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Hillary Clintons neues Buch - Die Abrechnung

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Knapp ein Jahr nach ihrer gescheiterten Präsidentschaftswahl meldet sich Hillary Clinton zurück. In ihrem Buch "What Happened" rechnet sie auf 512 Seiten mit Mitstreitern und Gegnern ab. Nicht nur Donald Trump, auch Bernie Sanders, Joe Biden und Barack Obama bekommen ihr Fett weg.

"Es ist ungefähr so, als würde man am Meeresboden sitzen und ein Buch über die gesunkene Titanic lesen", witzelte Late-Night Comedian Jimmy Kimmel über das neue Buch von Hillary Clinton. "What Happened" - Tagebuch eines Schiffbruchs beziehungsweise eines Wahlkampfs.

Was wirklich passierte vor der Wahl

Hillary Clinton will offenbar vor allen Dingen eins: erzählen: Was wirklich geschah im Wahlkampf 2016. "What Happened" ist zwar nicht ihre erste (sondern bereits die dritte) Biografie, dafür aber die persönlichste, preist der Verlag das 512 Seiten Buch. "In der Vergangenheit war ich immer sehr vorsichtig, wenn ich mich öffentlich geäußert habe. So als laufe ich über ein Seil ohne Netz und doppelten Boden", schreibt Clinton in der Einleitung. "Aber jetzt lege ich meinen Schutzpanzer ab", verspricht sie.

Schonungslose Offenheit - das kann sich die fast Siebzigjährige leisten. Nach Jahrzehnten als First Lady, Senatorin von New York, US-Außenministerin und Präsidentschaftsandidatin bewirbt sie sich nicht mehr um irgendein politisches Amt. Kein Blatt vor dem Mund also?

Viele Demokraten wünschen sich, sie würde lieber schweigen. Dass die glücklose Ex-Spitzenkandidatin erneut ins Rampenlicht tritt, findet kaum ein Parteigenosse gut. Niemand möchte den Wahl-Alptraum des vergangenen Jahres noch einmal durchleben. Zumal die Beliebtheitswerte Hillary Clintons aktuell bei 30 Prozent liegen, so niedrig wie nie.

Vor Veröffentlichung bereits Bestseller

Trotzdem ist das Interesse an Clintons Enthüllungsbuch riesig. Ihre ersten Lesungen sind längst ausverkauft - trotz der saftigen Eintrittspreise. In New York sollen Tickets für mehrere hundert, in Toronto sogar für mehrere tausend Dollar verkauft werden. Außerdem ist "What Happened" bereits vor dem Erscheinungsdatum an die Spitze der Bestsellerlisten geschossen. CNN, die "New York Times" und andere Medien zitieren seit Tagen ausführlich aus Vorabversionen.

"Eine verwundete und gekränkte, aber auch trotzige Hillary Clinton übernimmt zu einem gewissen Grad die Verantwortung für ihre Niederlage", heißt es bei CNN. Clinton listet akribisch einen "Katalog von großen und kleinen Fehlern" auf, die am Ende dazu führten, dass sie die Wahl verlor, schreibt die "New York Times". "Man kann alles auf die falschen Vorhersagemodelle, die falsche Wahlbotschaft oder was auch immer schieben. Am Ende war ich die Kandidatin und verantwortlich", so Clinton. "Ich habe es nicht hingekriegt und damit muss ich leben."

"Hau ab, du Widerling"

Hillary steckt allerdings nicht nur ein, sondern teilt auch kräftig aus. Für ihren Rivalen Donald Trump, seine Wahlkampagne und seine Präsidentschaft hat sie nur Verachtung übrig. Sie erinnert sich an eine der Fernsehdebatten, als Trump sie verfolgte und ihr nicht von der Seite wich. "Ich hätte am liebsten laut 'Hau ab, du Widerling' gesagt."

Der andere Fiesling in ihrem Buch ist der ehemalige FBI-Direktor James Comey. Er habe ihr durch sein Verhalten in der E-Mail-Affäre ein Messer in den Rücken gestoßen, so Clinton. Das FBI sei eine Brutstätte von Hass und Antipathie gegen Clinton. Selbst die liberale "New York Times" kriegt ihr Fett weg. "Die Geschichte wird zeigen, dass die Berichterstattung den Ausgang der Wahl beeinflusst hat", schreibt Clinton.

Aber nicht nur mit Gegnern, auch mit Freunden und Mitstreitern rechnet die gescheiterte Kandidatin trotzig und knallhart ab. Dies unter anderem mit Ex-Vizepräsident Joe Biden, Barack Obama und ihrem demokratischen Konkurrenten Bernie Sanders. Sanders habe ihrer Wahlkampagne "nachhaltigen Schaden" zugefügt und Trump den Weg geebnet. "Immer wenn ich zurückschlagen wollte gegen Sanders, hieß es, 'halte dich zurück'. Obama meinte, ich solle die Zähne zusammenbeißen. Ich fühlte mich wie in einer Zwangsjacke", meint sie.

Hauptverantwortlich für ihre Niederlage gegen Trump waren aus Clintons Sicht am Ende aber weder politische Freunde noch Feinde, sondern "Sexismus und Frauenfeindlichkeit". "Das hat ganz klar eine Rolle in diesem Wahlkampf gespielt und schließlich dazu geführt, dass der schamloseste und sexistische Kandidat gewonnen hat." "Warum ziehe ich so viel Wut und Hass auf mich", fragt Clinton ihre Leser und antwortet: "Ich denke es liegt zum Teil daran, dass ich eine Frau bin."

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