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Luftverschmutzung in Städten - Frankreich beginnt umzudenken

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Frankreichs Großstädte haben ein Problem mit schlechter Luft. Deshalb droht, wie auch Deutschland und weiteren EU-Ländern, eine Klage der EU-Kommission. Doch es tut sich was.

Archiv: Informationsanzeige zum Kohlenstoffdioxid bezüglich der  Luftqualität in Paris, aufgenommen am 14.12.2017
Informationsanzeige CO2 in Paris (Archivbild)
Quelle: imago

Sie gehören mittlerweile zum Stadtbild in Paris - große Anzeigetafeln, die Auskunft geben über die aktuelle Qualität der Luft. Denn das, was die Bewohner hier täglich einatmen, ist oft alles andere als gesund. Die französische Hauptstadt leidet unter einer hohen Luftverschmutzung, mehrmals im Jahr gibt es Smog-Alarm, weil die Feinstaubbelastung - und vor allem Stickstoffoxide - die Grenzwerte überschreitet.

Zahlreiche Städte haben ein Problem

Und Paris steht mit diesem Problem nicht alleine da. In zahlreichen Städten, wie Marseille, Grenoble oder Lyon sieht es ganz ähnlich aus. Deshalb steht Frankreich jetzt - neben Deutschland und sieben weiteren EU-Staaten - am Pranger der Europäischen Union, es droht eine Klage, weil die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Zu Recht, meint Umweltaktivist Franck-Olivier Torro von der Vereinigung "Respire", auf Deutsch: "Atme!"

"Seit 10 Jahren scheren wir uns nicht um die Grenzwerte, die EU hat uns immer wieder auf die Finger geklopft und uns ermahnt,  dass wir diese Grenzwerte respektieren müssen, aber es ist nicht viel passiert." Jetzt steht die französische Regierung unter Handlungs-Druck, Umweltminister Hulot - selbst ein ehemaliger Umweltaktivist - hat vor ein paar Tagen einen Aktionsplan nach Brüssel geschickt, mit dem er hofft, das Schlimmste noch abwenden zu können.

Maßnahmen reichen von Abwrackprämie bis Tempo 80

Der beinhaltet eine Aufstellung der Maßnahmen, die die neue Regierung bereits ergriffen hat: "Tempo 80" auf den meisten Landstraßen ab Juli dieses Jahres, eine Art "Abwrackprämie" für besonders schmutzige Autos, den Ausbau von Ladestationen für Elektroautos, ein begrenzter Zugang in besonders belasteten Städten für Fahrzeuge mit hohem Abgas-Ausstoß und ein Ende für Diesel- und Benzinfahrzeuge im Jahr 2040.

Eine, die schon seit Jahren gegen die Luftverschmutzung in ihrer Stadt kämpft, ist Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris. Sie will bereits  ab 2024 Dieselfahrzeuge in der Stadt verbieten, 2030 soll das auch für Benziner gelten. Sie hat die Uferstraßen an der Seine - sehr zum Ärger der Autofahrer - zu Fußgängerzonen umgestaltet - mit mäßigem Erfolg. Doch Frau Hidalgo lässt sich nicht einschüchtern. Ihr Ziel ist klar: Sie will die Autos aus Paris verbannen - zum Wohle der Luft. Und so werden Straßen zugunsten von Fahrrad- und Busspuren auf eine einzige Spur verengt, Autos, die älter sind als 20 Jahre, dürfen nur noch nachts oder am Wochenende fahren.

Franzosen kaufen weniger Diesel-Autos

Zudem gilt seit einem Jahr in Paris und einigen anderen großen Städten bereits eine Vignetten-Pflicht. Bei hoher Feinstaubbelastung  können für  bestimmte Fahrzeug-Kategorien, etwa Autos mit Diesel-2-Norm , Fahrverbote ausgesprochen werden. 

Langsam, aber sicher scheint bei den Franzosen ein Umdenken stattzufinden, nicht nur in der Politik, sondern auch in der Bevölkerung: Die Zulassungszahlen von Dieselautos ist seit 2013 rückläufig, 2017 rutschte die Zahl der angemeldeten Fahrzeuge unter die 50-Prozentmarke, dagegen verbuchten die Elektroautos  einen Anstieg von  über 14 Prozent. In Brüssel will man den französischen Aktionsplan nun umfassend prüfen. Möglich, dass Frankreich noch einmal mit einem blauen Auge davon kommt.

EU droht mit Klage

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