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US-Außenminister trifft Erdogan - Tillerson zu Gast beim Provokateur

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US-Außenminister Tillerson erwarten in der Türkei heute schwierige Gespräche: Erdogans Offensive in Syrien könnte zu einer Konfrontation zwischen beiden Truppen im Land führen.

US-Außenminister Rex Tillerson
US-Außenminister Rex Tillerson Quelle: ap

Sonderlich gefreut haben dürfte sich US-Außenminister Rex Tillerson nicht auf den Termin in Ankara: Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan - einem, der in den vergangenen Tagen keine freundlichen Worte für seinen Nato-Partner übrig hatte. Den letzten Beitrag zum immer schlechter werdenden Verhältnis der beiden Länder leistete sich Erdogan kurz vor dem Zusammentreffen mit Tillerson: Am vergangenen Dienstag drohte er den USA mit einer "osmanischen Ohrfeige", sollten sie weiterhin kurdische Milizen im umkämpften Syrien unterstützen.

Erdogans Provokationen haben innenpolitische Gründe

Schon seit Jahren kritisiert Erdogan die Unterstützung der USA für die syrischen Kurden. In ihnen sieht Washington einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Die Hoffnung der Türkei auf ein Ende der Allianz nach dem militärischen Sieg über den IS zerschlug sich: Die USA wollen darüber hinaus nun ihre militärischen Ziele in Syrien ausweiten, um insbesondere dem Iran etwas entgegen zu setzen. Damit geht die Unterstützung, gehen die Waffenlieferungen der Amerikaner an Erdogans Erzfeinde weiter.

Dem will Erdogan nun einen Riegel vorschieben und setzt auf Provokation in Richtung USA. Und wie hat Amerika auf die jüngste Androhung der "osmanischen Ohrfeige" reagiert? Ziemlich unbeeindruckt. "Wir sind diese Art von Rhetorik gewohnt", hieß es von einer Sprecherin im US-Außenministerium, "sei es von der türkischen oder einer anderen Regierung. Deshalb ärgern wir uns auch nicht darüber."

Trump interessieren die Krisenherde der Welt nicht

Ein Grund für diese Reaktion ist sicher, dass sich die USA politisch zurzeit nur um sich selbst zu drehen scheinen: Die neuen Pläne zur Infrastruktur etwa wurden in den vergangenen Tagen diskutiert, ebenso wie der Skandal um häusliche Gewalt durch den bisherigen Stabschef im Weißen Haus, Rob Porter. Obendrein fällt US-Präsident Trump selbst seit Längerem durch Desinteresse für die Krisenherde der Welt auf. 

Zudem lassen die USA die überzogenen Verbalattacken Erdogans  sicherlich auch bewusst an sich abprallen: Der türkische Präsident ist bekannt dafür, Feindbilder im Ausland aufzubauen, um die nationale Stimmung im eigenen Land zu verstärken - im kommenden Jahr stehen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei an. Erdogans Regierungspartei AKP will gewinnen, Erfolge im Kampf gegen die Kurden in Syrien müssen her für seine vor allem nationalkonservative Wählerschaft.

Gefahr einer echten militärischen Konfrontation

Bereits im Januar hatte Ankara angekündigt, die zurzeit laufende Offensive auf die kurdisch kontrollierte Region Affrin in Richtung der Stadt Manbidsch ausweiten zu wollen. Das ist heikel: In Manbidsch sind etwa 1.000 US-Spezialkräfte stationiert. Generalleutnant Paul E.Funk, der oberste US-Kommandeur in der von den USA geführten Koalition gegen den IS, drohte mit einer scharfen Antwort im Falle eines Angriffs - aufgeheizte Stimmung zwischen zwei Nato-Partner, die sich im Syrien-Konflikt militärisch gefährlich nahe kommen.

Vergangene Woche war bereits der Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Herbert R. McMaster, nach Ankara gereist - die Wogen konnte er nicht glätten. Nun ein weiteres unangenehmes Treffen zwischen Tillerson und Erdogan - möglicherweise eine der letzten Chancen auf eine Übereinkunft zwischen den Nato-Bündnispartnern.

Die Fronten im Syrien-Krieg

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