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Extreme Wetterereignisse - Klima-Versicherung für arme Länder geplant

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Extreme Wetterereignisse nehmen durch die Erderwärmung zu. In armen Ländern werden die Menschen mit den Schäden oft allein gelassen. Eine Klima-Risikoversicherung soll das ändern.

Folgen von Hurrikan Irma auf der Insel Barbuda
Hurrikan "Irma" hat auf der Karibikinsel Barbuda 95 Prozent der Gebäude zerstört. (Archivbild)
Quelle: reuters

Schön ist das für niemanden, wenn Stürme Dächer abreißen, ganze Straßen unter Wasser setzen, Ernten vernichten. In den wohlhabenden Industrieländern gibt es aber wenigstens Versicherungen, die bei den Schäden helfen. Solche Policen lohnen sich in der Regel für die Versicherungswirtschaft. In armen Entwicklungsländern ist das anders. Die Strukturen und das Geld für so einen Markt fehlen. Mit dem Ergebnis, dass die Menschen in Katastrophenfällen meist alleine vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.

Besonders drastisch ist das, wenn etwa Stürme wie "Irma" 2017 in der Karibik wüten. Allein auf der Insel Barbuda wurden dabei 95 Prozent der Gebäude zerstört. Versichert war so gut wie keiner der Eigentümer. Nach Schätzungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BmZ) rutschen auf diese Weise jedes Jahr 26 Millionen Menschen in die Armut ab. Dann zum Beispiel, wenn für das nackte Überleben Saatgut gegessen, Vieh geschlachtet und damit die Grundlage der Existenz zerstört wird.

Problem wächst mit der Erderwärmung

Und das Problem wächst mit der Erderwärmung. Studien wie der vergangene Woche auf dem Weltklimagipfel in Kattowitz veröffentlichte Klima-Risiko-Index belegen, dass die Extremwetter-Ereignisse in den letzten Jahren häufiger und heftiger geworden sind und dass sie vor allem die Entwicklungsländer im globalen Süden treffen. Ein Baustein, um diesen Ländern dauerhaft zu helfen, sollen Klimarisikoversicherungen sein.

Die Idee: Die Menschen sollen sich gegen Schäden im Grunde genau so versichern wie auch in den reichen Ländern. Und im Schadensfall Geld bekommen.

Aber wie soll das gehen, wenn einerseits die Versicherungswirtschaft in Ländern wie Senegal oder Haiti kaum auf Profite hoffen kann und andererseits die Menschen kein Geld für teure Policen haben?

Mit "InsuResilience Global Partnership" das Problem angehen

Um das Problem anzugehen, wurde vor einem Jahr auf dem Klimagipfel in Bonn die "InsuResilience Global Partnership" ins Leben gerufen. Eine breite Kooperationsgemeinschaft, in der Industrieländer genauso vertreten sind wie Entwicklungsländer, Forschungseinrichtungen und - ganz wichtig - die private Versicherungswirtschaft.

Ziel ist es, dass in maßgeschneiderten Modellen bezahlbare und profitable Versicherungen entwickelt und angeboten werden. Die Partnership will so 400 Millionen Menschen in armen Ländern versichern. Davon ist sie noch weit entfernt, aber erste Produkte sind vor allem in Afrika und Südamerika schon auf dem Markt. 200 Millionen US-Dollar konnten bereits ausgezahlt werden.

Flachsbarth: "Instrumente sind innovativ"

Diese Instrumente sind innovativ. Sie brauchen eine Weile, bis sie sich finanziell tragen.
Entwicklungs-Staatssekretärin Maria Flachsbarth

Allerdings: "Diese Instrumente sind innovativ", erklärt Entwicklungs-Staatssekretärin Maria Flachsbarth auf dem Weltklimagipfel in Kattowitz. "Sie brauchen eine Weile, bis sie sich finanziell tragen." Anders formuliert: Die Initiative muss mit Subventionen ordentlich angeschoben werden – von möglichst vielen Beteiligten.

Neben der Bundesregierung sind zum Beispiel Großbritannien und auch die Weltbank mit im Boot. Seit 2015 - in dem Jahr wurde die Idee geboren -  wurden insgesamt 700 Millionen US-Dollar bereitgestellt. In Kattowitz konnte die Initiative jetzt auf noch breitere Beine gestellt werden. Die Europäische Union und der Development Finance Club, ein Zusammenschluss von 24 Entwicklungsbanken, erklärten ihren Beitritt.

Risikomodelle müssen entwickelt werden

Das Ziel bleibt aber, dass es in den einzelnen Regionen einmal alleine läuft. Dazu müssen arme Länder Strukturen aufbauen, Risikomodelle müssen - zum Beispiel auch mit Hilfe von Satellitendaten - entwickelt werden. Und die großen Rückversicherer sollen mit ins Boot geholt werden. In einzelne Länder wie Senegal, Haiti oder Mali würden die aber nicht investieren, weiß auch Ingrid Hoven vom Entwicklungsministerium.

"Jedes dieser Länder könnte sich niemals auf dem Markt von einem Rückversicherer unterstützen lassen", sagt sie. "Aber wenn wir die Risiken bündeln, dann wird das marktfähig." Bündelung ist also eines der Geheimnisse. Bedeutet zum Beispiel: Länder und Regionen werden zu Pools zusammengefasst. Das macht Investitionen deutlich sicherer, weil in den seltensten Fällen der ganze Pool von einem einzelnen Ereignis betroffen ist.

Dauerhafte Strukturen

Wenn Sie eine Versicherung haben, gibt es einen Rechtsanspruch auf Auszahlung der Mittel.
Staatssekretärin Maria Flachsbarth

Auch wenn die Initiative die Bundesrepublik etwas kostet: Das Modell hat gegenüber direkter Finanzhilfe einige Vorteile: Es werden dauerhafte Strukturen geschaffen, die eine schnelle und rechtlich unstrittige Hilfe ermöglichen. "Wenn Sie eine Versicherung haben, gibt es einen Rechtsanspruch auf Auszahlung der Mittel", erklärt Staatssekretärin Maria Flachsbarth.

Den armen Ländern wird außerdem geholfen, mit Katastrophen ein Stück weit selbst umzugehen. Und nebenbei motiviert es sie, für Katastrophen vorzusorgen, indem sie zum Beispiel Notfallpläne und Saatgutvorräte anlegen. Denn Versicherungen geben dem Risiko einen Preis.

Hilforganisationen begrüßen die InsuResilience-Initiative

Viele arme Menschen, vor allem auch Frauen und Mädchen, leiden bereits unter den Folgen der Klimakrise.
Vitumbiko Chinoko von CARE International

Hilfsorganisationen begrüßen fast einmütig die InsuResilience-Initiative, einige sind sogar daran beteiligt. Sie könnten allerdings nicht die alleinige Lösung sein, dafür aber ein Baustein. Klimarisikoversicherungen seien eine Innovation, die die Hilfsanstrengungen von Ländern und Organisationen wirkungsvoll ergänzt, sagt etwa Vitumbiko Chinoko von CARE International. "Viele arme Menschen, vor allem auch Frauen und Mädchen, leiden bereits unter den Folgen der Klimakrise." Die Initiative gebe ihnen nun die Möglichkeit, sich selbst besser abzusichern.

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