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Überfischung - Warum gibt es eigentlich Fangquoten?

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Die EU-Fischereiminister beraten über die Fangquoten in Nordsee und Atlantik für 2020. Warum solche Quoten notwendig und wichtig sind, lesen Sie hier.

Trawler in der Nordsee
Umweltschutz oder Schutz der Fischer - die Fangquoten sind ein umstrittenes Thema.
Quelle: imago

Was sind Fangquoten?

Die EU-Fischereiminister legen jedes Jahr im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) die Gesamtfangmenge für die wichtigsten Konsumfischarten im Nordostatlantik fest. Die Gesamtmenge wird unter den EU-Staaten nach einem festen Schlüssel aufgeteilt, dadurch hat jedes Land seine nationale Fangquote. Die Nordsee wird von der EU zum Teil gemeinsam mit Norwegen bewirtschaftet. Erweitert man das Gebiet auf die Gewässer des Nordostatlantiks (außerhalb der Nord- und Ostsee), so müssen die EU-Minister mit diversen Drittstaaten verhandeln.

Dazu zählen unter anderem Island, die Faröer-Inseln und Grönland. Grundlage der jährlichen Fangquote sind wissenschaftliche Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) oder die des Wissenschafts-, Technik-und Wirtschaftsausschusses für die Fischerei (STECF). Die GFP wurde erstmals in den 1970er Jahren vereinbart. Die letzte Reform gab es im Januar 2014.

Warum sind Fangquoten wichtig?

Der Bestand der gleichen Fischart kann je nach Fanggebiet und den dort vorherrschenden Umweltbedingungen variieren. Als Konsequenz werden Höchstfangmengen für einzelne Meeresregionen festgelegt, damit die Fischbestände nachhaltig bewirtschaftet werden. Die GFP hat die EU-Staaten verpflichtet bis 2020 die Überfischung in ihren Meeren zu stoppen. Das heißt die europäische Fischereiflotte darf immer nur so viel fangen, dass der sogenannte höchstmögliche Dauerertrag (Maximum Sustainable Yield, MSY) eingehalten wird.

Der MSY meint die maximale Menge an Fisch, die dem System entnommen werden kann, ohne den gesamten Bestand zu gefährden. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gelten heute über 70 Prozent der Fischbestände im Nordostatlantik als nachhaltig bewirtschaftet. Umweltschützer wie der WWF kritisieren aber immer wieder, dass jährlich mehr entnommen wird, als nachwachsen kann und die wissenschaftlichen Empfehlungen zu wenig Beachtung bekommen.

"Wir möchten nicht, dass die Fischerei total den Bach runter geht", sagt der Leiter der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt, im Interview über die Zukunft der Ostsee-Küstenfischerei.

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Reichen Fangquoten alleine, um Fischbestände zu schützen?

Nein, aber sie sind ein wichtiges Instrument zum Schutz der Fischbestände. Die sogenannte Anlandeverpflichtung, die seit 2019 vollständig umgesetzt ist, verpflichtet Fischer jeden Fang zu melden und an Land mitzubringen. Der sogenannte Beifang, der früher einfach wieder über Bord geworfen wurde, wird jetzt auch auf die Fischfangquote angerechnet. Und das schafft einen Anreiz nach besserer technischer Ausstattung. Eine festgelegte Mindestmaschenweite verhindert zum Beispiel, dass untermassige Fische gefangen werden.

Um Schäden am Ökosystem Meer zu vermeiden, werden außerdem noch Schongebiete und -zeiten festgelegt. Damit die Fischerei in der EU umweltverträglich ist, wird neben den Fangmengen auch der sogenannte Fischereiaufwand begrenzt. Unter die Aufwandsregelung fällt zum Beispiel eine Begrenzung der Seetage eines Schiffes, der Schiffsgröße, der Maschinenleistung und der Fanggeräte.

Was passiert, wenn die Quoten nicht eingehalten werden?

Werden die festgelegten Fangquoten nicht eingehalten, so droht die Gefahr der Überfischung. Damit ist zunächst eine wirtschaftliche Schädigung gemeint. Werden Fische häufig zu früh gefangen, wird ihr Wachstumspotential nicht optimal genutzt. Damit würde Potential beim Profit verschenkt, erklärt Alexander Kempf vom Thünen-Institut für Seefischerei. Erst wenn aber über mehrere Jahre deutlich mehr Fisch entnommen wird, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen kann, droht eine Gefährdung der Fischbestände. Experten sprechen dann von der sogenannten Rekrutierungsüberfischung.

Die Folge wäre das Aussterben eines Fischbestands. Alexander Kempf relativiert dieses Szenario: "Dies ist in der Meeresfischerei noch nie vorgekommen, da sich eine gezielte Fischerei bei geringer Bestandsgröße nicht mehr lohnt und eingestellt wird." Trotzdem gefährdet eine kaum nachhaltige Fischerei natürlich die Fischbestände und kann Konsequenzen für das Ökosystem und die Fischer zur Folge haben.

Wo gibt es noch welche Fische?

Im Nordostatlantik gibt es für über 100 Arten über 200 erlaubte Höchstfangmengen. Mehr Infos dazu gibt es unter www.fischbestaende-online.de.

Sarah Schommer ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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