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Syrien-Krieg - UN: Sieben "beschämende" Jahre für die Welt

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Sieben Jahre Krieg in Syrien und kein Ende. Die Vereinten Nationen stellen der Weltpolitik ein schlechtes Zeugnis aus. Zumindest einige Lebensmittel erreichten heute Ost-Ghuta.

Hilfskonvoi in Ost-Ghuta, aufgenommen am 09.03.2018
Hilfskonvoi in Ost-Ghuta Quelle: reuters

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sieht im Leiden der syrischen Zivilbevölkerung einen "beschämendem Ausdruck eines gescheiterten politischen Willens". "Die sieben Kriegsjahre haben eine gewaltige menschliche Tragödie hinterlassen. Um der Überlebenden Willen ist es höchste Zeit, diesen zerstörerischen Konflikt zu beenden", sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Bei der nächsten Syrien-Konferenz in Brüssel müssten feste Zusagen für eine größere finanzielle- und Entwicklungsunterstützung gemacht werden.

In den sieben Jahren Krieg sind nach Angaben von UNHCR Hunderttausende Menschen gestorben und 6,1 Millionen innerhalb Syriens aus ihren Häusern vertrieben worden. Darüber hinaus haben 5,6 Millionen Flüchtlinge in den Nachbarländern Zuflucht gesucht.

13 Lastwagen für 12.000 Notleidende

Derzeit steht besonders die umkämpfte Region Ost-Ghuta im Fokus der Hilfsorganisationen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sind seit Mitte Februar mindestens 1.000 Menschen in der belagerten Region ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten wird auf mindestens 4.800 geschätzt, mutmaßlich ist die Dunkelziffer der Opfer aber deutlich höher. In vielen Teilen von Ost-Ghuta leben nach Angaben des Hilfswerks die Bewohner unter katastrophalen hygienischen Bedingungen mit nur wenig Trinkwasser und oft ohne sanitäre Einrichtungen in Kellern und vorübergehenden Schutzunterkünften unter der Erde.

Trotz der andauernden Kämpfe erreichte zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ein Hilfskonvoi das Rebellengebiet. 13 Lastwagen mit Lebensmitteln für 12.000 notleidende Menschen trafen am Freitag in der Stadt Duma ein, wie eine Sprecherin des UN-Nothilfebüros Ocha erklärte. Allerdings beklagten die UN, Beschuss habe die Hilfslieferung bedroht. Trotz Sicherheitsbeteuerungen der Konfliktparteien, darunter auch Russland, sei die Gegend um Duma weiter beschossen worden. Wer dafür die Verantwortung trug, blieb zunächst unklar.

Erster Hilfskonvoi wegen Kämpfen abgebrochen

Ocha zufolge brachte der Konvoi der Vereinten Nationen, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Roten Halbmondes Hilfsgüter, die am vergangenen Montag nicht hatten abgeladen werden können. Die erste Lieferung Anfang der Woche musste wegen der heftigen Kämpfe um das Rebellengebiet abgebrochen werden. Viele medizinische Güter hatten zuvor auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden müssen. Eine UN-Sprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass alle Mitarbeiter das Rebellengebiet am späten Freitagabend wieder sicher verlassen hatten.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus gehört zu den letzten Gebieten in Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert werden. Die Region erlebt seit Mitte Februar die schwerste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Aktivisten zufolge konnten die Armee und Verbündete mittlerweile mehr als die Hälfte des bisherigen Rebellengebietes einnehmen.

Weniger Gewalt durch Putins Feuerpausen

Das UN-Kinderhilfswerk forderte die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen für Ost-Ghuta zu ermöglichen. "Wir brauchen endlich eine Waffenruhe, die diesen Namen verdient", sagte der UNICEF-Regionaldirektor für Nahost und Nordafrika, Geert Cappelaere, in Amman. "Wie soll unser medizinisches Personal dort arbeiten, wenn Konfliktparteien medizinische Güter aus den Konvois entfernen?" Nach Angaben von UNICEF sind inzwischen 40 Prozent der rund 200.000 Kinder in dem umkämpften Gebiet chronisch unterernährt.

Eine vom UN-Sicherheitsrat geforderte 30-tägige Waffenruhe für ganz Syrien ist in Ost-Ghuta ohne Wirkung geblieben. Die Gewalt geht jedoch während einer von Russland angeordneten täglichen fünfstündigen Feuerpause zurück. Hilfsorganisationen beklagen allerdings, die Zeit reiche für Lieferungen nicht aus.

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