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Hintergrund - Bertelsmann-Stiftung: Hehre Ziele, viel Kritik

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Mit 100.000 Mark im Jahr 1979 fing alles an: Inzwischen bekommen die Studien der Bertelsmann-Stiftung immer wieder hohe Aufmerksamkeit. Aber auch Kritik bleibt nicht aus.

Bertelsmann Stiftung in Gütersloh am 30.4.2013
Bertelsmann Stiftung in Gütersloh am 30.4.2013
Quelle: dpa

Es ist ein großes Zitat, mit der die Bertelsmann-Stiftung auf ihrer Homepage ihr eigenes Leitbild beschreibt: "Aus dem Unbehagen, welches eigentlich jeder Bürger und Demokrat empfinden muss, wenn die Gesellschaft nicht zufriedenstellend geordnet ist, erwuchs mein Wunsch, bei der Besserung der Dinge behilflich zu sein." So hat es Reinhard Mohn, der Gründer und Stifter, 1977 formuliert.

Gütersloher Stadtbibliothek mit aufgebaut

Mit 100.000 Mark Startkapital begann zwei Jahre später die Arbeit. Erste Veröffentlichung: die Studie "Kommunikationsverhalten und Buch" - als Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen Infratest. Die Stiftung half außerdem beim Aufbau der Stadtbibliothek Gütersloh.

In der jüngsten Vergangenheit erregte die Stiftung immer wieder mit Studien und Rankings zu den Themen Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit oder Integration das Interesse der Öffentlichkeit, so etwa im Februar mit einer Untersuchung zum Lehrermangel in Grundschulen. Die baden-württembergische Bildungsministerin kritisierte die Studie als "Schreckensszenario".

Zweck der selbständigen und gemeinnützigen Stiftung ist die "Förderung der Wissenschaft und Forschung, der Religion, des öffentlichen Gesundheitswesens, der Jugend- und Altenhilfe, der Kunst und Kultur, der Volks- und Berufsausbildung, des Wohlfahrtswesens, der internationalen Gesinnung, des demokratischen Staatswesens und des bürgerschaftlichen Engagements." So steht es in der Satzung.

Beteiligung an Medien-Giganten Bertelsmann

Gemeinsam mit zwei weiteren Stiftungen (Reinhard Mohn-Stiftung und BVG-Stiftung) besitzt die Bertelsmann-Stiftung allerdings auch 80,9 Prozent der Kapital-Anteile am Medien-Giganten Bertelsmann. Dem gehören unter anderen die RTL Gruppe, die Verlage Penguin Random House und Gruner&Jahr, der Musikverlag BMG und der Dienstleister Arvato, der das Berliner Facebook-Löschzentrum betreibt. Die restlichen 9,1 Prozent hält die Familie der Witwe von Stiftungsgründer Reinhard Mohn, Liz Mohn. Sie hat außerdem das Sagen in der BVG-Stiftung, in der 100 Prozent der Stimmrechte der Bertelsmann AG liegen.

Mit inzwischen 119.000 Mitarbeitern (Stand: April 2018) machte Bertelsmann im vergangenen Jahr einen Umsatz von 17 Milliarden Euro. Die benachbarte Stiftung beschäftigt fast 400 Mitarbeiter an vier Standorten: Gütersloh, Brüssel, Washington und Barcelona.

Kritik: "Nebenregierung in Gütersloh"

Der Autor und Journalist Harald Schumann nannte die Stiftung 2006 eine "Nebenregierung in Gütersloh". Sie wirtschafte de facto mit öffentlichem Geld. Durch die Übertragung des Aktienkapitals des Konzerns auf die Stiftung habe Reinhard Mohn zwei Milliarden Euro Schenkungs- und Erbschaftssteuer gespart.

Sein Kollege Thomas Schuler schrieb 2010 in seinem Buch "Bertelsmannrepublik Deutschland. Eine Stiftung macht Politik" und in der "taz" unter der Überschrift "Die Methode Bertelsmann": "Eine Stiftung wie die Bertelsmann-Stiftung ist das Gegenteil von Demokratie: Sie ist niemandem verantwortlich, legt keine Rechenschaft ab, ist in den entscheidenden Macht- und Finanzfragen intransparent und sie beantwortet nur Fragen, die sie selbst stellt. Der Stifter bestimmt alleine. Das ist ein Defizit, das einer demokratischen Gesellschaft nur schwer vermittelt werden kann."

Der Niederländer Aart de Geus, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, weist das alles zurück und sagte im März der "Süddeutschen Zeitung": "Wir haben Lösungsvorschläge für große gesellschaftliche Herausforderungen und wollen, dass sie gehört werden." Und: "Wer Politik macht, muss Macht haben. Und Macht haben wir nicht."

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