfe falsche Hoffnungen, weil in den meisten Fällen nichts auf nationaler Ebene entschieden werden könne. Außerdem seien die Themen falsch gewählt. Die Kirche komme durch eine Erneuerung des Glaubens aus der Krise und nicht durch strukturelle Reformen. Die Gegner des "synodalen Wegs" in der geplanten Form sehen sich durch die beiden Briefe aus Rom bestärkt.

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"Synodaler Weg" soll am 1. Advent starten

Am 1. Advent soll der "synodale Weg" starten. Die Zeit drängt. Die Tage in Fulda sind daher entscheidende Stunden für die katholische Kirche in Deutschland. Wichtig sind die Beratungen aber auch für die Betroffenen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Denn die Bischöfe werden über eine "Neuordnung der materiellen Anerkennung erlittenen Leids" entscheiden. Im Gespräch zwischen Betroffenen, Experten und staatlichen Stellen war in den vergangenen Monaten ein Vorschlag erarbeitet worden, der deutlich höhere Summen für Betroffene vorsieht als bisher. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, hatte bestätigt, dass Summen von bis zu 300.000 Euro im Gespräch seien. Bisher erhielten Betroffene eine Einmalzahlung von 5.000 Euro.

Mehrere Bistümer haben eigene Aufarbeitungsprojekte angestoßen. Es wurden noch mehr unabhängige Anlaufstellen geschaffen und ein überdiözesanes Monitoring für die Bereiche Aufarbeitung und Prävention angestoßen. Der Leiter der großen Missbrauchsstudie, Harald Dreßing, sieht allerdings noch viele Defizite bei der Aufarbeitung und vermisst nach eigenen Worten das Gefühl für Verantwortung. Es sei "in keiner Institution denkbar, dass nach so einem Skandal kein einziger irgendeine persönliche Verantwortung übernimmt".

Die Bischöfe stehen in Fulda unter genauer Beobachtung. Drei Demonstrationen sind im Verlauf der Beratungen geplant. Die katholische Frauengemeinschaft hat zu einer Aktionswoche "für eine geschlechtergerechte Kirche" aufgerufen.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben/katholisch.

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