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Hintergrund - Was China mit der Seidenstraße vorhat

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Die neue Seidenstraße ist das wohl größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte Chinas. Alle sollen davon profitieren, sagt Peking. Was hat die chinesische Führung genau vor?

Archiv: Container von China Railway Express unterwegs mit einem LKW am 04.07.2018 in Dinslaken
Duisburg ist Endstation der Reporterreise und Endpunkt der Landroute der chinesischen "Neuen Seidenstraße".
Quelle: picture-alliance

An einem Septembertag 2013 hält Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der kasachischen Hauptstadt Astana eine Rede, die im Westen zunächst nur wenige wahrnehmen. Xi kündigt an, engere wirtschaftliche Verbindungen zu knüpfen, die Zusammenarbeit zu vertiefen und die Entwicklungszusammenarbeit in Eurasien auszubauen. "Wir sollten gemeinsam einen Wirtschaftsgürtel entlang der Seidenstraße bauen", fordert Xi.

Knapp sechs Jahre später aber zeichnet sich ab, dass sie der Auftakt war für ein Projekt, das Chinas Macht und Einfluss in bislang nicht bekanntem Maß ausbreiten und das die Gewichte der Welt grundlegend verschieben wird.

Legendärer Handelsweg zwischen Ost und West

Die alte Seidenstraße war ein legendärer Handelsweg zwischen Ost und West, auf dem nicht nur Gold, Jade, Gewürze und eben Seide gehandelt wurden. Entlang der Route verbreiteten sich mit den Reisenden auch Ideen, Rezepte und Religionen. Über sie gelangte der Buddhismus nach China und - so sehen sie es jedenfalls in China - die Pasta nach Italien. Es war ein Symbol dafür, wie vernetzt die Welt schon zu einer Zeit war, als in Europa noch das sogenannte "dunkle Mittelalter" herrschte. Später, ab etwa dem 14. Jahrhundert, verlor die gefährliche Landroute an Bedeutung und aus der Seiden-Landstraße wurde eine Seiden-Seeroute.

Es ist ein chinesisches Mammutprojekt: die neue Seidenstraße. Sie soll China mit dem Westen verbinden.

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China knüpft mit seinem Megaprojekt an diese beiden Routen an. Entlang der alten Handelswege baut es mit gewaltigen Investitionsprojekten in Straßen, Eisenbahnen, Energieversorgung seinen Einfluss aus. Die Volksrepublik finanziert ein Netz aus neuen Häfen, Eisenbahnlinien, Straßen und Industrieparks in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa. Mit dieser kontinentübergreifenden "Belt and Road"-Initiative zielt die Führung in Peking seit 2013 darauf ab, über den Ausbau der Verkehrswege ihre Handelsverbindungen zu stärken und die Absatzmärkte enger an China zu binden. Außerdem lassen die Projekte auch bei den beteiligten Baufirmen die Umsätze sprudeln.

Die EU sieht Chinas Singal skeptisch

Die neue Seidenstraße ist das bislang lauteste Signal dafür, dass China eine andere Rolle in der Welt spielen will, dass es sich als Weltmacht sieht. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping will Chinas Macht und Einfluss ausweiten und das Land in einer Art Renaissance dahinführen, wo es sich seit Kaiserzeiten immer sah - als das Reich der Mitte, nach dem sich die Welt ausrichtet.

In der EU wird die "Neue Seidenstraße" aber bei vielen mit Skepsis gesehen, weil Abhängigkeiten befürchtet werden. Kritiker warnen davor, dass finanziell verwundbare Länder in eine Schuldenfalle und wachsende chinesische Abhängigkeit geraten könnten. Zudem profitierten vor allem chinesische Unternehmen. Als China etwa im vergangenen Jahr ankündigte, im Rahmen von "Belt and Road" weitere 60 Milliarden Dollar in Afrika zur Verfügung zu stellen, wurde bemängelt, dass China für seine Bauprojekte meist eigene Arbeiter mitbringe und damit keine Jobs in den afrikanischen Ländern selbst geschaffen würden. Erst vor wenigen Wochen hatte die EU einen neuen Mechanismus für verstärkte Kontrollen ausländischer Investitionen verabschiedet, der insbesondere auf chinesische Investitionstätigkeiten abzielt.

Zahlreiche Absichtserklärungen und Abkommen

China und Saudi-Arabien treiben gemeinsame Projekte bei Chinas "Neuer Seidenstraße" voran. Italien hat sich als erstes der großen G7-Industrieländer dem chinesischen Milliardenprojekt angeschlossen. Es geht um Investitionen in die Häfen von Triest und Genua als auch um eine Vereinbarung zum Export italienischer Zitrusfrüchte und um Abkommen, um den Tourismus zu fördern. Frankreich und China haben Wirtschaftsverträge im Volumen insgesamt 40 Milliarden Euro besiegelt. Auch Panama beteiligt sich und beauftragt chinesische Unternehmen mit einer vierten Brücke über den Panamakanal und einer dritten Metro-Linie in Panama-Stadt.

Der Duisburger Hafen wird immer mehr zur Drehscheibe für einen Teil des Handels zwischen China und der Europäischen Union. Eine Plattform für wirtschaftliche Zusammenarbeit von 17 Ländern aus Mittel- und Osteuropa für die Herstellung intensiver politischer und wirtschaftlicher Beziehungen hat sich unter dem Namen "16+1" gebildet. Bislang waren elf EU-Länder - Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien - und fünf EU-Aspiranten - Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien - unter den Teilnehmern. Zuletzt kam Griechenland dazu. Eine Bahnlinie soll Malaysias Westküste mit ländlichen Gebieten im Osten verbinden.

Forum zur "Neuen Seidenstraße"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier reist nach Peking und nimmt dort am Freitag als Vertreter der Bundesregierung an einem Forum zur "Neuen Seidenstraße" teil. Geplant sind daneben bilaterale politische Gespräche, wie eine Sprecherin des Ministeriums am Donnerstag sagte. Altmeiser sagte: "Der Infrastrukturausbau zwischen der EU und Asien ist ein wichtiges Thema. Aber er muss unter Einhaltung internationaler Sozial-, Umwelt-, Menschenrechts- und Ausschreibungsstandards erfolgen." Es ist nach 2017 das zweite Treffen, hochrangige Repräsentanten aus mehr als 100 Ländern werden erwartet.

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