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Chinesische Raumstation - Der "Himmelspalast" ist abgestürzt

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Tiangong 1, Chinas erste Raumstation, ist über dem Pazifik unkontrolliert auf die Erde gestürzt. Die meisten Teile verbrannten in der Atmosphäre.

Chinesisches Raumlabor "Tiangong 1".
Chinesisches Raumlabor "Tiangong 1". Quelle: CMSE/Europa Press/dpa

Der Plan war eigentlich ein anderer: Wie in der Raumfahrt mittlerweile üblich, sollte die chinesische Raumstation Tiangong 1 ("Himmelspalast") nach Einsatzende kontrolliert in der Erdatmosphäre verglühen. Daraus wurde nichts. Denn 2016 verloren die Chinesen die Kontrolle. Seitdem kreiste die Station ihrem unkontrollierbaren Ende entgegen. Die Flugbahn und den Wiedereintrittswinkel noch zu beeinflussen, war völlig unmöglich.

Station weitgehend verglüht

Das ist peinlich und nicht ganz ungefährlich, denn beim kontrollierten Absturz verglüht ein Satellit oder ein  Raumschiff üblicherweise fast vollständig durch die Reibungshitze in der Atmosphäre - und zwar sicherheitshalber über dem Meer. Zum Glück ist auch Tiangong 1 jetzt zu großen Teilen über dem Pazifik verbrannt. Wie die chinesische Raumfahrtorganisation CMSEO berichtete, trat das Labor um 8.15 Uhr (Pekinger Zeit, 02.15 MESZ) über dem Südpazifik in die Atmosphäre ein. 

Experten von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA hatten vermutet, dass einige Teile wohl auf die Erdoberfläche stürzen. 20 bis 40 Prozent eines Objektes dieser Masse würden nämlich in der Regel den Wiedereintritt überstehen - meist solche aus Titan oder Edelstahl. Deren Aufschlag sei aber nicht vergleichbar mit einem deutlich heftigeren Meteoriteneinschlag, betont ESA-Experte Holger Krag. "Die Trümmer fallen ab 30 Kilometer Höhe mit der normalen Fallgeschwindigkeit, deshalb gibt es keine Krater." Außerdem könnten sich die Teile über tausend Kilometer verteilen. Die meisten würden auf dem Boden vermutlich nicht mal als Weltraumschrott erkannt werden.

Vor rund sieben Jahren war Tiangong 1 ins All gestartet. Seit einigen Jahren verliert sie jedoch an Höhe und wird demnächst auf die Erde stürzen.

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Deutschland nicht in Gefahrenzone

Wo aber genau der Absturz passieren sollte, war bis zum Schluss nicht vorherzusagen - auch deshalb, weil nicht bekannt war, welche automatischen Steuerungssysteme der Station noch funktionierten. Zuletzt konnte die Absturzstelle immerhin auf den Bereich zwischen 43 Grad nördlicher und 43 Grad südlicher Breite eingegrenzt werden. Deutschland gehörte nicht dazu, dafür aber zum Beispiel weite Teile Afrikas und Südamerikas, daneben Länder wie Spanien, Italien, Indien, Australien und die USA.

Aber auch dort ist es statistisch gesehen viel wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen zu werden als von einem Trümmerteil aus dem All. Darauf weisen die Raumfahrtagenturen immer wieder gerne hin. Noch sei bisher niemand auf diese Weise zu Tode gekommen. Meist landen die Trümmer nämlich unbemerkt im Meer.

Mir und Skylab

Tiangong 1 ist übrigens nicht die erste Raumstation, die auf die Erde stürzt. Das gleiche Schicksal hat 2001 die russische Mir erlitten. Damals allerdings verlief alles planmäßig. Die deutlich größere Station verglühte größtenteils, einige Teile verschwanden im Pazifik. Etwas dramatischer war es 1979, als das amerikanische Raumlabor Skylab unkontrolliert und weit früher als berechnet auf die Erde zuraste.

Die Station wog immerhin 80 Tonnen - zehnmal so viel wie Tiangong 1. In Panik wurden düstere Einschlagsszenarien entwickelt. Passiert ist am Ende aber nichts. Die Trümmer gingen über Südaustralien nieder - in unbewohntem Gebiet. In einem Museum können dort viele davon noch heute bewundert werden.

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